Aufwendige Malerarbeiten im Gewölbe der Göttinger Johanniskirche
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Göttingen Aufwendige Malerarbeiten im Gewölbe der Göttinger Johanniskirche
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18:18 23.03.2020
Pastor Gerhard Schridde (re.) zusammen mit einem Handwerker im Gewölbe der Kirche.
Pastor Gerhard Schridde (re.) zusammen mit einem Handwerker im Gewölbe der Kirche. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Die Göttinger St.-Johannis-Kirche wird verschönert. Wieder einmal – oder immer noch, das ist Ansichtssache. Es ist eine innere Schönheitskur, die das alte Gemäuer erfährt. Nachdem vor sechs Jahren der Chorraum saniert worden ist, ist nun das Gewölbe dran. Ein aufwendiges Arbeiten, für das fahrbare Gerüste nötig sind. Trotz Corona ruht die Baustelle ganz und gar nicht, versichert Gemeindepfarrer Gerhard Schridde. Am vergangenen Donnerstag haben die Anstriche im Gewölbe begonnen. Damit beauftragt sind Mitarbeiter der Spezialfirma Wibbeke Denkmalpflege GmbH, eine Restaurierungswerkstatt aus Geseke (NRW).

Das Hauptschiff ist komplett eingerüstet. Auf Höhe der Kapitelle ist ein Boden eingerichtet, auf dem die Handwerker stehen und über Kopf arbeiten. „Jetzt kommt Farbe ins Spiel“, freut sich Schridde. Das Gewölbe werde cremeweiß angestrichen, mit roten Absätzen. Was ihn besonders freut, ist das jüngst von einem Statiker gefällte Urteil: Risse gebe es zwar im Gewölbe, aber keine, die zu Besorgnis Anlass geben. „Alles alte Risse.“ Alte Risse? Schridde erklärt: „So eine Kirche bewegt sich. Die Risse, über die wir sprechen, sind schon vor langer Zeit entstanden und bereits durch mehrere Renovierungen durchgegangen.“ Sie würden immer wieder ausgebessert. Und das sei das Gute. „Neue Rissbildungen wären ein Alarmzeichen, denn dann würde sich offenbar an der Statik etwas ändern“, erklärt der Pfarrer den Unterschied.

Sanierungsarbeiten im Gewölbe von St. Johannis

Seitenschiffe fangen die Scherkraft auf

In einem gotischen Gotteshaus wie der St.-Johannis-Kirche drücke das für die Epoche typische Gewölbe nach unten, aber auch zur Seite, gibt der Seelsorger einen kleinen Exkurs zur Gotik und ihren bautechnischen Besonderheiten. Um diesen Druck, diese Scherkraft aufzufangen, seien damals von den Baumeistern kleinere Seitenschiffe vorgegeben worden.

Vor sechs Jahren ist bereits der Altarraum von St. Johannis saniert worden. Er ist jetzt der einzig nutzbare Raum in der für Besucher gesperrten Kirche. Immerhin können im Altarraum Gottesdienste gefeiert werden. Hier steht auch ein Bild vom Kircheninneren, wie es später einmal aussehen wird. In den Jahren 2016 und 2017 begann die Fenstergestaltung im Hauptschiff. Seit 2019 läuft die große Innenrenovierung. Die Arbeiten dafür sollen laut Plan genau in einem Jahr abgeschlossen sein.

3,5 Millionen Euro werden nicht reichen

Ursprünglich waren für alle Arbeiten Kosten in Höhe von 3,5 Millionen Euro veranschlagt. Doch es steht bereits fest: „Wir müssen Gelder nachlegen“, sagt Schridde. Er rechnet mit einer zusätzlichen Summe von etwa 250000 Euro. Rund 1,75 Millionen Euro kommen als Förderung, weitere 1,75 Millionen Euro bringen die Landeskirche und die Johannis-Gemeinde auf sowie Sponsoren und Spender. Wie der Zusatzbedarf gedeckt werden kann, werde derzeit geklärt.

St. Johannis und besonders seine markanten Türme sind eines der Göttinger Wahrzeichen. Das um 1300 erbaute Gotteshaus ist auf dem Weg zu einer offenen Bürgerkirche für alle Menschen. Ein Veranstaltungsort soll hier nach den Sanierungsarbeiten entstehen, der neben der Göttinger Stadtkantorei und dem Posaunenchor St. Johannis auch anderen Kulturschaffenden eine Bühne bietet. Ein Raum für den gesellschaftlichen Diskurs und vielfältige Begegnungen werde entstehen, heißt es vonseiten der Gemeinde.

Ein offizieller Einweihungstermin nach Fertigstellung der derzeitigen Arbeiten steht noch nicht fest. Pastor Schridde hofft, dass Ostern 21 die frisch sanierte Kirche allen Gemeindegliedern und allen Besuchern wieder ohne Einschränkungen in jeglicher Hinsicht zur Verfügung steht.

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Danke, Herr Pastor!

Eine positive Nachricht in diesen von Corona dominierten Monaten findet sich auf Facebook. Geschrieben hat sie einer der Handwerker, die gegenwärtig in der Göttinger St.-Johannis-Kirche arbeiten. „Diese Zeiten sind wirklich außerordentlich. Ich arbeite zur Zeit in einem der Göttinger Wahrzeichen (St. Johannis). Das heißt, Montage! Wir wohnen in einem Göttinger Hotel und müssen uns tagsüber in der Stadt selbst versorgen. Jeden Tag mindestens ein-, zweimal zum Supermarkt oder Bäcker. Abends wird es dann nicht besser. Im Hotel bekommt man abends nichts mehr zu essen. Das bedeutet wieder Brötchen oder so, vom Bäcker oder Supermarkt. Kürzlich hat uns Pastor Schridde gefragt, was er uns Gutes tun könne. Wir wussten zuerst gar nicht, was er damit meinte. Letztendlich lud er uns zum Feierabend in das Gemeindehaus auf eine Pizza ein. Er hat uns persönlich zwei Bleche mit Pizza gebacken, die wir, mit genug Abstand voneinander, genossen haben. Hierfür möchten wir uns noch einmal herzlichst bedanken. Danke Herr Schridde!“

Von Ulrich Meinhard