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Göttingen Ende einer Dienstfahrt: Kein Bus mehr zum Kehr
Die Region Göttingen Ende einer Dienstfahrt: Kein Bus mehr zum Kehr
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00:20 03.03.2019
Fährt nicht mehr lange: der Bus zum Göttinger Kehr. Quelle: R
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Göttingen

2017 war das Naherholungsgebiet im Göttinger Stadtwald zuerst probehalber in den Sommermonaten von den Göttinger Verkehrsbetrieben (GöVB) angefahren worden. Im Jahr darauf war der Betrieb der Linie 73 bis zum Kehr wegen der guten Nachfrage fortgesetzt worden. Jetzt soll also das Aus kommen.

Weitere Gründe führt Verkehrsplaner Sören Koss von der Stadtverwaltung für das Einstellen an. Zum einen würden Bauarbeiten in der Nikolaistraße zu einer Verlängerung der Fahrzeiten führen, zum anderen erschwerten parkende Fahrzeuge am Kehr das Wenden der Busse. Zudem sei der Straße am Jägerhaus steil und in sehr schlechtem Zustand.

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Das Fehlen von Werbung

Ratsherr Volker Grothey (SPD) berichtete von eigenem Erleben. Brechend voll sei es am Kehr an den jüngsten beiden Sonntagen gewesen. 350000 Euro für den Straßenausbau halte er für zu teuer. Doch 3500 Euro Zuschuss für die GöVB für die Kehrfahrten seien nicht zu viel Geld für das Angebot. Er schlug vor, kleinere Busse einzusetzen und eine andere Schleife über die Bismarckstraße zu fahren. Zudem bemängelte er des Fehlen von Werbung für das Angebot. Katharina Schüle-Rennschuh (CDU) verwarf eine mögliche Sperrung für den Individualverkehr, weil unterhalb der Zugangsstraße zu wenig Parkplätze zur Verfügung stünden. Wenn also der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) eingesetzt werde, müsse die Straße „ertüchtigt werden“. Daher stimme ihre Fraktion für das Einstellen.

Nils König als beratendes Mitglied des Ausschusses brachte Parkraumbewirtschaftung am Kehr ins Spiel. Francisco Welter-Schultes (Piraten) plädierte für einen Schrankenlösung, die ohne Personal auskomme. Felicitas Oldenburg (FDP) beschied, die Straße am Jägerhaus sei defekt und zu steil. Und sie erinnerte daran, dass der Kehr früher über die weniger steile Bismarckstraße angefahren wurde. Die Mehrheit des Ausschusses stimmte schließlich der Einstellung der Kehrfahrten zu.

Auch ohne Vollausbau der Straße

Die SPD-Fraktion äußerte sich schließlich in einer Pressemitteilung. Leider hätten sich nun alle Parteien im Umweltausschuss dagegen entschieden. Einzig die SPD wollte die Anbindung mit dem Bus erhalten. „Wir hätten es gern weiterhin allen ermöglicht, den Kehr und das Kerstlingeröder Feld zu besuchen", so der umweltpolitische Sprecher Grothey. „Mit relativ einfachen Maßnahmen hätte man den Betrieb fortsetzen können, das war leider nicht gewollt.“ Auch ohne Vollausbau der Straße wäre der Betrieb möglich gewesen.

Die Buslinie sollte auch ein Umdenken bei der Mobilität fördern. „Das Votum der anderen Fraktionen im Umweltausschuss ist ein fatales Signal. Wir diskutieren über autofreie Innenstädte und nehmen gleichzeitig den Menschen die Möglichkeit, am Wochenende umweltfreundlich in eines der beliebtesten Naherholungsgebiete zu fahren“, teilt SPD-Fraktionschef Tom Wedrins mit. „Wir wollten aber auch Menschen ohne Auto oder mit körperlichen Gebrechen die Möglichkeit geben, den Kehr zu besuchen.“

Von Peter Krüger-Lenz