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Göttingen Erste Drogen schon mit neun Jahren
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23:24 14.01.2018
Symbolbild Quelle: dpa
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Göttingen

Strafrichter haben häufig mit Angeklagten zu tun, die drogensüchtig sind. Auch am Dienstag ging es in einem Prozess vor dem Landgericht Göttingen mal wieder um Drogen und deren fatale Folgen. Eine 32-jährige Frau aus Göttingen muss sich dort seit Oktober wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Auch für erfahrene Richter dürfte es ein außergewöhnlicher Fall sein: Die Drogenkarriere der 32-Jährigen begann ungewöhnlich früh. Schon mit neun Jahren habe die Angeklagte Cannabis konsumiert, berichtete der psychologische Sachverständige Hendrik Keveloh. Der Wirkstoff THC habe sie gleichgültig gegen die Brutalität des alkoholabhängigen Vaters gemacht, der sie regelmäßig misshandelte. Im zwölften Lebensjahr kamen LSD und Ecstasy hinzu, mit 13 hing sie an der Heroin-Nadel, ab dem 14. Lebensjahr putschte sie sich außerdem mit Kokain auf.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 32-Jährigen vor, im April in der Göttinger Innenstadt einen 43-jährigen Mann mit einem Messer niedergestochen und lebensgefährlich verletzt zu haben. Die Polizei hatte die Angeklagte noch am gleichen Tag festgenommen. Sie sitzt derzeit in der Frauenhaftanstalt Hildesheim in Untersuchungshaft.

Vorstrafen wegen diverser Gewaltdelikte

Die Angeklagte ist bereits vielfach vorbestraft, unter anderem wegen diverser Gewaltdelikte. Sie hat wiederholt ohne Anlass auf Menschen eingeschlagen, die auf einer Bank saßen oder an einer Bushaltestelle warteten. Sie schlug ihnen mit der Faust ins Gesicht, trat auf sie ein, würgte sie. 2012 verurteilte sie das Amtsgericht Göttingen wegen gefährlicher Körperverletzung und anderer Delikte zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren. Ein Jahr zuvor war sie bereits zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden. Ein Sachverständiger hatte ihr damals Polytoxikomanie (regelmäßigen Mischkonsum und die Abhängigkeit von verschiedenen Drogen) und eine dissoziale Persönlichkeitsstörung bescheinigt. Da die Angeklagte keine Krankheitseinsicht habe und therapieunwillig sei, sei eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt nicht angezeigt. Eine Therapie hätte keinerlei Erfolgsaussicht.

Misshandlungen durch den Vater, Schuldzuweisungen durch die Mutter

Auch in diesem Verfahren hat das Gericht einen Gutachter hinzugezogen. Nach Angaben des Psychologen ist die Angeklagte in desaströsen Verhältnissen aufgewachsen. Der Vater habe sie misshandelt, ihre Mutter habe gesagt, sie sei daran selbst Schuld. Als die Tochter das Jugendamt einschaltete und ein Behördenvertreter einen Hausbesuch machte, hätten die Eltern alle Vorwürfe abgestritten. Mit zwölf sei sie zuhause ausgezogen, mit 16 hatte sie eine eigene Wohnung. Sie schwänzte die Schule, hat keinen Abschluss. Außer zwei Praktika hat sie keine Ausbildung oder Berufserfahrung vorzuweisen.

Abgerutscht ins Drogenmilieu

Stattdessen sei die Angeklagte schon zu Beginn der Adoleszenz ins Drogenmilieu abgerutscht, sagte Keveloh. Ihre Persönlichkeitsstruktur sei durch die Drogenkultur geformt worden. Ihre dissoziale und emotional instabile Persönlichkeitsstörung drücke sich unter anderem in einer ständigen Missachtung sozialer Normen, Empathiemangel, Misstrauen gegenüber der Umwelt und einem enorm erhöhten Aggressionspotenzial aus. Einmal habe sie nach einem kalten Entzug eineinhalb Jahre lang opiatfrei gelebt, ehe es zu einem Heroin-Rückfall kam. In den vergangenen Jahren habe sie auch MDPV konsumiert, mit gravierenden Folgen: Zweimal wurde sie zur Notfall-Behandlung in eine psychiatrische Klinik gebracht, wo man sie aufgrund ihrer psychotischen Symptome fixieren musste. Beide Male musste sie aufgrund eines Beschlusses des Amtsgerichts Göttingen für mehrere Wochen in der Klinik untergebracht bleiben.

Anders als der Gutachter im früheren Verfahren hält der Psychologe eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt nicht von vornherein für aussichtslos. Es gebe eine gewisse Chance, die 32-Jährige vom Drogenkonsum wegzubringen. Nur so lasse sich die Aggressionsproblematik reduzieren. Der Prozess wird Anfang Januar fortgesetzt.

Von Heidi Niemann

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