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Göttingen Asklepios beklagt viele Landes-Versäumnisse
Die Region Göttingen Asklepios beklagt viele Landes-Versäumnisse
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19:28 21.09.2009
Die ältesten Gebäude des früheren Landeskrankenhauses Göttingen aus dem Jahr 1866. Die nötigen Modernisierungen übernimmt nun der neue Betreiber.
Die ältesten Gebäude des früheren Landeskrankenhauses Göttingen aus dem Jahr 1866. Die nötigen Modernisierungen übernimmt nun der neue Betreiber. Quelle: Rink
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Schon bei der ersten Begehung sei klar gewesen, dass großer Handlungsbedarf bestehe und hohe Investitionen nötig seien, sagt der Geschäftsführer der beiden Asklepios Fachkliniken Göttingen und Tiefenbrunn, Jens Betker. Dies liegt nicht zuletzt an der Bausubstanz: So stammen die ältesten Gebäude des früheren LKH Göttingen aus dem Jahr 1866. Wesentliche Modernisierungen gab es vor allem in den 1970er Jahren, doch auch diese Gebäudekomplexe sind inzwischen in die Jahre gekommen.

„120 Meter Akten“

Nach der Privatisierung bekam die Göttinger Berufsfeuerwehr zum ersten Mal überhaupt die Gelegenheit zur Inspektion der Gebäude. Schnell wurde deutlich, was unter der Trägerschaft des Landes alles versäumt worden war. Der Befund war erschreckend: Das Göttinger Krankenhaus, das in früheren Jahren zeitweise über 600 Betten hatte, verfügte weder über Brandschutztüren noch über ein irgendwie geartetes Brandschutzkonzept. Diese unhaltbaren Zustände habe man weitgehend beseitigt, sagt Betker. Auch der Küchenbereich musste umgestaltet werden – wegen hygienischer Mängel: „Es gab dort keine Schwarz-Weiß-Trennung, obwohl diese gesetzlich vorgeschrieben ist.“
Auch mit anderen Altlasten hat der neue Betreiber zu kämpfen. So stammen die Abwasserrohre zum Teil noch aus dem Jahr 1865. „Im vergangenen Winter hatten wir Wasserrohrbrüche ohne Ende, weil die Rohre damals nicht tief genug verlegt wurden“, erzählt der Geschäftsführer.
Bei den anstehenden Sanierungsvorhaben und Umbauten gebe es indes noch ein ganz anderes Problem: Alle früheren Baumaßnahmen unter der Trägerschaft des Landes seien ohne Baugenehmigung vorgenommen worden. Dies mache es sehr schwer, die entsprechenden Pläne und Statikberechnungen zu finden, manche Unterlagen fehlten auch völlig. „Es gibt zwar 120 Meter Akten, aber man weiß nicht, wo man suchen muss“, sagt Betker.

Straße falsch eingezeichnet

Auch sonst gab es manche Überraschung. So stellte sich bei der Vermessung des Göttinger Klinikgeländes heraus, dass eine Straße in den Plänen völlig falsch eingezeichnet war. Das Grundstück ist jetzt geteilt, weil das sogenannte „Feste Haus“, in dem ausschließlich psychisch kranke Straftäter untergebracht sind, von der Privatisierung ausgenommen war. Die hoch gesicherte Einrichtung ist nun eine Außenstelle des LKH Moringen, das sich weiter in der Trägerschaft des Landes befindet. Die neue Grenze zwischen den Liegenschaften verlief mitten durch den Minigolfplatz. „Wir haben den Platz dann verlegt“, erzählt Betker. Der Fußballplatz, der bis dahin ebenfalls vom LKH Göttingen genutzt worden war, gehört dagegen nun zum LKH Moringen – was den im „Festen Haus“ untergebrachten Patienten allerdings wenig nützt, da sie den Hochsicherheitstrakt nicht verlassen können.
Auch das Krankenhaus Tiefenbrunn barg manche Kuriosität. So ist eine Fläche des Geländes nicht zugänglich, sondern kann nur über ein anderes Grundstück betreten werden. Grund: Das Land hatte in der Vergangenheit mehrere Häuser der Liegenschaft verkauft, ohne sich eine Zuwegung zu der Teilfläche zu sichern. Auch hier gibt es viel alte Bausubstanz, mehrere Gebäude stehen unter Denkmalschutz.
Die ältesten Häuser wurden Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut, entsprechend betagt waren auch die Elektroinstallationen: „Da gab es noch jede Menge Drehschalter“, sagt Betker. Auch die sind inzwischen ausgetauscht.

Von Heide Niemann

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