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Göttingen Angeklagter meldete getötete Mutter in Arztpraxis ab
Die Region Göttingen Angeklagter meldete getötete Mutter in Arztpraxis ab
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17:00 08.03.2019
Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der 47-Jährige seine Mutter kurz nach ihrer Rückkehr von dem Arztbesuch aus Habgier mit einem Schürhaken erschlagen hat. Quelle: dpa
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Göttingen/Herzberg

Im Prozess um den Mord an einer 74-jährigen Frau in Herzberg haben am Freitag mehrere Mediziner als Zeugen vor dem Landgericht Göttingen ausgesagt. Eine Mitarbeiterin einer Arztpraxis hatte die Mutter des Angeklagten noch am Vormittag des mutmaßlichen Tattages gesehen.

Die 74-Jährige sei am 22. September 2017 gemeinsam mit ihrem Ehemann mittags zum vereinbarten Termin in der Arztpraxis in Herzberg gewesen, berichtete die medizinische Fachangestellte. Damals sollte bei ihrem Ehemann, der eine Platzwunde am Kopf hatte, ein Verbandswechsel vorgenommen werden.

Sohn erscheint in Arztpraxis

Wenige Tage später sei der Sohn der 74-Jährigen in der Praxis erschienen und habe mitgeteilt, dass er seine Mutter „zur Erholung“ mit nach Hannover nehmen werde. Die Praxismitarbeiter sollten sich deshalb nicht wundern, dass sie den nächsten Kontrolltermin nicht wahrnehmen werde.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der 47-Jährige seine Mutter kurz nach ihrer Rückkehr von dem Arztbesuch aus Habgier mit einem Schürhaken erschlagen hat. Nach Angaben der Zeugin hatten die 74-Jährige und ihr Ehemann an jenem Freitag die Praxis gegen 12.30 Uhr verlassen.

Leiche in Blumenbank einbetoniert

Laut Anklage soll der 47-Jährige rund zwei Stunden später seine Mutter in ihrem Wohnhaus ermordet haben, weil sie seinen Lebensunterhalt nicht weiter habe finanzieren wollen. Um das Verbrechen zu vertuschen, habe er anschließend die Leiche in eine Blumenbank im Wohnzimmer einbetoniert. Die Polizei hatte die Leiche erst rund sieben Monate später im April 2018 nach einem Zeugenhinweis entdeckt.

Der Angeklagte war einige Wochen später in Schweden festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert worden. Nach seiner Verhaftung hatte er gegenüber der Polizei seinen dementen Vater als Täter bezichtigt. In seiner Vernehmung gab er an, dass er nach dem gemeinsamen Mittagessen einen Spaziergang gemacht habe. Nach seiner Rückkehr habe er seine Mutter im Wohnzimmer seines Elternhauses in Herzberg am Boden liegend vorgefunden. Sein Vater habe mit blutverschmierten Händen vor den Sofa gestanden, neben ihm zwei Metallbügeleisen.

Angeklagter beschuldigt dementen Vater

Als er festgestellt habe, dass seine Mutter nicht mehr atmete, habe er seinen Vater gewaschen, neu eingekleidet und in ein Pflegeheim gebracht. Da er Angst gehabt habe, dass man ihm wegen seiner Vorstrafen nicht glauben würde, habe er sich dann entschlossen, die Leiche der Mutter verschwinden zu lassen.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass nicht der Ehemann, sondern der Sohn den Mord begangen hat. Der Ehemann sei aufgrund seiner Demenz dazu gar nicht in der Lage gewesen. Dieser war kurz nach dem mutmaßlichen Tatzeitpunkt in ein Pflegeheim gekommen.

Arzt: Vater des Angeklagten motorisch eingeschränkt

Bei seiner Ankunft sei er bereits motorisch eingeschränkt gewesen und habe keine komplexen Handlungen mehr vornehmen können, berichtete ein Arzt, der den Rentner in dem Heim regelmäßig betreut. Er habe den Ehemann immer freundlich zugewandt erlebt, aber nie aggressiv.

Auch die Arzthelferin hatte den Ehemann der Getöteten stets als freundlich erlebt. Sie habe nie ein böses Wort von ihm gehört. Der Rentner sei aufgrund seiner Demenz sehr hilfsbedürftig gewesen und habe sich nicht mehr allein in der Praxis orientieren und auch nicht allein anziehen können. Seine Ehefrau habe sich stets fürsorglich um ihn gekümmert.

Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt. Das Gericht hat derzeit noch sechs Verhandlungstage bis Mitte April angesetzt.

Von Heidi Niemann

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