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Göttingen Alte Schätze und viele Kisten: Eine Schule zieht um
Die Region Göttingen Alte Schätze und viele Kisten: Eine Schule zieht um
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19:29 05.07.2011
Von Ulrich Schubert
Fleißige Helfer: Dennis, Tobias, Yannik, Pauline und Johanna aus der Klasse 8c packen Kisten.
Fleißige Helfer: Dennis, Tobias, Yannik, Pauline und Johanna aus der Klasse 8c packen Kisten. Quelle: Heller
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„Das Meiste brauchen wir in der neuen Schule eh’ nicht mehr“, sagt Lehrer Martin Egenolf. Trotzdem stapeln sich überall gefüllte Kartons, fein säuberlich beschriftet für die Spediteure. Gezählt hat sie bisher niemand. Es dürften sehr viele sein, denn selten zieht eine ganze Schule um. Seit Montag packt die Voigt-Realschule ihre Sachen.

Nach 110 Jahren verlässt die Voigtschule ihren Standort an der Göttinger Bürgerstraße. Etwa 450 Schüler und 35 Lehrer räumen das Gebäude. Sie ziehen mit ein in die Personn-Realschule in Weende – die muss dafür ihren Namen hergeben und heißt dann auch Voigtschule. In Göttingen gibt es dann neben der katholischen Bonifatiusschule nur noch eine Realschule (Tageblatt berichtete).

Der Umzug ist ein Mammutprojekt: Etwa 100 Schüler und die Lehrer packen seit Montag alles Brauchbare ein. „Aber wir haben in den vergangenen Wochen natürlich schon ordentlich aussortiert“, sagt Geschichtslehrer Christian Machate. Eine Plackerei mit Überraschungen: In irgendwelchen Regalen haben er und seine Kollegen auch uralte Englisch-Bücher, Plakate und Kunst-Skizzen gefunden – kleine Schätze.

So ein Umzug berge auch die Chance, „auszumisten“. „Was wir Jahre lang schon hier nicht genutzt haben, brauchen wir auch am neuen Standort nicht“, sagt Egenolf. Hinzu komme, dass die Personn-Realschule zwar für die Voigt-Schüler kräftig umgebaut und saniert werde, aber ja schon selbst gut ausgestattet sei. Auch viele Stühle, Tische und andere Möbel würden darum an andere Schulen oder auf den Müll gehen, ergänzt Schulleiter Peter Stahr – seine Büromöbel sind dafür schon mit roten Punkten markiert.

Jendrik Worlitz aus dem 8. Jahrgang macht der schwere Umzug „mehr Spaß als ein Wandertag“. Dass er das alte Schulgebäude verlassen muss, sei schade – „aber das ist halt so“. Ein wenig Wehmut ist bei allen Umzugshelfern herauszuhören, aber auch Aufbruchstimmung und Neugierde. Seit Monaten bereiten sich die Lehrer und Eltern beider Schulen auf die Fusion vor, am Dienstag führten die bisherigen Personn-Schüler die Neuen mit einer Rallye durch ihre künftige Schule.

Das Gebäude an der Bürgerstraße will die Stadt verkaufen – nach Tageblatt-Informationen haben bereits etliche Interessenten das Objekt besichtigt. Bis zum nächsten Jahr diene es aber erst einmal als Übergangsdomizil, bestätigt die Pressestelle der Stadtverwaltung: „Vermutlich“ für ein Schulprojekt des Deutschen Theaters, „ganz vielleicht“ für eine Kindertagesstätte.