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Göttingen Kaum Flecken und Gasausstöße auf der Sonne
Die Region Göttingen Kaum Flecken und Gasausstöße auf der Sonne
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16:42 26.03.2017
Quelle: Heller
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Göttingen

„Im März steht der Merkur kurz nach Sonnenuntergang nur wenig über dem Horizont am Himmel“, berichtete Vereinsmitglied Christian Gottschalk. Etwas darüber auf der Sonnenbahn sei der Mars zu sehen. Es folgten die Plejaden und Aldebaran im Sternbild Stier. Solche Erklärungen zum Sternenhimmel biete der 1996 gegründete Verein, der aus einem Volkshochschulkurs hervorgegangen sei, Interessierten monatlich.

Mitglieder zeigten den Besuchern am Sonnabend die Sternwarte, die der Verein 2008 von der Stadt erworben hat. Bis 2004 hatte die Universität das Areal genutzt. „Seit dem Kauf verbringen wir viel Zeit mit der Unterhaltung der Gebäude und deren noch vorhandener Ausstattung“, sagte Gottschalk. Es gebe immer etwas zu tun.

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© Peter Heller

„Das älteste Gebäude, das den Astrographen beherbergt, stammt von 1929“, sagte Friedrich Moess, der im Verein für die Technik verantwortlich ist. Derzeit werde die Konstruktion aus Kegelrädern, bronzenen Spindelmuttern und Trapezgewindespindeln repariert. Mit ihr lasse sich die tonnenschwere Plattform mit dem Teleskop zwei Meter auf und ab bewegen. Bei der Reparatur unterstütze sie die Göttinger Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst.

„Ende des Zweiten Weltkriegs, 1944, nahmen Wissenschaftler den Sonnenturm in Betrieb“, berichtete Gottschalk. Zwei Spiegel lenkten von der oberen Plattform aus das Licht in den Turm, wo sich die Teleskope befänden. 1944/45 hätten die Wissenschaftler kriegswichtige Forschung betrieben. Ihr Auftrag: die Vorhersage des Funkwetters. Sonnenaktivitäten störten nämlich den Kurzwellenfunk.

„Die Außenwände des Sonnenturms haben wir 2016 saniert“, berichtete Moess. Der Mörtel sei bis zu zehn Zentimenter tief aus den Fugen gebröselt, Feuchtigkeit eingedrungen. Nach einer Neuverfugung hätten sie das Gebäude von außen mit strahlend weißer Titanoxid-Farbe gestrichen. Das sorge dafür, dass sich der Turm im Sommer nicht so stark aufheize.

Zwischen beiden Gebäuden hatte am Sonnabend Mitglied Jürgen Nerger aus Uslar ein Sonnenteleskop aufgebaut. Er beobachtete damit Sonnenflecken und Gasausstöße, die Protoberanzen. „Allerdings gibt es derzeit wenig Aktivitäten auf der Sonnenoberfläche“, sagte er.

Einen zweifachen Blick ins Weltall boten das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) und der Förderkreis Planetarium Göttingen (FPG) am Astronomietag. Im mobilen Planetarium des MPS konnten Besucher den Blick in den Himmel genießen. Ergänzt wurden die Shows im Planetarium durch zwei Vorträge von MPS-Wissenschaftlern über Sonnenlicht und die Erforschung des Kometen Churyumov Gerasimenko. mic

Volkssternwarte

Die Amateurastronomische Vereinigung, deren Anfänge ins Jahr 1992 zurückreichen, hat heute 50 Mitglieder. Sie betreibt mit dem Hainberg-Observatorium oberhalb von Göttingen eine Volkssternwarte. Vor allem in Winternächten lässt sich von dort aus bei vergleichsweise geringer Lichtverschmutzung gut der Himmel beobachten. In den Sommermonaten konzentriert sich der Verein auf die Beobachtung der Sonne.