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Göttingen Auseinandersetzungen im Göttinger Kreisverband der Linken
Die Region Göttingen Auseinandersetzungen im Göttinger Kreisverband der Linken
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20:24 28.07.2014
Von Michael Brakemeier
Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Göttingen

Bei letzterer hätte der kollektive Rücktritt des amtierenden Kreissprecherrats (KSR) auf der Tagesordnung stehen sollen. Sie sollte dazu beizutragen, die „funktionelle Ordnung des Kreisverbandes“ wiederherzustellen.

Für den Sprecherrat des Ortsverbandes Göttingen ist Humkes Vorgehen „satzungswidrig“, und der Rat zieht Konsequenzen: „Wir sind nicht gewillt, die offenkundige Zusammenarbeit mit denjenigen, die diesen Kreisverband ,aufmischen‘ wollen, durch einzelne KSR-Mitglieder und ein Landesvorstandsmitglied sowie deren selbstherrliche Satzungsbrüche und putschistisches Verhalten, weiter zu tolerieren.“

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Unterdesssen hat die Landesschiedskommission beide KMV-Termine gestrichen. Ein Sprecher der Landespartei bestätigte das gegenüber dem Tageblatt. Mehr über die innerparteilichen Göttinger Querelen sollten dann aber doch bitte nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Jetzt soll auf Einladung durch den Landesvorstand bis spätestens zum 16. September eine neue KMV anberaumt werden.

Humke-Kritiker gegen Humke-Sympathisanten

Humke

Hintergrund der Querelen ist ein tiefer Riss, der durch den KSR der Göttinger Linke geht. Anne Freimuth (Hann. Münden), Dirk Tegtmeyer (Göttingen) und Dieter Reitemeyer (Göttingen) sehen sich Sissi Spiegler (Göttingen), Ulrich Maschke (Dransfeld) und Jo Bons (Göttingen) gegenüber. Humke-Kritiker gegen Humke-Sympathisanten. Auf Facebook etwa liefern sich Anhänger beider Lager erbitterte Wortgefechte, bei denen auch an Beleidigungen nicht gespart wird.

Gleichwohl hatten sich fünf der sechs darauf verständigt, geschlossen bei der KMV zurückzutreten, um den Weg für eine Neuwahl freizumachen. Auch mit dem Ziel, Abwahlanträge zu vermeiden.

Denn die Befürchtung steht im Raum, so berichten Parteiinsider, dass dann „viel schmutzige Wäsche gewaschen wird“ und einige „unschöne Dinge auf den Tisch kommen“, bei denen es gar nicht mehr um Inhalte ginge, sondern um ganz persönliche Dinge. Einzig Kreissprecher Ulrich Maschke lehnte bislang einen Rücktritt aus dem KSR ab.

Gerd Nier, ehemaliges Göttinger Ratsmitglied der Linken, nennt den Riss eine „Katastrophe“ für die Linke. Nier hatte im Frühjahr sein Ratsmandat wegen heftiger Differenzen mit Humke niedergelegt. Aus seiner Sicht hätten nun die „Verfechter der ,reinen Lehre‘“, die „Wahrheitsverkünder“ und die „Sektierer“ diesen „einstmals so stabilen und konstruktiven“ Kreisverband in erstaunlich kurzer Zeit herabgewirtschaftet.