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Göttingen Architektur-Kleinod und die Schützen-Kultur
Die Region Göttingen Architektur-Kleinod und die Schützen-Kultur
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19:35 15.07.2011
Von Ilse Stein
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Noch dazu in einem architektonisch gelungenen Neubau, der obendrein erstaunlich gut in die mittelalterliche Umgebung eines Wehrturms samt historischer Stadtmauer eingebunden ist? Antwort: im eichsfeldischen Duderstadt. Dort haben die deutschen Schützen, die in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feiern, ihr erstes Schützenmuseum erhalten. Klein, aber fein. Unter dem Motto „Stadtluft macht frei“, wird darin museumspädagogisch hervorragend und unaufdringlich umgesetzt die Geschichte der Stadt und ihre Beziehung zu den wehrhaften Bürgern, den Bürgerschützengesellschaften, präsentiert. Das Architektur-Kleinod, das sicherlich auch einen Beitrag zur besseren touristischen Vermarktung des Eichsfeldes insgesamt leisten wird, konnte nur zustande kommen, weil der heimische Unternehmer Hans Georg Näder, Chef der weltweiten Otto-Bock-Gruppe, die Anschubfinanzierung, wie das im Amtsdeutsch so schön heißt, übernommen hat. Während also am vergangenen Wochenende die rund 1,4 Millionen Schützen Abordnungen aus 20 deutschen Landesverbänden in Gotha das Jubiläum feierten, ging es in Duderstadt um das 50-jährige Bestehen des Schützenverbandes Eichsfeld (einer eher losen Vereinigung von Vereinen aus dem niedersächsischen wie dem thüringischen Eichsfeld).

Während dies aber im Eichsfeld noch große Tradition hat, auch die Jugend munter dabei ist, haben andere Städte größere Probleme. Das am kommenden Wochenende beginnende 619. Göttinger Schützenfest hat sich daher als Motto „Schützen zeigen Flagge“ verschrieben. Den Schützen gehen nämlich langsam die Mitglieder aus. Immerhin hat der Deutsche Schützenbund inzwischen ein Projekt ins Leben gerufen, bis zum Jahre 2018 die Zahl seiner Mitglieder um mindestens 100 000 ansteigen zu lassen. Wobei es die einen mit moderneren Schießvarianten wie Laserschießen versuchen, die anderen mehr auf den sportlichen Wettkampf setzen. Dass dabei ausgerechnet ein Eichsfelder Schütze, Stefan Rüttgeroth aus Gieboldehausen, sich jetzt bereits einen Quotenplatz für die Olympischen Spiele 2012 in London erkämpft hat (Trap-Wettbewerb), könnte imagebildend mithelfen, den Schützen aus dem tiefen Tal herauszuhelfen. Manche Dinge brauchen eben Zeit...

Diese Überschrift könnte auch über der Geschichte eines Göttinger Wissenschaftsmuseums stehen. Seit mehr als 30 Jahren hat es immer wieder Göttinger gegeben, die sich dieser Idee verschrieben haben, darunter unser früherer Journalistenkollege Michael Bockemühl oder der Architekt Jochen Brandi. Erst vor kurzem hat die Stadt Göttingen, voran Oberbürgermeister Wolfgang Meyer zusammen mit dem Verleger Gerhard Steidl, einen neuen Anlauf genommen, sogenannte „Wissenshäuser³“ in der Stadt zu installieren. Mit Hilfe der Universität könnte nun gelingen, was bisher im Sande verlief. Die neue Präsidentin der Georgia Augusta, Ulrike Beisiegel, nämlich verfolgt nun zusammen mit der Stadt das Konzept, das alte Auditorium Maximum am Weender Tor zu einem Wissenschaftsmuseum umzugestalten. In der Form, dass hier Unikate aus allen Fakultäten einen würdigen Platz finden: und wiederum für die einmalig große Bandbreite der hier vorhandenen und wissenschaftlich gut nutzbaren Sammlungen zu werben. Sollte es der Universität gelingen, auch in der zweiten Phase der Exzellenzuniversität gefördert zu werden, könnte aus dem langgehegten Wunsch tatsächlich etwas werden. Auch wenn es einigen ehemaligen Professoren nicht gefallen mag, dass ihre früheren Fächer aus dem historischen Gebäude umsiedeln müssen (immerhin in einen Neubau) für die Stadt wie für die Universität wäre dies ein echter Gewinn. Einen ähnlichen Streit, wir erinnern uns, hatten wir vor gar nicht langer Zeit um das Gebäude .... in der Prinzenstraße. Auch dort gab es akademische Proteste. Doch heute steht hier ein aufs Feinste innen modernisiertes Gebäude. Eine Entwicklung, die man dem Alten „Audi Max“ nur wünschen kann.