Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Antenne Niedersachsen sprüht flächendeckend Werbung aufs Pflaster
Die Region Göttingen Antenne Niedersachsen sprüht flächendeckend Werbung aufs Pflaster
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 29.08.2013
Von Michael Brakemeier
Werbung am Kornmarkt für Radiosender: Soll durch Regen „zeitnah neutralisiert“ werden. Quelle: Theodoro da Silva
Anzeige
Göttingen

„Die neue Wort- und Bildmarke ist anfassbar, locker und modern“, frohlockte Antenne-Geschäftsführer Kai Fischer noch zum Relaunch. „Es ist eine klar erkennbare und zeitlose Marke, die hohen Wiedererkennungswert hat.“

Richtig klasse fanden einige Göttinger die Werbung aber nicht. „Hallo @AntenneNds! War das eigentlich nötig, dass ihr unsere ganze schöne Innenstadt mit euerem doofen Logo vollschmiert? #Göttingen #fail“, twitterte etwa @kweku_ am Sonntag.

Und Tageblatt-Leser Bernd Kreutzfeldt fragte die Sendergeschäftsführung in einer Mail: „Was haben Sie sich dabei gedacht, nachts in unglaublichem Ausmaß eine Verschmutzung des frisch verlegten teuren neuen Straßenpflasters in der Göttinger Fußgängerzone und weiteren Innenstadtstraßen mit Ihrem Schriftzug Antenne Niedersachsen vorzunehmen?“

„Zeitnah neutralisiert“

„Es tut mir leid, wenn Sie über unsere Werbeaktivitäten in Göttingen  verärgert sind. Leider hat sich die von uns beauftragte Firma nicht an unsere Vorgaben gehalten, bei dieser Aktion äußerst sensibel vorzugehen“, antwortete Uwe Walnsch, Marketingchef bei Antenne. Man habe bereits dementsprechende Auswertungsgespräche geführt.

Da Sprühkreide verwendet wurde, sei davon auszugehen, dass die betroffenen Stellen „zeitnah neutralisiert“ seien. „Selbstverständlich werden wir ansonsten Nachreinigungen durchführen“, verspricht Walnsch. Am Montag waren die Logos unter anderem noch vor dem Bahnhof, auf dem Wochenmarkt und am Kornmarkt zusehen.

Antenne-Sprecherin Ina Engelleitner sagte gegenüber dem Tageblatt, dass es bei ähnlichen Aktionen in Osnabrück oder Braunschweig keine Beschwerden gegeben haben, eine aber in Hannover. Noch habe sich die Stadt Göttingen ihres Wissens nach nicht an den Sender gewandt.

Wer sprüht, muss auch putzen

Die Stadtverwaltung reagierte aber prompt mit einer allgemein gehaltenenen Pressemitteilung auf die Werbemaßnahmen. Aus „aktuellem Anlass“ weist sie darauf hin, dass auch neue Werbeformen – wie zum Beispiel die sogenannte „Sprühschablonenwerbung“ – eine genehmigungspflichtige Sondernutzung öffentlicher Flächen darstelle.

Unabhängig vom Erfordernis einer Sondernutzungserlaubnis stelle diese Werbeform vor allem eine Verunreinigung der Straße dar, welche zusätzlich mit Beseitigungspflichten geahndet werden könne.

Im Klartext: Wer sprüht, muss das Gesprühte – neben einer Ahndung der ungenehmigten Nutzung als Ordnungswidrigkeit – auch wieder entfernen. Eine Sondernutzungserlaubnis sei immer dann erforderlich, wenn „eine Nutzung der Straße zu anderen als verkehrlichen Zwecken erfolgt“.

Weitere Informationen könnten beim Fachdienst Bauverwaltung eingeholt werden, heißt es in der Mitteilung abschließend. Die Anfrage, ob dem Sender die Sondernutzung der öffentlichen Flächen in Rechnung gestellt worden ist und ob er verpflichtet wurde, die Werbung zu entfernen, hat die Stadtverwaltung nicht beantwortet.