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Göttingen Aufregung um strahlende Pflastersteine
Die Region Göttingen Aufregung um strahlende Pflastersteine
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10:37 15.07.2011
Von Gerald Kräft
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Northeim

Ursache der erhöhten Werte ist die natürliche Strahlung der Pflastersteine, die dort schon seit Jahrzehnten liegen – vermutlich hergestellt aus sogenannter Mansfelder Kupferschlacke. Da keine Gefahr bestehe, sei die Sperrung am Abend wieder aufgehoben worden, sagte Northeims Bürgermeister Harald Kühle (SPD). Ähnlich belastetes Baumaterial gebe es mit Sicherheit an vielen Stellen. Steine aus Mansfelder Kupferschlacke aus der ehemaligen DDR seien in den 70er Jahren auch häufig im Westen verwandt worden.

Die erhöhten Werte waren einem Northeimer Mitarbeiter des Bundesamtes für Güterverkehr aufgefallen. Sein eingeschalteter Geigerzähler, mit dem sonst Lastwagen untersucht werden, schlug auf der Fahrt zum Einkaufen in der Graf-Otto-Straße aus. Er informierte die Stadtverwaltung, die Gewerbeaufsicht und Bundesstrahlenamt einschaltete. Ein Gutachter des Göttinger Uni-Labors für Radioisotope stellte Vergleichsmessungen an. Auf dem Pflaster in der Zufahrt seien 0,59 Mikrosievert pro Stunde gemessen worden, sagte Ordnungsamtsleiter Michael Kaiser. Über einem Rasen wurden 0,18 und über einem anderen Pflaster 0,43 Mikrosievert pro Stunde festgestellt. Eine Strahlenbelastung von einem Millisievert im Jahr wird als unbedenklich angesehen, soll aber möglichst nicht überschritten werden. Die Belastung aus der Northeimer Pflaster ist rund das Dreifache – allerdings nur, wenn sich jemand das ganze Jahr dort Tag und Nacht aufhält.

Die Spur der Radioaktiven Steine

Die Mansfelder Kupferschlacke aus der Region zwischen Harz und Halle fällt bei der Kupferproduktion an und wurde vielfach als Baumaterial verwandt, so auch vor der Dresdener Semper-Oper. Von dem mit radioaktiven Isotopen wie Uran und Wismut belasteten „Gusspflaster altbrauchbar“ geht allerdings nach Ansicht des Bundesamtes für Strahlenschutz keine akute Gesundheitsgefahr aus. Manche Gesteinsarten wie Granit weisen noch höhere Strahlung auf. Die natürliche Strahlenbelastung beträgt in Deutschland je nach geografischer Lage bis zu einem Millisievert im Jahr. Bei einer Computer-Tomographie bekommt ein Patient bereits leicht die zehnfache Dosis auf einmal ab. Beim Fliegen in zehn Kilometer Höhe beträgt die Strahlenbelastung zwischen fünf und zehn Mikrosievert in der Stunde.