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Göttingen Anonymem Krankenschein droht das Aus
Die Region Göttingen Anonymem Krankenschein droht das Aus
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16:00 04.09.2018
Landesmittel für den Anonymen Krankenschein versiegen. Quelle: Pixabay
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Göttingen

Der Anonyme Krankenschein wird nach drei Jahren wieder abgeschafft, sagte Rainer Neef vom Verein „Gesundheitsversorgung für Papierlose“ am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst.

Am 1. Dezember werde die Vergabestelle Göttingen geschlossen. „Das Projekt ist beendet und ein Ersatz ist nicht in Sicht.“ Er schätze die Chance auf eine Verlängerung oder Neuauflage auf „vielleicht 20 Prozent“, sagte Neef. Entscheiden muss darüber der Landtag in Hannover.

Anonymer Zugang zum Gesundheitssystem

Das aus Landesmitteln finanzierte Projekt mit Vergabestellen in Göttingen und Hannover habe Menschen ohne Aufenthaltstitel einen Zugang zum Gesundheitssystem vermittelt, erläuterte Neef. Im zweiten Projektjahr 2017 erhielten demnach allein über die Vergabestelle Göttingen 50 Betroffene anonymisierte Krankenscheine für Krankenbehandlungen oder Geburten.

Diese Personen hätten zwar nach dem Asylbewerberleistungsgesetz grundsätzlich ein Anrecht auf Gesundheitsversorgung gehabt. Sie hätten aber eine Abschiebung befürchten müssen, wenn die Behandlungen über die zuständigen Behörden beantragt worden wären.

Nur im äußersten Notfall zum Arzt

Viele „Papierlose“ gingen daher gar nicht oder nur im äußersten Notfall und oft viel zu spät zu einem Arzt. Das Projekt ermögliche ihnen, sich in Hannover und Göttingen ohne Furcht vor einer existenzbedrohenden Meldung mit einem Krankenschein in Behandlung zu begeben.

Ihre Personendaten blieben geschützt im Raum der ärztlichen Behandlung und der Abrechnungsstellen, also der Kassenärztlichen Vereinigungen und Apotheken-Abrechnungszentralen. Für jeden Behandlungsanlass und für jedes Quartal gibt es einen neuen Schein.

Göttinger Medinetz

Parallel zum Projekt „Anonymisierte Krankenschein“ vermittelt das „Göttinger Medinetz“ in der Universitätsstadt in wöchentlichen Sprechstunden Migranten in ärztliche Behandlung, die der Initiative zufolge anderenfalls nicht ausreichend medizinisch versorgt würden.

Mit Verweis auf das Krankenschein-Projekt hatten die Stadt und der Landkreis Göttingen die Förderung des „Medinetz“ gestrichen. Neef sagte, nun müsse die Versorgung von jährlich etwa 50 bis 60 weiteren Patienten ohne Aufenthaltspapiere wohl vom Medinetz organisiert werden: „Personell sind wir nicht stark genug für eine Verdoppelung unserer Klientenzahl, und unsere finanzielle Situation ist schon jetzt äußerst prekär.“

Von EPD

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