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Göttingen Auf diese Bauernregeln schwören die Landwirte der Region
Die Region Göttingen Auf diese Bauernregeln schwören die Landwirte der Region
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00:30 30.06.2019
Wie wird das Wetter in den nächsten Wochen? Zum Siebenschläfertag machen Bauernregeln Vorhersagen. Quelle: dpa-Zentralbild
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Göttingen

Wird der Sommer sonnig und warm oder fällt er ins Wasser? Am Siebenschläfertag lässt sich genau das ablesen – zumindest, wenn man bekannten Bauernregeln glaubt. „Scheint am Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne“, lautet eine der bekanntesten Bauernregeln. Oder auch: „Ist der Siebenschläfer nass, regnet’s ohne Unterlass.“ Aber auf welche Bauernregel ist wirklich Verlass? Wir haben bei Landwirten in der Region nachgefragt.

„Ist der Mai kühl und nass, füllt es den Bauern Scheun‘ und Fass.“ Wilhelm Isenberg, Ackerbaulandwirt aus Diemarden

Wilhelm Isenberg Quelle: Christina Hinzmann / GT

Wie viele bekannte Bauernregeln dreht sich auch die von Wilhelm Isenberg um das Wetter im Frühjahr – und um die zu erwartenden Ernteerträge: „Ist der Mai kühl und nass, füllt es den Bauern Scheun‘ und Fass.“ „Das haut in diesem Jahr tatsächlich auch hin, wenn die Hitze jetzt nicht allzu lange anhält“, sagt Isenberg und fügt an: „Wenn das mal immer so wäre.“ Isenberg betreibt in Diemarden Ackerbau und eine Pferdepension. Selbst hat er noch keine Bauernregel aufgestellt. Von einem alten Bauern kennt er aber noch eine nahezu verlässliche Weisheit, die nicht zu den klassischen Bauernregeln gehört: „Wenn die Sonne fühmorgens grell an die Wand scheint, gibt es (am Abend) meistens Regen.“

„Guckt der Wetterhahn nach Osten, gibt es gutes Wetter, guckt er nach Westen gibt's Regen.“ Markus Otto, Landwirt im Nebenerwerb aus Langenhagen

Markus Otto Quelle: R

Markus Otto aus dem Duderstädter Ortsteil Langenhagen betreibt die Landwirtschaft im Nebenerwerb. Eine typische Bauernregel hat der Vater von drei Kindern nicht auf Lager, für den hauptberuflichen Tischler ist ein Blick auf den Turm der heimischen St. Laurentius-Kirche eine Orientierungsmöglichkeit. „Wir richten uns nach dem Wetterhahn. Guckt der nach Osten, gibt es gutes Wetter, guckt er nach Westen gibt's Regen.“ Das habe sein verstorbener Vater an ihn weitergegeben.

„Soll gedeih’n Korn und Wein, muss im Juni Regen sein.“ Heinrich Harriehausen, ehemaliger Landwirt in Groß Schneen

Heinrich Harriehausen Quelle: Christina Hinzmann

Die Trockenheit im Sommer 2018 hat vielen Bauern zu schaffen gemacht. Eine Bauernregel von Heinrich Harriehausen zeigt, wie es sich Landwirte eigentlich wünschen: „Wenn’s im Juni viel regnet, ist der Graswuchs gesegnet.“ Ähnlich lautet die für ihn gültige Weisheit: „Soll gedeih’n Korn und Wein, muss im Juni Regen sein.“ Ein trockener Juni wirke sich schlecht auf die Entwicklung von Getreide aus, so Harriehausen, denn der Mehlkörper bilde sich im Juni – und der sei entscheidend, um später Mehl herzustellen. Viel Regen im Juni begünstige also eine ertragreiche Getreideernte.

„Vor Johanni bitt' um Regen, nachher kommt er ungelegen.“ Hubert Kellner, Kreislandwirt

Hubert Kellner Quelle: Hinzmann

Eine der für Kreislandwirt Hubert Kellner treffenden Bauernweisheiten bezieht sich auf den Johannistag am 24. Juni: „Vor Johanni bitt' um Regen, nachher kommt er ungelegen.“ Solange das Getreide wächst, sei Regen willkommen. Ab Ende Juni werde dann geerntet – dann sei es für den Landwirt angenehmer, wenn es trocken ist. Als echter Eichsfelder hat der Landwirt natürlich noch eine lokale Weisheit parat: „Wenn die mit der Stöker-Stange losgehen, gibt es Gewitter.“ „Das versteht man nur im katholischen Eichsfeld“, sagt Kellner. Gemeint seien die Prozessionen zu Himmelfahrt. Dann sei die Gewitterwahrscheinlichkeit besonders hoch.

„Regnet es im Mai, ist der April vorbei.“ Annette Wollenweber aus Friedland

Annette Wollenweber Quelle: Jan Vetter

Kurz und knackig hält es Landwirtin Annette Wollenweber aus der Friedländer Ortschaft Lichtenhagen mit ihrer Bauernregel: „Regnet es im Mai, ist der April vorbei.“ Mit ihrer Familie führt sie seit 1988 sowohl den landwirtschaftlichen Betrieb als auch das Gasthaus Wollenweber.

„Wenn wir früher hier in Geismar die Bahn unten bei Niedernjesa hören konnten, dann gab es Regen.“ Werner Magerhans, Landwirt in Göttingen-Geismar

Eine ganz eigene und lokale Bauernregel hat Werner Magerhans aus Göttingen-Geismar parat. „Wenn wir früher hier in Geismar die Bahn unten bei Niedernjesa hören konnten, dann gab es Regen“, erinnert sich der Landwirt. Das Wetter habe sich inzwischen aber so geändert, dass diese Regel nicht mehr stimme. „Im vergangenen Sommer beispielsweise, als wir so dringend den Regen gebraucht hätten, haben wir die Bahn nahezu jeden Tag gehört. Geregnet hat es leider nicht.“

„Mäh’ das Gras nach seiner Güte, am besten kurz vor seiner Blüte. Fährst du wenig auch nach Haus, gleicht der Futterwert es aus.“ Friedrich Wilhelm Ropeter, ehemaliger Landwirt aus Groß Schneen

Friedrich Wilhelm Ropeter Quelle: r

In seinen 20 Jahren als Landwirt in Groß Schneen und weiteren 20 Jahren als Garten- und Landschaftspfleger hat Friedrich Wilhelm Ropeter seine eigenen Regeln für das Wetter aufgestellt. „Ist es morgens mehrere Tage wie verrückt neblig, kommt das 100 Tage später als Niederschlag wieder herunter“, sagt Ropeter. Dies habe er viele Jahre beobachtet – und es habe sich meistens bestätigt. Und noch eine Beobachtung hat er gemacht: „Wenn der Nebel morgens aufsteigt, gibt es drei Tage später Regen. Bleibt er unten, bleibt es schön.“ Für ihn seien Regeln wie diese selbstverständlich. Gerade als Landwirt sei er auf Beobachtungen des Wetters angewiesen gewesen. „Wenn man weiß, dass es bald regnet, wird man zum Beispiel nicht anfangen, Heu zu mähen“, erklärt der ehemalige Landwirt. Zum Thema Heu fällt ihm dann doch noch eine gereimte Weisheit ein, die noch aus seiner Lehrzeit stammt: „Mäh’ das Gras nach seiner Güte, am besten kurz vor seiner Blüte. Fährst du wenig auch nach Haus, gleicht der Futterwert es aus.“

„Das schönste Wappen auf der Welt, das ist der Pflug im Ackerfeld.“ Jutta Haepe, Landwirtin aus Hetjershausen

Jutta Haepe Quelle: Meinhard

Weniger eine Bauernregel denn ein berufstypischer Leitspruch fällt Jutta Haepe sofort ein. Der lautet: „Das schönste Wappen auf der Welt, das ist der Pflug im Ackerfeld.“ „Wir haben diesen Satz an unserem Haus verewigt, weil wir ihn so gut und passend finden“, sagt sie auch im Namen ihres Ehemannes Hartmut Haepe, der in Hetjershausen einen landwirtschaftlichen Betrieb betreibt und sich auf Pflanzenanbau spezialisiert hat.

Was hat es mit dem Siebenschläfertag auf sich?

Ein Tag, der nach einem Nagetier benannt ist? Auch wenn es naheliegend scheint: Der Siebenschläfer hat nichts mit dem Siebenschläfertag zu tun. Das Nagetier trägt seinen Namen, weil es im Winter sieben oder mehr Monate schläft. Der Siebenschläfertag geht dagegen auf die Heiligenlegende der Sieben Schläfer von Ephesus zurück.

Diese sollen zur Zeit der Christenverfolgung durch Kaiser Decius im dritten Jahrhundert gelebt haben. Der Legende nach versteckten sich sieben junge Christen in einer Höhle, in der sie durch Gottes Hilfe in einen 195 Jahre andauernden Schlaf fielen. Als der Kaiser sie dort aufspürte, soll er den Höhleneingang verschlossen haben, die Gläubigen wurden lebendig begraben. Erst am 27. Juni 446 wurden die Schläfer aus der Höhle befreit und erwachten, wodurch sie den christlichen Glauben an die Wiederauferstehung bestätigten. Um ihnen zu gedenken, wurde der Siebenschläfertag ins Leben gerufen.

Ein Siebenschläfer hat mit dem Siebenschläfertag nichts zu tun. Quelle: dpa

Übrigens: Der heute gültige 27. Juni ist nicht das ursprüngliche Datum des Siebenschläfertags, der eigentlich auf den 7. oder 8. Juli fiel. Grund für die Verschiebung ist die gregorianische Kalenderreform von 1582.

Um den Siebenschläfertag herum kommt es zu einer sogenannten meteorologischen Singularität. Damit werden wiederkehrende Großwetterlagen bezeichnet, die in bestimmten Abschnitten innerhalb eines Jahres mit hoher Wahrscheinlichkeit auftreten und von dem für die Jahreszeit typischen Wetter abweichen. Auch während der Eisheiligen im Mai oder der Schafskälte zwischen viertem und 20. Juni finden solche Wetterphänomene in Mitteleuropa statt. Der lange und stabile Schlaf der Gläubigen aus der Heiligenlegende dient als Basis für diverse Bauernregeln, die es zum Siebenschläfertag gibt.

Von vsz/us/kal/pek/mei/chb/ve mit RND

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