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Göttingen Ausgesetzte Exoten im Göttinger Kiessee
Die Region Göttingen Ausgesetzte Exoten im Göttinger Kiessee
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23:27 13.07.2011
Von Katharina Klocke
Vermutlich in den 90er Jahren ausgesetzt: Rotwangenschmuckschildkröten im Kiessee.
Vermutlich in den 90er Jahren ausgesetzt: Rotwangenschmuckschildkröten im Kiessee. Quelle: Hartmann
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Dort hat Tageblatt-Leser Heinz-Joachim Hartmann zwei der scheuen Reptilien vor die Linse seiner Kamera bekommen. Von den 1970er bis in die 1990er Jahre sind Trachemys scripta elegans zu hunderttausenden für die private Tierhaltung nach Deutschland exportiert worden. Mit zunehmender Größe wurden viele der Schildkröten ihren Besitzern lästig – sie landeten in heimischen Gewässern. Wo sie, vor allem in Süddeutschland, selbst harte Winter überlebten, unerwünschterweise: Die Anwesenheit der Fremdlinge führe zur sogenannten Faunenverfälschung und zu Problemen für die ursprüngliche Tierwelt, so der Naturschutzbund Deutschland. Mittlerweile sei deshalb die Einfuhr genehmigungspflichtig beziehungsweise verboten, berichtet Mathias Weitemeier vom städtischen Fachdienst Umwelt. „Der Markt für Rotwangenschmuckschildkröten ist zusammengebrochen, der Handel ist auf Arten ausgewichen, die hier nicht mehr überleben, wenn sie ausgesetzt werden.“

Auch im Göttinger Kiessee sind einige entsorgte Überlebende der Exportwelle zu finden. Am Sonne beschienenen Nordufer seien sie zeitweise zu sehen, sagt Weitemeier. Und, wie Tageblatt-Leser Hartmann beobachtete, vom Boot aus im Bereich der Kiessee-Insel. „Dort sonnen sie sich auf schwimmenden Ästen.“ Bei Störungen flüchteten sie aber sofort ins Wasser.
Auch wenn die Rotwangenschmuckschildkröten bei einer Massenvermehrung heimische Biotope durcheinander bringen könnten – die wenigen Exemplare im Göttinger Kiessee werden von der Unteren Naturschutzbehörde toleriert, „wir sehen einfach über ihre Existenz hinweg“, erklärt Weitemeier. Einfangen könne man die Tiere kaum, und wenn es doch einem gelänge „wäre es verboten, sie zu behalten.“ Solche Exoten müssten an das Artenschutzzentrum des Naturschutzbundes in Leiferde abgegeben werden.