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Göttingen Angeklagter: „Ich bin ganz ruhig geblieben, habe rumgeschrien“
Die Region Göttingen Angeklagter: „Ich bin ganz ruhig geblieben, habe rumgeschrien“
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19:59 08.09.2013
Von Jürgen Gückel
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hann. Münden / Göttingen

In der Nacht zum 6. März soll er seine junge Freundin übel misshandelt und genötigt haben. Schwere räuberische Erpressung ist angeklagt. Vor dem Landgericht Göttingen steht für ihn viel auf dem Spiel. Er könnte lange hinter Gittern bleiben, von wo aus er vorgeführt wird. Er war am 25. März in Haft genommen worden. Eine neunmonatige Vorstrafe steht noch zur Bewährung.

Diese Strafe bildet auch den Hintergrund der jetzt verhandelten Tat. Der Mann hatte schon einmal seine Freundin misshandelt. Das Amtsgericht Hann. Münden hatte ihn rechtskräftig verurteilt. Als Bewährungsauflage sollte er der jungen Frau 600 Euro zahlen. Am Tattag stand der Moment, an dem er seinem Bewährungshelfer beweisen musste, dass er diese Summe gezahlt habe, kurz bevor.

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In der Stadt aufgelauert

Er soll die Frau laut Anklage abends in der Stadt aufgelauert, sie am Arm ergriffen und in seine Wohnung gezerrt haben. Dort soll er sie angeschrien, sie bis zum nächsten Morgen festgehalten, sie mit einem Messer und einer Spritze bedroht haben und versucht haben, ihr eine unbekannte Tablette in den Mund zu schieben. Außerdem soll er ihr das Handy weggenommen und darauf gebissen haben, so dass das Mobiltelefon beschädigt wurde. Aus purer Angst habe die junge Frau auch Geschlechtsverkehr mit ihm erduldet.

Schließlich soll er sie gezwungen haben, für ihn eine Quittung auszustellen, auf der sie die Entgegennahme der Geldauflage über 600 Euro bestätigte. Mit zitteriger Hand habe sie zunächst mit einem Kajalstift den Zettel geschrieben. Das passte ihm nicht. Insgesamt zehn Mal musste sie laut Anklage die Quittung schreiben, bis sie ihm sauber genug war, um sie tags darauf dem Bewährungshelfer vorzulegen. Die Frau ist seit der Tat traumatisiert und musste teils stationär behandelt werden.

„Ich hatte Todesangst“

Der Angeklagte bestreitet alles. Es habe zwar Streit gegeben, weil die 20-Jährige in jener Nacht Fotos seiner zweiten Freundin aus Göttingen unter seiner Matratze entdeckt habe. Zu ihm gekommen und die Quittung geschrieben habe sie aber freiwillig. „Ich habe sie auf keinen Fall geschlagen.“

Bei der Zeugin hört sich das alles anders an. Haarklein bestätigt sie, was in der Anklage steht. Den Zettel, so vermutet sie, habe er gewollt, um seinem Vater zu belegen, dass er gezahlt habe. Er wollte sich dann das Geld vom Vater wiedergeben lassen und damit nach Frankfurt fahren, mutmaßlich um Drogen zu kaufen. Die Angriffe mit der flachen Hand im Gesicht, das Festhalten und ihr Ringen nach Luft fasst sie so zusammen. „Ich hatte Todesangst.“

Nebenbei wurde bekannt, dass Bekannte des Angeklagten inzwischen versucht haben sollen, die junge Frau vor der Zeugenaussage einzuschüchtern und zu einer Falschaussage zu drängen. Darauf reagierte das Gericht besonders empfindlich. Der Prozess wird fortgesetzt.