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Göttingen Auf dem Jacobikirchturm wachsen neue Steinlilien
Die Region Göttingen Auf dem Jacobikirchturm wachsen neue Steinlilien
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12:02 29.09.2011
Von Jörn Barke
Ein neues Element ergänzt das Ensemble: Steinmetzin Claudia Ruppers arbeitet an einer Lilie im Maßwerk. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Bei den Schmuckelementen handelt es sich um sogenannte Lilien. Diese werden aus einem Steinblock herausgearbeitet, erläutert Diplom-Restaurator Michael Klecha. Bis zu einen Tag Bearbeitungszeit benötige ein Steinmetz für eine solche Lilie. Er müsse sich erst in den Stein und die Form hineinfühlen, erklärt Klecha. Das Restaurieren sei eine sehr individuelle Angelegenheit und jeder Stein letztlich ein Unikat.

Mit unterschiedlichen Werkzeugen arbeiten sich die Steinmetzen von den groben zu den feinen Arbeiten vor. Zu den verwendete Geräten zählen Werkzeuge wie verschiedene Eisen, Knüpfel und Fäustel, aber auch Handmaschinen wie Winkelschleifer und ein kleiner Bildhauerpresslufthammer.

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Am Ende soll sich aber trotz aller Individualität im Detail ein stimmiges Gesamtbild ergeben, das sich möglichst am Zustand zur Erbauungszeit orientieren soll. Bei der Restaurierung in den 1930er Jahren seien die ersetzten Lilien kräftiger und damit auch robuster gestaltet worden, so Klecha. Heute gestalte man sie schlanker, weil man sich konsequent am mittelalterlichen Vorbild orientiere.

Ähnliches gelte auch für den verwendeten Sandstein. In den dreißiger Jahren habe man sich für den sehr haltbaren Main-Sandstein entschieden. Bei der jetzigen Sanierung habe man sich dagegen für Uder-Sandstein entschieden, weil der in seinen physikalischen Eigenschaften dem bauzeitlichen Göttinger Buntsandstein nahe komme.

Die Arbeit der Restauratoren gleicht einem Paradox: Er soll so gut arbeiten, dass seine Arbeit unsichtbar ist. Das gilt auch für die derzeitige Tätigkeit von Diplom-Restaurator Jörn Prause. Er passt die neu eingesetzten Stein-Stücke an ihre Umgebung an – zunächst in der Oberflächenstruktur und dann auch in der Farbgebung. Die Retusche erfolgt mit Hilfe von Silikatkreiden, über denen dann noch eine Schutzschicht angebracht wird. Diese ist jedoch so durchlässig, dass Wasserdampf aus dem Mauerwerk entweichen kann.

Andersherum soll so wenig Wasser wie möglich von außen eindringen. Deshalb werden im Zuge der Sanierung schadhafte Stellen in den Fugen ausgebessert. Der Jacobi-Kirchturm, mit 72 Metern das höchste Gebäude der Göttinger Altstadt. Der Turm wird seit 2009 saniert und bleibt bis 2014 teilweise eingerüstet. Die Jacobikirche wurde zwischen 1361 und 1433 als gotische Hallenkirche errichtet.