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Göttingen Südlink durchschneidet Stadtgebiet: „Das gibt es nur in Göttingen“
Die Region Göttingen Südlink durchschneidet Stadtgebiet: „Das gibt es nur in Göttingen“
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00:22 20.05.2019
In der Breite dieser Menschenkette, nämlich gut 55 Meter, muss Erdreich für die Verlegung der Stromtrasse bewegt werden. Quelle: R
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Groß Ellershausen

Unter großer öffentlicher Beteiligung hat am Donnerstagabend der Ortsrat Groß Ellershausen/Hetjershausen/Knutbühren getagt. Mehr als 100 Bürger waren zu einer außerplanmäßigen Sitzung in das evangelische Gemeindehaus gekommen, weil sie sich vor allem für ein Thema interessieren: den Südlink. Der soll bekanntlich Deutschland in Nord-Süd-Richtung durchziehen und Strom transportieren; vornehmlich umweltfreundlichen Strom von Windanlagen im Norden in den besonders energiehungrigen Süden. Das Problem, das Ortsbürgermeisterin Heidrun von der Heide (SPD), die Ortsräte und ein Großteil der Einwohner der drei Göttinger Ortsteile sehen: Die Leitung würde Göttinger Stadtgebiet durchschneiden.

Das gibt es in der Tat nur in Göttingen, sagte Stefan Mayer vom zuständigen Fachdienst der Stadtverwaltung. Zwar führe die bislang nur auf dem Papier geplante Stromtrasse zuweilen sehr nah an Wohngebieten vorbei, aber nirgends durch ein Stadtgebiet, so wie es in Hetjershausen der Fall sein soll, wenn denn die vom Netzbetreiber Tennet favorisierte West-Variante tatsächlich realisiert wird. Während sich der ebenfalls anwesende Stadtbaurat Thomas Dienberg (parteilos) sicher ist, dass dieser Plan so nicht Wirklichkeit wird, zeigten sich vor allem Anwohner unsicher.

Stadt hat Gutachten in Auftrag gegeben

Auf Unverständnis stieß zum Beispiel, dass Tennet zu Hamsterverdachtsflächen einen Schutzabstand von 150 Meter einhält, es für den Abstand zu menschlichen Behausungen aber offenbar überhaupt keine Mindestdistanzen gibt. Die Anwesenden erfuhren von Dienberg und Mayer, dass sich die Stadt Göttingen mit dem Werra-Meißner-Kreis einen Verbündeten gesucht und ein Gutachten in Auftrag gegeben hat, das bereits vorliegt. Beide Verwaltungen sehen Ungereimtheiten in der Entscheidung von Tennet, den westlichen Trassenverlauf zu favorisieren. Zwischen der westlichen und der östlichen Variante würden nicht die selben Bewertungsmaßstäbe angesetzt. Eine Kritik, die Dienberg in den vergangenen Tagen zu verschiedenen Gelegenheiten angebracht hatte, so auch bei der Ortsratssitzung am Dienstag in Elliehausen.

Baugebiete für Ein- und Zweifamilienhäuser

Die gesamte Materie – von den Interpretationen von Tennet, über den Widerspruch durch die Stadt Göttingen bis hin zu den sich tausendfach offenbarenden Hürden entlang beider Trassenverläufe – sei sehr komplex, bilanzierte Ortsbürgermeisterin von der Heide. Festzuhalten sei aber hinsichtlich des Göttinger Ortsteils Hetjershausen, dass der Südlink einen Ort durchschneiden soll und dazu auch noch an einer Stelle, an der die Stadt Göttingen neue Baugebiete für Ein- und Zweifamilienhäuser ausgewiesen hat, wie jetzt das Baugebiet „Nördlicher Deneweg“. Ein Projekt, „das wir schon immer gefordert haben“, sagte Ortsratmitglied Christian Henze (SPD). Er ergänzte: „Wir waren eher da als Tennet.“

Bereits hohe Belastungen durch Trassen

Ein Baugebiet, mit dem die Hetjershäuser Ortslagen Altdorf und Hasenwinkel zusammenwachsen, wie Ortsratmitglied Hartmut Haepe (CDU) begrüßte. Eines der Hauptargumente, das Dienberg gegen Tennet anbringt, ist deshalb die offenkundige Einschränkung der Siedlungsentwicklung der Stadt Göttingen. Nicht geredet von der bereits bestehenden Belastungen durch Trassen wie der ICE-Strecke, der Autobahn, einer Gashochdruckleitung, einer Kreisstraße und der ebenfalls geplanten 380kV-Leitung Wahle-Mecklar.

Stellungnahmen bis 7. Juni möglich

Ortsbürgermeisterin von der Heide appellierte an alle, vom Recht Gebrauch zu machen, eine persönliche Stellungnahme an die Bundesnetzagentur zu schreiben und zwar bis spätestens 7. Juni. Dienberg zeigte sich überzeugt, dass ein großer Bürgerprotest sehr wohl ernst genommen werde. Die Bundesnetzagentur wird letztlich über den tatsächlichen Trassenverlauf entscheiden.

Von Ulrich Meinhard