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Göttingen Anschlag gegen Studenten gerichtet?
Die Region Göttingen Anschlag gegen Studenten gerichtet?
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00:17 16.03.2017
Von Matthias Heinzel
Bei einer Razzia hat die Polizei unter anderem Waffen und verbotene Fahnen sichergestellt. Quelle: dpa
Göttingen

„Für ein Dawa Großprojekt“, hieß es auf der Facebook-Seite von „Im Auftrag des Islam“, „brauchen wir praktizierende Brüder.“ Autorin des Aufrufs ist „Ayad Musa“. „Dawa“ kann als Aufruf verstanden werden, dem Islam beizutreten, oder öffentlichkeitswirksam als Muslime beizutreten, beispielsweise mit Gruppenbeten im öffentlichen Raum, sagt die Islam-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall.

Musa erklärt in einer anderen Mitteilung, sie sei von der Islamischen Hochschulgemeinde (IHG) Kiel. Sie fragt an, ob die IHG Göttingen noch aktiv sei. Antwort: Nein, aber „ein Neustart ist jedoch geplant“, teilt „Sophie“ mit. Allerdings habe man derzeit noch Mühe, Mitstreiter zu finden. Musa aus Kiel kündigt zudem die Gründung eines Dachverbands aller IHG in Norddeutschland an.

Unterdessen wurde bekannt, dass sich der geplante Anschlag der beiden Anfang Februar festgenommenen Salafisten offenbar gegen Studenten der Universität richten sollte. Der 23-jährige Nigerianer und der 27-jährige Algerier hätten offenbar „das Wissen“ möglichst vieler „Ungläubiger“ auslöschen wollen, zitiert die „Bild“-Zeitung einen nicht namentlich genannten Ermittler in der Sache.

Ermittlungen dauern an

Dazu, ob der Nigerianer Kontakte zu der nigerianischen radikalislamischen Terrorgruppe Boko Haram hatte, will sich die Göttinger Polizei nicht äußern. Die Organisation, die dem „Islamischen Staat“ die Treue geschworen hat, strebt die Einführung der Scharia in ganz Nigeria und das Verbot westlicher Bildung an. Auch die Frage, ob sich der geplante Anschlag tatsächlich gegen die Universität richten sollte, wollte die Polizei nicht beantworten. Die Ermittlungen der Polizei dauerten weiter an, teilte Polizeisprecher Michael Weiner mit: „Einzelne Zwischenergebnisse werden, insbesondere mit Blick auf die noch laufende Prüfung beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, nicht veröffentlicht."

Das BVG muss darüber entscheiden, ob die beiden Männer allein deshalb abgeschoben werden dürfen, weil sie als „Gefährder“ der staatlichen Ordung der Bundesrepublik gelten, ohne dass ihnen konkrete terroristische Aktionen nachgewiesen wurden. Entsprechende Ermittlungen hatte die Generalstaatsanwaltschaft Celle eingestellt. Das Verfahren vor dem BVG könne sich hinziehen, weil dieses rigorose Vorgehen gegen Gefährder juristisches Neuland bedeute, hieß es im Niedersächsischen Innenministerium. Sowohl der Algerier als auch der Nigerianer sitzen weiterhin in Abschiebehaft in Langenhagen.

Eine Abschiebung in einem solchen Fall hat es in der Bundesrepublik bislang nicht gegeben. Der Göttinger Polizeipräsident Uwe Lührig hatte kurz nach der Festnahme Anfang Februar erklärt, ein Anschlag habe nach Einschätzung der Polizei unmittelbar bevorgestanden.