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Göttingen Aus drei mach zwei: Göttingens Lampen-Nummer, Teil 2
Die Region Göttingen Aus drei mach zwei: Göttingens Lampen-Nummer, Teil 2
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17:23 30.03.2012
Von Ilse Stein
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Worauf es allgemein nur Ablehnung hagelte. Da fühlte sich die Verwaltung aber mächtig angegriffen. Wie immer, wenn Kritik im Spiel ist, wird daraus gleich der Vorwurf der Polemik.

Stadtbaurat Thomas Dienberg schrieb denn auch sofort – mit einem Riesenverteiler an Rat und wen es sonst noch interessieren könnte – einen Brief an mich. (Wer Lust hat, kann ihn in komplett auf der Folgeseite nachlesen)

Erst einmal macht Dienberg langatmig klar, dass „konstruktive Kritik natürlich willkommen“ sei bei der Neugestaltung der City, deren „besonderen historischen Charakter“ er achten möchte. In den Planungsprozess würden die Bürger immer wieder einbezogen – eben auch durch die Präsentation möglicher Leuchten. Aber: „Bei Letzterem geht und ging es nicht um eine öffentliche Abstimmung über einen Leuchtentyp“.

Sondern, so fragt man sich, worum dann? Die Erklärung verblüfft: „Vielmehr sollten Leuchten … im öffentlichen Raum getestet und – natürlich auch – kommentiert werden“. Indem man sie einfach mal aufstellt und sieht, was passiert? Oder wurden sie nur aufgestellt, damit die informierten Ratsmitglieder sich mal drei Laternen in echt und nicht nur auf ihrem ratseigenen Laptop anschauen konnten?

Weiter im Dienbergschen Text: „Die Kommunikation dieser Prozesse ist – wie man sieht – gelegentlich eine der schwierigsten Aufgaben“. Anschließend begrüßt er, wenn „sich das Göttinger Tageblatt  in diese Meinungsbildung einmischt“. Das beruhigt uns enorm. Wobei, nur zur Erinnerung, Einmischung beziehungsweise kritische Begleitung öffentlicher Prozesse durch Journalisten ohnehin die Kernaufgabe einer Zeitung ist. So begrüßen wir wiederum, wenn jemand unsere Arbeit gutheißt.

Eine „weniger polemische Kommentierung der Sache“ wäre nach Dienbergs Ansicht allerdings hilfreicher. Er wünscht sich zum Abschluss noch einen „konstruktiven öffentlichen Dialog“.
Der sieht im Moment so aus: Jetzt stehen zwei statt drei Lampentypen gegenüber dem Alten Rathaus. Ein Modell aus der ersten Vorstellungsrunde und eines, das bereits in den Nebenstraßen zu sehen ist. Einfach so. Wieder ohne jeden Hinweis darauf, was das eigentlich ist, was das soll und wie der Bürger damit umgehen sollte und könnte.

Im Bauausschuss wurde inzwischen präsentiert, warum der erste Vorschlag der Verwaltung, Modell Modullum (wer denkt sich solche Namen eigentlich aus?), nun angeblich (was zuvor nie zu hören war) günstiger im Verbrauch sei, weniger Leuchten nötig seien und so weiter. Kurzum: Was vor wenigen Monaten noch gut genug war für die Seitenstraßen, zeigt sich nun als finanziell nicht so ganz sinnvoll, um es nett zu formulieren.

Prompt rücken die Politiker ab von ihren ersten Einsichten, erkennen gar, wie Grünen-Mann Ulrich Holefleisch plötzlich, die Schönheit der „puristischen“ Gestaltung von „Modullum“. Im April wird der Bauausschuss in seiner Weisheit nun entscheiden. Von konstruktiven öffentlichen Dialogen à la Dienberg war im Rahmen dieser Debatte übrigens nichts mehr zu hören.

Weg von der Erleuchtungs-Problematik (von den jungen Lästermäulern der Redaktion bereits als „Laber-Lampen“ tituliert) zu anderen Themen. Zu solchen, bei denen schlicht Wissen archiviert wird zum Beispiel. Etwa im Wiki Göttingen, das vom Tageblatt vor nunmehr fünf Jahren ins Leben gerufen wurde und inzwischen mit Hilfe von mehr als 900 interessierten Lesern bestückt worden ist. 13 506 Seiten Wissenswertes aus der Region bietet das Wiki Göttingen inzwischen und steht weltweit damit auf Platz 18 eines Rankings solcher Regionalwikis. Wir freuen uns mit allen Mit-Sammlern von „Wissen auf Wiki“ und freuen uns über weitere Mitstreiter.