Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Anschlag auf Göttinger Kreishaus
Die Region Göttingen Anschlag auf Göttinger Kreishaus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:11 22.01.2010
Teeküche zerstört: Mit Sprengstoffhund am Tatort.
Teeküche zerstört: Mit Sprengstoffhund am Tatort. Quelle: Hinzmann
Anzeige

In Raum 217 geht es um Sprengstoff- und Waffenrecht. In der Teeküche daneben kochen sich auch die Mitarbeiter der Ausländerbehörde ihren Kaffee. Am Freitagmorgen, drei Minuten vor 9 Uhr, entdeckte ein Mitarbeiter Feuer auf der Küchenzeile. Er holte den Feuerlöscher und stand schon in der Tür, als eine Explosion ihn zurück in den Flur schleuderte. Mit Verdacht auf ein Knalltrauma kam der 25-Jährige ins Klinikum.

Was passiert war, hat es seit 13 Jahren (Anschlag auf das Arbeitsamt) in Göttingen nicht mehr gegeben: ein gezielter Brandanschlag auf eine Behörde. Polizei und Staatsanwaltschaft nehmen die Tat sehr ernst, werden verschiedene Objekte und Personen in den nächsten Wochen personalintensiv unter Schutz stellen. Zwar gibt es kein Bekennerschreiben, wohl lässt ein vorgefundener Zettel, auf dem ein Abschiebestopp gefordert wird, eine gezielt gegen die Ausländerbehörde gerichtete Tat vermuten. Der Generalbundesanwalt wurde informiert.

Ermittelt wird wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion, sagt Oberstaatsanwalt Hans-Hugo Heimgärtner. Möglich, dass daraus der Vorwurf „versuchter Totschlag“ wird, denn bei der Wucht der Detonation hätte es verheerend enden können, wenn Menschen im Raum gewesen wären. Und es hätte jeden treffen können, der die Teeküche benutzt. Das Kreishaus war nach der Detonation evakuiert worden.

Das Gebäude war ab 6 Uhr geöffnet. Zur Tatzeit herrschte Publikumsverkehr. Die Teeküche liegt neben einer Wartezone. Der Täter muss zunächst ein Feuer ausgelöst haben, ehe eine mitgebrachte Substanz detonierte. Von einer „unbekannten Sprengvorrichtung“ spricht Kripochef Volker Warnecke.

Welche Art von Sprengstoff oder Brandbeschleuniger genutzt wurde und was die Auswertung der Videoüberwachung der Eingänge ergab, darüber schweigt die Polizei.

Von Jürgen Gückel