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Göttingen „Schluss mit Versiegelungswahn“ in der Jahnstraße
Die Region Göttingen „Schluss mit Versiegelungswahn“ in der Jahnstraße
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10:46 22.06.2018
Bürger gegen Baumaschinen: Anwohner im Brauweg-Viertel wehren sich gegen Radwegausbau. Quelle: Brakemeier
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Göttingen

„Schluss mit dem Versiegelungswahn“, „Für den Erhalt asphaltfreier Spazierwege“ und „Aufenthaltsqualität braucht Entschleunigung“ steht auf ihren Plakaten. Am Donnerstagmorgen haben Anwohner des Viertels südlich des Rosdorfer Weges gegen die Verbreiterung des Rad- und Fußweges zwischen Jahnstraße und Freibad Brauweg protestiert. Die Ratspolitiker Gerd Nier (Linke), selber Anwohner, und Francisco Welter-Schultes (Piraten) haben sich hinzugesellt.

„Vorher war das hier ein Weg zum Lustwandeln“, beschreibt eine Anwohnerin den Weg, der zwischen Gartenanlage und Leinekanal entlang führt. „Romantisch und grün“ sei er gewesen und mit seinen zwei Metern Breite so eng, dass Radfahrer und Fußgänger Rücksicht aufeinander nehmen mussten, wollten sie aneinander vorbeifahren. Der Weg habe „zur Langsamkeit gezwungen“, heißt es in einem Flyer, den die Anwohner an Passanten verteilen.

„Schluss mit dem Versiegelungswahn“. Quelle: Brakemeier

Das, so die Befürchtung der Anwohner, könnte sich nun bald ändern. Inzwischen ist der Weg auf gut drei Metern verbreitert worden. Statt einer wassergebundenen Schotterdecke soll die Strecke geteert werden. Die Angst „vor rasenden Radler“ auf schnellen E-Bikes macht sich breit.

„Fußgänger haben das Nachsehen“, befürchten die Anwohner. „Wer tatsächlich die Nahmobilität mit verschiedenen gleichberechtigten unmotorisierten Fortbewegungsarten oder gar die Aufenthaltsqualität fördern will, muss entschleunigen statt noch die letzten Winkel der Langsamkeit zu zerstören“, heißt es in dem Flyer. Sie bezweifeln die Notwendigkeit des Ausbaus, gebe es doch mit dem parallel verlaufenden Brauweg eine bereits existierende, asphaltierte Alternative zur Jahnstraße.

30000 Euro für den Ausbau

Verwaltungssprecher Dominik Kimyon erläutert den 30000 Euro teuren Ausbau: „Hintergrund ist, dass der Weg am Leinekanal für Radfahrer und mobilitätseingeschränkte Personen, etwa ältere Menschen mit Rollatoren mit dem Schotterbelag – vor allem bei nassen Wetterbedingungen – schlicht ungeeignet war.“ Auch seien „viele Beschwerden über den Zustande des Weges bei der Stadtverwaltung eingegangen“. Die Verwaltung schätzt, dass es durch die Verbreiterung zukünftig zu weniger Konflikten kommen werde. Der Weg werde weiter als gemeinsamer Geh- und Radweg ausgewiesen. Er sei wichtig im Stadtteil und eine Verbindung des Stadtteils und der Innenstadt mit den Freizeiteinrichtungen, erklärt Kimyon.

Drei Forderungen der Anwohner

Drei Forderungen haben die Anwohner vorgebracht: keine Teerdecke, „Zonen der Entschleunigung statt weiterer Flächenversiegelung“ nicht nur in der Südstadt und mehr Bänke für mehr Aufenthaltsqualität. Am Nachmittag wollen sie diese Forderungen im Bauausschuss des Rates vorbringen.

Zumindest der Wunsch der Anwohner nach mehr Bänken könnte in Erfüllung gehen. Denn die Umbau des Weges ist Teil des Nahmobilitätskonzept für die Südstadt. Dieses sei „übrigens von Ratsmitgliedern in diversen Ausschüssen einstimmig beschlossen“, durch eine Bürgerbeteiligung entstanden und „mehrheitlich in einem demokratischen Verfahren beschlossen“, merkt Kimyon an.

Förderung der Aufenthaltsqualität

Inhaltlich geht es in dem Konzept vor allem um die Förderung der Aufenthaltsqualität und des Rad- und Fußverkehrs. Nahmobilität betrifft vor allem die Wege zum Büro, zur Arbeit oder zur Schule, mit dem Rad oder zu Fuß, aber auch in Verbindung mit dem öffentlichen Personennahverkehr.

Eine erste Bürgerwerkstatt zum Konzept und ein Planungsspaziergang durch die Südstadt hat bereits im September 2016 stattgefunden. Aus einer anschließenden Kinder- und Jugendbeteiligung wurden nach Angaben der Verwaltung 445 Fragebögen ausgewertet.

„Vorher war das hier ein Weg zum Lustwandeln“, beschreibt eine Anwohnerin den Weg, der zwischen Gartenanlage und Leinekanal entlang führt.“ Quelle: Brakemeier

Für den Bereich entlang des Weges zwischen Jahnstraße und Freibad Brauweg sieht das Konzept nach derzeitigem Stand „kleinere Aufenthaltsorte“, „Zugänge zum Wasser“, „größere Aufenthaltsorte“, „Spielmöglichkeiten“ und den „Abbau von Angsträumen“ vor.

Von der Verwaltung „abgewimmelt“

„Warum informiert uns denn von der Stadtverwaltung niemand, dass die Bauarbeiten losgehen?“, fragt eine Anwohnerin. Zwar habe es vor zwei Jahren mal eine Ortsbegehung gegeben. Von einer Asphaltierung und Verbreiterung des Weges sei damals aber nie die Rede gewesen. Fragen zu den aktuellen Baumaßnahmen seien im Rathaus „abgewimmelt“ worden und bleiben unbeantwortet, so der Vorwurf gegen die Verwaltung. Kimyon hält dagegen: „Mit Blick auf die Beschwerdestelle ist zu sagen, dass am Dienstag dieser Woche eine Anfrage zu diesem Thema eingegangen ist, die auch unverzüglich sowie umfangreich beantwortet wurde“, sagt er. Und weiter: „Im konkreten Fall gab es keinen Anlass, Anlieger zu informieren: Erstens gibt es Ausweichstrecken in unmittelbarer Nähe. Zweitens gibt es entlang des Baufeldes lediglich eine Kleingartenanlage, die auch über den Brauweg zu erreichen ist.“

Ratlos im Rat

Auch Nier und Welter-Schultes sind ratlos. Das Nahmobilitätskonzept ist ihnen zwar geläufig. Dass die konkrete Maßnahmen am den Radweg nun tatsächlich schon umgesetzt wird, sei von der Verwaltung nicht mitgeteilt worden, berichten beide Ratspolitiker.

Dafür allerdings kassierten beide während der Sitzung des städtischen Bauausschusses, bei der mehrere Anwohner anwesend waren, heftige Kritik. Es könne nicht sein, dass Politiker eine Entscheidung, die sich selbst im Rat mitgetragen hätten, bei der ersten Bürgerkritik sofort öffentlich in Frage stellen, so der Ausschussvorsitzende Hans-Otto Arnold (CDU).

Die Nachfragen aus den Reihen derer, die am Morgen die Baumaßnahme verhindert hatten, wurden klar beantwortet. Es habe im Vorfeld eine umfangreiche Bürgerbeteiligung gegeben und nun liege eine demokratisch gefällte Entscheidung für die Asphaltierung des Weges vor. Diese lasse sich nicht durch Protestaktionen rückgängig machen, ergänzte Ulrich Holefleisch (Grüne). Es lägen gute Gründe für die Verbreiterung und den Ausbau des Weges vor.

Stadtbaurat Thomas Dienberg signalisierte, dass die Protestaktion möglicherweise ein Nachspiel haben könnte. Es seien Kosten entstanden, da das Baumaterial am Donnerstagmorgen nicht verwendet und daher im Nachgang teuer entsorgt werden musste.

Dieser Text wurde am Freitag um 10.30 Uhr um Informationen aus dem Bauausschuss ergänzt.

Von Michael Brakemeier

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