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Göttingen Arbeitslose hereingelegt
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16:27 04.03.2012
Von Matthias Heinzel
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Göttingen

Eberhard Mylius nicht. Er rief die in der Annonce angegebene Mobiltelefonnummer an, um mehr über die angebotene Stelle einer Senioren-Einkaufshilfe mit einer Entlohnung von 16 Euro pro Stunde zu erfahren. Dort wurde ihm eine 0900er-Nummer genannt, unter der er bei der Firma Web-Marketing 2000 mehr erfahren könne. Kosten: drei Euro pro Minute. Mylius witterte Betrug und verzichtete.

Andere nicht. Josef P. aus Göttingen vertelefonierte mehr als 120 Euro, bevor er merkte, dass er im Gespräch nur hingehalten wurde. Der versprochene Job? „Da kam nichts. Niemand hat sich gemeldet. Eine Betrugsfirma.“

Ebenso ging es Angelika B. aus Bovenden. Sie glaubte an die Vermittlung einer Stelle zur Betreuung älterer Frauen. Daraus wurde nichts. Es blieben nur knapp 120 Euro Gesprächskosten.

Genauso ging es Helga H. aus Gieboldehausen. Sie vertelefonierte 70 Euro ohne jedes Ergebnis. Wovon alle Betroffenen nichts ahnten: Die einzige Leistung der Firma besteht darin, Adress- und Telefondaten ihrer „Kunden“ als Arbeitssuchende ins Internet zu stellen. Alle vier vom Tageblatt befragten Betroffenen versichern, nichts von diesem Eintrag zu wissen. Anrufe von Job-Anbietern? Nicht ein einziger.

Kathrin Körber von der Verbraucherzentrale Göttingen hält die Web-Marketing- Homepage denn auch für „extrem unglaubwürdig“. Weitergehende Informationen gebe es nur auf anderen Seiten und da auch nur „unübersichtlich und wenig hilfreich“. Außerdem, sagt Körber, „kann man nur davor warnen, unbedacht 0900er-Rufnummern anzurufen, wenn nicht ganz klar ist, was als Leistung geboten wird. Vermittlungserfolge von Web-Marketing sind nicht wirklich plausibel dargestellt und wenig nachvollziehbar.“ Beim Anruf der teuren 0900er-Nummer werde man „mit leeren beziehungsweise falschen Versprechungen hingehalten“.

Ein weiteres Problem sieht Körber darin, dass möglicherweise ein Vermittlungsabo abgeschlossen wurde, weil das Telefongespräch als Vertragsabschluss angesehen werden kann. Wer nicht rechtzeitig kündigt, muss mit einer Verlängerungsgebühr von 100 Euro für den (wertlosen) Internet-Eintrag rechnen.

Körbers Fazit: „Unseriös. Eine miese Masche, die zu Lasten derjenigen geht, die ganz dringend auf Geld und Arbeit angewiesen sind.“

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