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Göttingen Ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst Göttingen informiert
Die Region Göttingen Ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst Göttingen informiert
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15:05 08.02.2019
Freiwillige Helfer entlasten betroffene Familien.
Freiwillige Helfer entlasten betroffene Familien. Quelle: Körner
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Göttingen

Zwei Tage vor dem Tag der Kinderhospizarbeit hat der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Göttingen am Freitag mit einem Informationsstand im Universitätsklinikum Göttingen auf seine Arbeit aufmerksam gemacht. An der Aktion beteiligt waren mehrere Bäckereien und Puk minicar Göttingen.

„Helfen ist auch was Schönes, man bekommt immer auch etwas zurück“, erzählt Janina Reichelt, ehrenamtliche Mitarbeiterin beim Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Göttingen. Reichelt ist Teil eines ehrenamtlichen Teams, das lebensverkürzend erkrankte Kinder und Jugendliche begleitet und unterstützt. Dabei geht es nicht nur um die Betreuung der Erkrankten, sondern auch um die der Geschwister und der Eltern. „Insbesondere die Geschwister von erkrankten Kindern können sich häufig vernachlässigt fühlen“, erklärt Reichelt. Manchmal kann Unterstützung auch einfach bedeuten, dass die Betreuung für das betroffene Kind für einen Abend übernommen wird, damit die Eltern entlastet werden und beispielsweise ins Kino gehen können.

Kinderhospize: Mehr als 130 ambulante Dienste

Seit 20 Jahren gibt es in Deutschland Kinderhospize. Sie betreuen Kinder mit einer lebensverkürzenden Erkrankung und ihre Familien bis zu vier Wochen im Jahr. Das Angebot gilt ab dem Zeitpunkt der Diagnose. In Deutschland leben nach Angaben des Deutschen Kinderhospizvereins etwa 52000 Kinder und Jugendliche mit einer lebensbegrenzenden Erkrankung. Seit 2006 macht der 10. Februar als „Tag der Kinderhospizarbeit“ auf die Situation von Kindern und Jugendlichen mit lebensverkürzender Erkrankung und deren Familien aufmerksam.

In ganz Deutschland existieren derzeit 16 vollstationäre Kinderhospize. Zusätzlich zu den stationären Hospizen gibt es bundesweit mehr als 130 ambulante Kinderhospizdienste. Sie schicken speziell ausgebildete Ehrenamtliche als Kinderhospizbegleiter in die Familien.

Die Idee der Kinderhospize stammt aus England. Ende der 1980er Jahren griffen einige Familien in Deutschland die Idee auf und gründeten am 10. Februar 1990 den Deutschen Kinderhospizverein. 1998 wurde das erste Kinderhospiz in Olpe im Sauerland eröffnet. Im gleichen Jahr wurde der Verein „Kinderhospiz Löwenherz“ gegründet. Fünf Jahre später folgte die Eröffnung der Kinderhospize in Hamburg, Berlin und in Syke.

Die Begleitung einer Familie kann kurz- oder auch langfristig angegangen werden, erklärt Hanne Hagen, Koordinatorin des Hospizdienstes. Dabei beschäftigt sich immer dieselbe Person mit einer betroffenen Familie. Ein klarer Rahmen wird laut Hagen gesetzt, indem die Unterstützung auf höchstens einmal pro Woche festgelegt wird. Das Angebot des Hospizdienstes ist kostenfrei und kann bereits nach der Diagnose einer lebensverkürzenden Krankheit genutzt werden. „Oft ist es wichtig, einfach da zu sein, damit die Familie nicht das Gefühl hat, nicht allein zu sein“, sagt Hagen. Die Koordinatorin teilt die ehrenamtlichen Mitarbeiter den Familien zu und initiiert dafür ein erstes Kennenlerntreffen. Ob jemand zu einer neuen Familie passt, hat viel mit Erfahrung und auch dem Bauchgefühl zu tun, erklärt Hagen.

Während die Palliativplätze für Kinder in Kliniken, laut Irene Müller, Geschäftsführerin des Kinderhospizes „Joshuas Engelreich“ in Wilhelmshaven, im stationären Bereich rar gesät sind, gibt es in der ambulanten Betreuung in Göttingen noch Kapazitäten für weitere Familien. Durch einen Kurs, der Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst angeboten wird, werden den ehrenamtlichen Mitarbeitern die notwendigen Fähigkeiten vermittelt. Inhalte der Kurse sind nach Angaben von Reichelt das menschliche Miteinander, die Auseinandersetzungen mit eigenen Trauererfahrungen und die Wissensvermittlung über ehrenamtliche Arbeit. Interessiert seien bislang größtenteils ehrenamtliche Mitarbeiterinnen, männliche Einsatzkräfte seien aber auch gerne gesehen.

Aktionen zum Tag der Kinderhospizarbeit

Ein grünes Band gilt als Symbol, dass auf die Kinderhospizarbeit aufmerksam machen sollen. Auch in Göttingen haben sich die Bäckereifilialen von Ruch in und um Göttingen für Sonnabend, 9. Februar, dafür ausgesprochen, eine grüne Banderole um ihre Brotlaibe mit einem Verweis auf den Tag der Kinderhospizarbeit, am Sonntag, 10. Februar, zu befestigen. Ebenfalls an der Aktion beteiligt sind der BioMarkt am Galluspark in Göttingen, der bereits seit einigen Tagen die Aktion unterstützen, die Holzofenbäckerei „Café Hemer Göttingen“ und die Obermühle Rosdorf. Grüne Bänder sollen bis zum Tag der Hospizarbeit auch die Autos von puk minicar Göttingen tragen. „Diese Aktionen gibt es bereits seit einigen Jahren“, sagt Hagen.

https://www.deutscher-kinderhospizverein.de/kinder-und-jugendhospizarbeit-in-deutschland/tag-der-kinderhospizarbeit/

Von Lisa Hausmann