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Göttingen Aufräumen von Sturmschäden bis in den Sommer hinein
Die Region Göttingen Aufräumen von Sturmschäden bis in den Sommer hinein
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00:29 28.04.2018
Immer noch sind überall im Landkreis Sturmschäden durch Friederike zu sehen – wie hier bei Bishausen.
Immer noch sind überall im Landkreis Sturmschäden durch Friederike zu sehen – wie hier bei Bishausen. Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen

Der Sturm am 18. Januar dieses Jahres war der stärkste in der Mitte Deutschlands seit dem Orkan Kyrill im Januar 2007. Deutschlandweit kamen acht Menschen durch den Sturm ums Leben, es entstanden Sachschäden in einer Höhe von etwa einer halben Milliarde Euro. Zu erheblichen Forstschäden kam es in Niedersachsen vor allem im südlichen Landesteil, im Solling und im Harz.

Fast nur Fichten umgeworfen

Die umgeworfenen Bäume waren fast ausschließlich Fichten, erläutert Michael Rudolph, Sprecher des Betriebes Niedersächsische Landesforsten. Der Grund: Fichten sind Flachwurzler, die im Vergleich zu Baumarten mit in die Tiefe reichenden Wurzeln weniger fest im Boden verankert sind. Außerdem, so Rudolph, sei der Boden durch vorausgegangene Regenfälle so aufgeweicht gewesen, dass die Bäume darin noch weniger Halt gehabt hätten als sonst.

Die Folgen: Allein in Südniedersachsen habe “Friederike” 400000 bis 450000 Festmeter Sturmholz verursacht. Landesweit seien es 1,5 Millionen gewesen, erklärt der Landesforsten-Sprecher. In der Region sei unter anderem der Bereich Reinhausen sehr stark betroffen gewesen. Aber auch bei Ebergötzen und bei Bursfelde gebe es erhebliche Schäden. Im Raum Münden/Hedemünden musste die Autobahn bis zum Tag nach dem Sturm gesperrt werden, weil zahlreich Bäume entlang der Fahrbahn umgestürzt waren.

Schwierige Aufräumarbeiten an Steilhängen

Die Aufräumungsarbeiten seien “derzeit noch in vollem Gange”, erklärt Rudolph. Das Landesforstamt rechne damit, dass sie “noch bis in den Sommer” hineinreichten. Besonders schwierig sei dies beispielsweise an den Steilhängen am Wesertal.

Das Problem: Je länger das Holz gelagert werden muss, desto größer ist die Gefahr von Schädlingsbefall. Im Fortsamtsbereich Reinhausen beispielsweise werden die Holzstapel mit Folie abgedichtet, um es vor Austrocknung bewahren und so länger lagern zu können.

Im Göttinger Stadtwald, erklärt die Stadtverwaltung, habe “Friederike” für 3500 Kubikmeter Sturmholz gesorgt. 98 Prozent davon stammten von Fichten, erläutert Verwaltungssprecher Dominik Kimyon. Bislang seien erst zwei Drittel der Schäden aufgearbeitet. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass die letzten Schäden bis Ende Mai beseitigt sein werden.

Mündener Stadtwald schwer getroffen

Auch im Mündener Stadtwald verursachte der Sturm enorme Schäden. Insgesamt habe „Friederike“ dort etwa 90000 Festmeter Holz niedergeworfen, schätzt die Leiterin des Betriebes Stadtwald, Susanne Gohde. 3500 Festmeter Buche seien bereits aufgearbeitet und vermarket worden. Außerdem seien etwa 55000 Festmeter Fichtenholz aufgearbeitet worden.

Derzeit arbeiteten fünf Harvester-Großmaschinen an der weiteren Aufarbeitung und dem Abtransport des Holzes, die sich voraussichtlich noch bis Ende Juni hinziehen würden, sagt Gohde. In einem normalen Jahr werden im Mündener Stadtwald etwa 6000 Festmeter Fichtenholz geerntet. Weil sich die gewaltige durch „Friederike“ verursachte Menge nicht zeitnah abfahren lasse, rechnet die mündener Forstverwaltung für dieses Jahr mit einer extremen Vermehrung der Borkenkäferarten Buchdrucker und Kupferstecher.

Künftig stufiger Waldaufbau

Vorkehrungen zur Vermeidung von Schäden durch weitere Stürme seien derzeit noch nicht möglich, erklärt Stadtwald-Chefin Gohde: “Die geschädigten Flächen werden weiterhin umfallen.“ Zukünftig jedoch werde die neue Waldgeneration aus standortgerechten Baumarten in Mischungen aus Nadelholz (Lärche und Douglasie) bestehen. Die ist widerstandsfähiger als ein durchgehender Fichtenbestand, wie er derzeit weit verbreitet ist.

Das kündigt auch Landesforsten-Sprecher Rudolph an. Künftig werde der Wald „mit klimaangepassten Baumarten“ stufig aufgeforstet werden, damit sich keine durchgehende Wand von Bäumen dem Sturm entgegenstemmen muss. Bei einem stufigen Aufbau könne der Wind „aufgleiten“ und so über den eigentlichen Wald hinübergeführt werden. Und der werde kein reiner Nadelwald, sondern ein Mischwald sein.

Infos zum Schutz des Holzes vor Schädlingsbefall durch Folie unter gturl.de/holzschutz.

Von Matthias Heinzel

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