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Göttingen Ein Jahr ohne Führerschein reicht als Strafe
Die Region Göttingen Ein Jahr ohne Führerschein reicht als Strafe
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18:28 30.07.2013
Von Jürgen Gückel
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Göttingen

Am Dienstag musste sich der 49 Jahre alte Motorradfahrer wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr vor Gericht verantworten.

Natürlich hat die Polizei ihn ermittelt, „mit Großfahndung, Handyortung und allem Drum und Dran“, staunt der Biker heute noch. Damals hatte man ihm gleich den Führerschein abgenommen. Beschwerden dagegen waren bei Gericht erfolglos.

Er selbst beschreibt den Vorfall so: Er sei am 10. Juli 2012 mit seiner zwölfjährigen Tochter auf dem Sozius Richtung Bovenden unterwegs gewesen und wie erlaubt Tempo 100 gefahren. Nach einer langgezogenen Kurve habe sich plötzlich „eine Wand von Blaulicht“ aufgetan. Ein Polizist habe mit dem Rücken zu ihm auf der Fahrbahn gestanden. Er habe gebremst und sei ins Schlingern geraten. Darum sei er, um nicht zu stürzen, durch die Lücke zwischen Polizisten und dem Feuerwehrauto weitergefahren.

„Dass ich nicht angehalten habe, war sicher nicht das Schlaueste“, gesteht er, der Polizist habe sich bestimmt erschrocken. Er entschuldigt sich auch sofort, sowie der Beamte als Zeuge erscheint. Ebenso später bei dessen Kollegin.

Der erfahrene Polizist, der nach dem Vorfall Anzeige erstattet hat, spricht als Zeuge von „erheblicher Geschwindigkeit“ und „für mich war er zu schnell“. Er legt sich aber beim Tempo nicht fest, wägt fair ab, will nicht ausschließen, dass er der Fahrtrichtung, in der er den Verkehr wegen der Löscharbeiten stoppen wollte, auch kurz den Rücken zugekehrt haben könnte.

„Aber selbst wenn, hat er zu halten“, betont er. Und im übrigen wäre ein „klassisches Ausweichmanöver wie in der Fahrschule“ sicher möglich gewesen, ohne ihn zu gefährden. Der Polizist weiß wovon er spricht, er macht gerade den Motorrad-Führerschein. Und er bekommt Rückendeckung seiner Kollegin, die selbst früher Motorrad fuhr. Auch sie spricht vom Abbremsen, von erneutem Gasgeben und davon, dass sie selbst habe beiseite springen müssen.

Als neutraler Zeuge wird der Zahnarzt gehört, dessen Auto an jenem Sommerabend wegen eines Kabelschadens in Brand geriet. Er sagt aus, der Motorradfahrer habe nach seiner Einschätzung kaum eine Chance gehabt, noch vor dem Polizisten anzuhalten, ohne zu stürzen oder in den Graben zu fahren.

Richterin, Verteidiger und Staatsanwältin ziehen sich nach dieser Aussage zunächst zur Beratung zurück. Der angeklagte Eingriff in den Straßenverkehr setzt voraus, dass der Angeklagte bewusst auf den Polizisten hätte zufahren müssen – das ist kaum beweisbar. Das Verfahren wird deshalb wegen geringer Schuld eingestellt. Ein Jahr ohne Führerschein, findet die Richterin, seien als Strafe fürs unerlaubte Wegfahren nach dem Beinaheunfall auch ausreichend – und sie gibt ihm den „Lappen“ zurück.