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Göttingen "Anonymer Krankenschein" für Flüchtlinge ohne Papiere
Die Region Göttingen "Anonymer Krankenschein" für Flüchtlinge ohne Papiere
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13:43 24.06.2014
Quelle: Solvay (Symbolfoto)
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Göttingen/Hannover

Nach ihren Angaben wollen die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen noch in dieser Woche einen entsprechenden Entschließungsantrag in den Landtag einbringen. "Die medizinische Versorgung von Flüchtlingen muss neu organisiert werden", sagte Andretta.

"Mit dem anonymen Krankenschein wollen wir den Flüchtlingen die Angst nehmen, nach einer medizinischen Behandlung abgeschoben zu werden." Menschen ohne definierten Aufenthaltsstatus wagten es in der Regel nicht, sich mit Beschwerden oder nach Unfällen in medizinische Behandlung zu begeben, weil sie fürchteten, dann durch die Ausländerbehörden entdeckt zu werden.

Gleichzeitig gingen Ärztinnen und Ärzte, die ohne sichere Kostenübernahme durch das Sozialamt eine Behandlung vornähmen, ein finanzielles Risiko ein. Der anonymisierte Krankenschein solle zunächst in ausgewiesenen Beratungs- und Vergabestellen in Göttingen und Hannover eingeführt werden, kündigte Andretta an. Kooperationspartner für den Modellversuch würden die Kassenärztliche Vereinigung sowie Initiativen für medizinische Flüchtlingshilfe - entsprechende Vereine aus Göttingen und Hannover waren am Montagabend mit dem Niedersächsischen Integrationspreis ausgezeichnet worden.

"Das Bremer Modell ist Vorbild"

Die Kosten für den Modellversuch soll das Land tragen. Dem Antrag von SPD und Grünen zufolge soll die Landesregierung zudem prüfen, ob für registrierte Asylbewerber und geduldete Flüchtlinge eine elektronische Gesundheitskarte eingeführt werden könne.

"Das Bremer Modell ist hier das Vorbild", sagte Andretta. In Bremen und Bremerhaven bekommen diese Personen eine reguläre Krankenkassen-Chipkarte der AOK. Die Debatte über eine bessere Gesundheitsversorgung für Flüchtlinge hatte in Niedersachsen nach dem Tod eines Flüchtlingsbabys im April an Fahrt aufgenommen.

Eine Klinik in Hannover hatte das Kind nach Angaben der aus Ghana stammenden Mutter wegen eines fehlenden Einweisungsscheines nicht aufgenommen. Nach Angaben des Krankenhauses hatte die Mutter allerdings die Notaufnahme kurz vor der Untersuchung des Babys wieder verlassen. Das Kind starb wenige Stunden später auf dem erneuten Weg in die Klinik an einer Lungenentzündung.

epd