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Göttingen Weitere Anklage gegen „Freundeskreis“-Aktivisten
Die Region Göttingen Weitere Anklage gegen „Freundeskreis“-Aktivisten
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17:00 05.01.2018
Quelle: dpa
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Göttingen

Die Strafverfolgungsbehörde wirft ihnen versuchte gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung vor. Die beiden Männer sollen im April 2017 in Friedland drei Gegendemonstranten verfolgt haben, um sie zu verprügeln. Der 23-Jährige habe dabei einem Angehörigen der linken Szene zugerufen: „Alter, ich krieg dich! Lauf!“, sagte ein Sprecher. Kurz bevor die Rechtsaktivisten die Gegendemonstranten erreichten, hätten Polizisten die beiden Verfolger gestoppt und ihnen Handschellen angelegt.

Einschlägig vorbestraft

Gegen den einschlägig vorbestraften 23-Jährigen sind bereits diverse andere Anklagen anhängig. So muss er sich demnächst gemeinsam mit „Freundeskreis“-Wortführer Jens Wilke und einem 28-jährigen Betriebswirt wegen Bildung einer bewaffneten Bande vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, sich zwecks gemeinsamer Aktionen zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele zu einer Gruppe mit hierarchischer Struktur zusammengeschlossen zu haben, die über eine Vielzahl an Waffen und anderen gefährlichen Werkzeugen verfügt habe. Sie seien dabei grundsätzlich bereit gewesen, die Waffen einzusetzen. Die Polizei hatte im vergangenen Februar bei einer Razzia unter anderem sieben Messer, eine Axt, einen Schlagring, eine Machete, zwei Säbel, zwei Teleskop-Schlagstöcke, zwei angespitzte Schlagstöcke, zwei Schreckschusspistolen, eine Einhand-Armbrust mit fünf Pfeilen sowie Quarzhandschuhe und Pfefferspray sichergestellt.

Außerdem ist der 23-Jährige gemeinsam mit Wilke und fünf weiteren Angehörigen der rechten Szene wegen einer gewalttätigen Attacke im April 2017 an einer Tankstelle in Bovenden (Kreis Göttingen) angeklagt. Der 23-Jährige soll dort einen Mann zu Boden gestoßen und mit Stahlkappen-Stiefeln auf ihn eingetreten haben, während die anderen im Kreis drum herum standen.

Gewalttätiger Vorfall an der Göttinger Stadthalle

Ferner soll der 23-Jährige im November 2016 an einem gewalttätigen Vorfall an der Göttinger Stadthalle beteiligt gewesen sein. Gemeinsam mit zwei 21 und 37 Jahre alten Kumpanen soll er dort zwei Mitglieder der linken Szene verfolgt haben, dabei sollen sie einen Mann mit einem Schlaggegenstand erheblich verletzt haben. Die drei Aktivisten müssen sich deshalb im März wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Göttingen verantworten.

Auch gegen „Freundeskreis“-Wortführer Jens Wilke hat die Justiz bereits mehrere Strafverfahren eingeleitet. So musste der 40-Jährige eine Geldstrafe von 600 Euro zahlen, weil er eine Autofahrerin genötigt, bedroht und als „Schlampe“, „Fotze“ und „Drecksanarchistin“ beschimpft hatte. Später erhielt er einen weiteren Strafbefehl über 900 Euro, weil er eine Mitarbeiterin der Göttinger Kreisverwaltung als „antideutsches Geschmeiß“ bezeichnet hatte.

„Bewaffnete Bande“

Auch gegen den mutmaßlichen dritten Angehörigen der „bewaffneten Bande“ gab es bereits mehrere Strafverfahren. Im November verurteilte das Landgericht Göttingen den 28-jährigen Betriebswirt zu einer Geldstrafe von 700 Euro, weil er einen Studenten vom Fahrrad geschubst hatte. Außerdem erhielt er zwei Strafbefehle über insgesamt 3900 Euro wegen Verstoßes gegen das Kunsturhebergesetz, weil er Fotos von Polizisten und Gegendemonstranten gefertigt und ohne deren Zustimmung auf Facebook hochgeladen haben soll.

Von Heidi Niemann