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Göttingen Am Nabel steht Göttingens erste Ampel
Die Region Göttingen Am Nabel steht Göttingens erste Ampel
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18:44 23.08.2011
Von Britta Eichner-Ramm
Am Nabel 1952: Modell der Heuer-Uhrzeiger-Ampel über der Kreuzungsmitte.
Am Nabel 1952: Modell der Heuer-Uhrzeiger-Ampel über der Kreuzungsmitte. Quelle: Stadtarchiv / Repro: CR
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Göttingen

Damals regelten noch Verkehrspolizisten den Verkehr. Ziel war es, diese Kreuzung sicherer zu machen, und die Stadtverwaltung war bestrebt, „den Verkehr nach Möglichkeit zu modernisieren und flüssiger zu gestalten“. Dabei tauchte, so verkündete das Tageblatt im Dezember 1952, „eine neue Möglichkeit auf, Göttingen um ein neues ,Stückchen Großstadt‘ zu bereichern.“ Zur Diskussion standen die Modelle zweier Hersteller. Die Firma Heuer-Hammer bot eine sogenannte Uhrzeiger-Ampel an, die über der Kreuzungsmitte hängend dem Verkehrsteilnehmer von jeder der vier Richtungen den Blick auf einen sich langsam im Kreis drehenden Zeiger freigibt. Der Zeiger läuft dabei, so wird den Tageblatt-Lesern erklärt, „mit seinen beiden Enden über einen Ring, der in je zwei sich jeweils gegenüberliegende rote bzw. grüne Viertel aufgeteilt ist“. Als „psychologischer Vorteil“ der Uhrzeiger-Ampel wurde genannt, dass „die Fahrer und die Fußgänger“ im Voraus beurteilen können, wie lange sie noch warten müssen.

Doch nach einem Probebetrieb entschied man sich für einen Standsignalgeber der Firma Siemens mit Lichtsignalen sowie „besonderen Signallampen“ für Fußgänger. Die Signale dieser ersten Anlage konnten von einem Polizisten gesteuert werden – freie Fahrt (grün) oder Halt (rot). Ende Juni 1953 wurde die Testampel gegen eine neue „Verkehrsregelungslanlage mit Standgebern“ ausgetauscht und in Betrieb genommen. Die Göttinger Presse schrieb dazu am 23. Juni: „Grünes Licht und rotes Licht bleibt wie bisher. Hinzu kommt gelbes Licht. Und da gelb die Farbe des Neides und des Streites ist, so wären wir eigentlich mitten im Thema“. Hintergrund war nämlich, dass man sich keineswegs über die Ampelvariante einig war. Außerdem bestand die Sorge, dass bei nicht rechtzeitigem Austausch der Signalsysteme die Göttinger Besucher zur Tausendjahrfeier glauben könnten, „Göttingen sei eine Stadt, die wolle, aber nicht könne“.