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Göttingen Ambulante Hilfe bei psychischen Krisen
Die Region Göttingen Ambulante Hilfe bei psychischen Krisen
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20:14 07.09.2011
Dialog und Hilfe: Oliver Wille bespricht mit Betreuer Andreas Meyer die nächsten Schritte. Quelle: CH
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Göttingen

Um diesen Kreislauf zu durchbrechen und stationäre Aufenthalte zu vermeiden, ist das Konzept der ambulanten psychiatrischen Pflege entstanden. Dabei besuchen Fachpfleger bei einer drohenden Krise die Patienten und helfen ihnen dabei, wieder eine Struktur in ihr Leben zu bekommen, erklärt Dietmar Thiele, Mitglied der Geschäftsleitung der gemeinnützigen Ifas-GmbH. Sie bietet das ambulante Konzept seit knapp vier Jahren an, auch private Anbieter sind auf dem Markt. Aus Sicht der Krankenkassen geht es natürlich auch darum, die hohen Kosten für stationäre Aufenthalte zu senken.

Doch neben der Vermeidung von stationären Aufenthalten entlaste die ambulante Pflege, die von einem Facharzt verordnet werden muss, auch den behandelten Psychiater, erläutert Thiele. Den Patienten soll vor allem eine 24-stündige Rufbereitschaft Sicherheit geben. Mehr als 500 Patienten hat Ifas seit Anfang 2008 im Großraum Göttingen bislang versorgt. Vielen Patienten sei ein Großteil der Krankenhausbehandlung erspart worden, so Thiele. Doch könnten nicht alle Krisen ambulant behandelt werden. Bei Suizidgefahr etwa sei ein Krankenhausaufenthalt unumgänglich.

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Wie eine ambulante Betreuung funktionieren kann, zeigt der Fall des 42-jährigen Oliver Wille, der unter Depressionen litt. Nach einem Klinikaufenthalt kam er zurück in die gleiche triste Wohnung, in der er sich wieder verkroch, hatte immer noch Schulden und arbeitsrechtliche Verwicklungen.

Das änderte sich, als er mit Andreas Meyer einen Betreuer an die Seite bekam, der ihn in regelmäßigen Abständen zu Hause in einer ländlichen Harzregion besuchte. Nachdem eine Vertrauensbasis entstanden war, half Meyer Wille dabei, wieder einen Lebensplan zu entwickeln und auch wieder Kontakte zu knüpfen. Wille suchte sich eine neue Wohnung, die Schuldensituation wurde bereinigt, die Arbeitssituation geklärt, Wille trat wieder einem Verein bei, dem er bei der Grundstückspflege hilft. Meyer half auch bei der Einstellung auf Medikamente. Die ambulante Pflege geschehe in Zusammenarbeit mit dem Facharzt, so Meyer. Der nächste Schritt, an dem die beiden arbeiten, ist eine eingeschränkte Rückkehr auf den Arbeitsmarkt. Wille ist jedenfalls überzeugt, dass er mit Meyer die richtigen Schritte gemacht hat.

Von Jörn Barke