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Göttingen Anklage gegen Göttinger Transplantationsmediziner Aiman O.
Die Region Göttingen Anklage gegen Göttinger Transplantationsmediziner Aiman O.
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12:06 19.06.2013
dpa (Symbolbild)
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Braunschweig/Göttingen

Dem Mediziner wird versuchter Totschlag in elf Fällen sowie Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen zur Last gelegt.

Dem Mediziner wird vorgeworfen, in elf Fällen bei der Meldung von Patientendaten an die zentrale Vergabestelle von Spenderorganen „Eurotransplant" bewusst wahrheitswidrig angegeben zu haben, dass bei diesen Patienten im Zeitraum von zwei Wochen vor der Meldung mindestens zweimal eine Dialyse durchgeführt werden musste.

Unzutreffende Blutwerte

Fünf dieser Patienten wurden der Vergabestelle gemeldet, obwohl die nach den Richtlinien der Bundesärztekammer vorgeschriebene Alkoholabstinenz von sechs Monaten nicht eingehalten war, in drei dieser Fälle wurden ferner unzutreffende Blutwerte angegeben.

Durch diese Falschangaben wurden die Patienten auf die Warteliste für ein Spenderorgan aufgenommen und rückten auf dieser so weit nach oben, dass ihnen innerhalb kürzester Zeit ein Spenderorgan zugewiesen und dieses transplantiert wurde.

Aufgrund der in Deutschland bestehenden Knappheit von Spenderorganen ist davon auszugehen, dass durch die unwahren Angaben des Angeschuldigten andere Patienten, die lebensbedrohlicher erkrankt waren als die von dem Angeschuldigten gemeldeten, kein Spenderorgan erhielten und möglicherweise aus diesem Grunde verstarben.

Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren

Der 46-jährige Mediziner befindet sich in Untersuchungshaft. Im Fall einer Verurteilung droht dem Angeschuldigten eine Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren. Zudem kommt die Verhängung eines Berufsverbots in Betracht.

Nicht bestätigt haben sich indes die Vorwürfe der Bestechlichkeit und des Organhandels.

Von diesem Verfahren abgetrennt worden sind die Ermittlungen gegen vier weitere Mediziner aus dem Uniklinikum Göttingen, bei denen der Verdacht einer Beteiligung an den Manipulationen und körperverletzenden bzw. versuchten Tötungshandlungen fortbesteht. Das Ergebnis der Ermittlungen in diesen jetzt neu eingeleiteten gesonderten Verfahren ist offen und wird zu einem späteren Zeitpunkt mitgeteilt werden.

EB

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