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Göttingen An Leukämie erkrankt: Stammzellenspender für Katharina gesucht
Die Region Göttingen An Leukämie erkrankt: Stammzellenspender für Katharina gesucht
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08:11 12.07.2019
Hilfe für die kranke Kollegin: Verwaltungsmitarbeiterin Eva Holst nimmt an der Typisierungsaktion für Stammzellenspender im Neuen Rathaus teil. Quelle: Brakemeier
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Göttingen

Katharina hat Krebs. Genauer: Akute Myeloische Leukämie (AML) – eine aggressive Blutkrebsart. Dabei hatte die junge Frau aus Neustadt im thüringischen Eichsfeld gedacht, alles überstanden zu haben, hatte sie doch zuvor eine Lymphdrüsenkrebserkrankung überstanden. Doch kurz nach der Geburt ihres inzwischen anderthalbjährigen Sohnes kam die neuerliche Krebsdiagnose für die Angestellte bei der Göttinger Stadtverwaltung. Zur Zeit ist Katharina in Klinikum Göttingen zur Chemotherapie. Jetzt benötigt sie dringender denn je, einen Spender für Stammzellen, mit dessen Hilfe es gelingen kann, über eine Stammzellentransplantation die Leukämie zu besiegen. Unbehandelt führt AML nach einigen Wochen zum Tod.

Um diesen potenziellen Spender zu finden, hat der Verein für Knochenmark- und Stammzellspenden (VKS) am Donnerstag eine Typisierungsaktion im Neuen Rathaus organisiert. Schon früh waren viele Rathausmitarbeiter im Ratssaal erschienen, um daran teilzunehmen.

Typisierungsaktion für Stammzellenspender im Neue Rathaus Göttingen: Christopher Jacobi vom VKS zeigt, wie es geht. Quelle: Brakemeier

„Sich typisieren zu lassen, dauert nur wenige Minuten“, sagt Eva Holst von der Stabstelle Klimaschutz. Gerade hat sie, nach dem Ausfüllen der Einverständniserklärung, für ein paar Sekunden mit zwei Wattestäbchen über den Speichel Zellen ihrer Mundschleimhaut gesammelt. Mithilfe dieser Zellen kann ein Labor Gewebemerkmale potenzielle Spender ermitteln. Diese Ergebnisse fließen anonymisiert in das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) ein. Über diese Datenbank lassen sich deutschland- und weltweit passende Spender für einen Patienten ermitteln.

Der Verein für Knochenmark- und Stammzellenspenden (VKS) sucht potenzielle Spender für die 31 Jahre alte Katharina aus dem Eichsfeld. Sie arbeitet in der Göttinger Stadtverwaltung. Viele Kollegen gaben am Mittwoch ihre Speichelprobe ab und ließen sich für die Aufnahme in die weltweite Spenderdatei registrieren.

Auch Katharinas Kollegin Caroline Hoche lässt sich typisieren. Vorher habe sie keine Berührungspunkte mit der Krankheit und einer Stammzellenspende gehabt. Aber mit der erkrankten Kollegin sei das Thema nähergerückt. Da sei es selbstverständlich, sich typisieren zu lassen, sagt Hoche.

Caroline Hoche Quelle: Brakemeier

„Für neun von zehn Patienten lässt sich ein Spender finden“, sagt Maria Freystein vom VKS. Mit den Stammzellen eines Spenders lasse sich der Blutkrebs therapieren. „Die Überlebenschance steige so auf über 65 Prozent“, sagt Freystein. Für Freystein ist die Bereitschaft zur Stammzellenspende ein „sehr selbstlose Geste, ein Akt der Nächstenliebe“.

Nach Angaben des VKS erhält in Deutschland alle 16 Minuten ein Mensch die Diagnose Blutkrebs. Da geeignete Stammzellenspender im Familienkreis nur in einem Viertel der Fälle gefunden werden kann, brauche es weitere Spender, die ihre Stammzellen zur Verfügung spenden. Sollten die Gewebemerkmale eines Spenders zu einem Patienten passen und ein anschließender Bluttest sowie eine Voruntersuchung die Spende nicht doch noch ausschließen, kann die eigentliche Spende beginnen. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: die Blutstammzellspende und die Knochenmarkspende. Das Transplantationszentrum des Patienten entscheidet laut VKS, welches Präparat bevorzugt wird. Inzwischen wird Blutstammzellspende in 80 Prozent der Fälle bevorzugt. Eine Knochenmarkentnahme unter Vollnarkose aus dem Beckenknochen werde im Verhältnis dazu nur noch selten durchgeführt.

„Es kann jeden treffen“

„Es kann jeden treffen. Jeder sollte sich typisieren lassen“, sagte Pascal Sommer, Auszubildender im Rathaus. „Jede einzelne Speichelprobe erhöht die Chancen für die erkrankte Kollegin, aber auch für andere Erkrankte auf einen Treffer“, hatte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler vor der Aktion gesagt.

Am Ende haben sich am Donnerstag 262 Menschen bei der Aktion im Neuen Rathaus typisieren lassen. Am vergangenen Wochenende hatten sich in Katharinas Heimatort knapp 500 Menschen typisieren lassen. Mehr als 13000 Euro kamen dort für den VKS zusammen.

Angebote zur Typisierung in Göttingen

In Göttingen gibt es über die Knochenmark- und Stammzellspenderdatei Göttingen (KMSG) am Göttinger Universitätsklinikum die Möglichkeit, sich auch außerhalb von groß angelegten Typisierungsaktionen für eine Stammzellenspende typisieren zu lassen. Die KMSG ist wie der VKS ebenfalls eine von deutschlandweit 26 Spenderdateien.

Die KMSG setzt bei der Typisierung statt auf Zellen aus der Mundschleimhaut auf Blutproben der potenziellen Spender. Diese, so erläutert die ärztliche Leiterin der KMSG, Beatrix Pollok-Kopp, seien weniger aufwendig, zuverlässiger und sicherer zu analysieren. Pollok-Kopp betont, dass die Typisierung beim KMSG für Spender gratis ist. Der Göttinger Verein Hoffnung übernehme die Kosten.

Die Typisierungist zu den Blutspendezeiten im Klinikum möglich und auf der Internetseite blutspende-goettingen.de abzurufen. Der Blutspendedienst ist über den Haupteingang des Klinikums, Robert-Koch-Straße 40, auf Ebene 3 mit dem Aufzug D1 zu erreichen. Weitere Infos gibt es auch telefonisch unter der Nummer 05 51 / 3 96 68 99. Die KMSG ist unter kmsg@med.uni-goettingen.de per E-Mail zu erreichen.

Von Michael Brakemeier

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