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Göttingen Ausstellung „Deutsche in Kasachstan“ im Neuen Rathaus Göttingen eröffnet
Die Region Göttingen Ausstellung „Deutsche in Kasachstan“ im Neuen Rathaus Göttingen eröffnet
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11:05 10.12.2019
Irina Schnar, stellvertretende Vorsitzende des Integrationsrates Göttingen, und Alfred Eisfeld, Geschäftsführer des Göttinger Arbeitskreises, eröffneten die Wanderausstellung „Deutsche in Kasachstan“. Quelle: Wienecke
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Göttingen

Die Ausstellung „Deutsche in Kasachstan“ ist eröffnet. Die Präsentation im Neuen Rathaus in Göttingen ist bis Freitag, 20. Dezember, für Interessierte zugänglich. In dieser Zeit werden Alfred Eisfeld, Geschäftsführer des Göttinger Arbeitskreises, und Irina Schnar, stellvertretende Vorsitzende des Integrationsrates Göttingen, die Ausstellung begleiten und betreuen. Die Tafeln sind zweisprachig auf Deutsch und auf Russisch verfasst. Es werden sowohl individuelle als auch Gruppenführungen angeboten – zum Beispiel für Göttinger Schulen für Klassen 8 bis 9.

„Die Wanderausstellung füllt eine große Bildungslücke“

Die Ausstellungseröffnung am Montag begann mit einem Video, das den Weg der Aussiedlung von Kasachstan nach Deutschland zeigte. Schnar sprach anschließend über die Geschichte Deutscher aus Kasachstan. Diese ist umfangreich: In den 1970er Jahren waren Deutsche nach Schnars Angaben die drittgrößte Bevölkerungsgruppe in Kasachstan. Dennoch sei nicht allzu viel über ihre Geschichte bekannt. „Die Wanderausstellung füllt eine große Bildungslücke“, sagte Schnar.

Göttingen ist die erste Stadt in Deutschland, in der die Ausstellung gezeigt wird. Schnar hofft nicht nur auf Besucher aus Göttingen, sondern auch auf Gäste aus dem gesamten niedersächsischen und deutschen Raum. Sie habe das Ziel aufzuklären, Akzeptanz zu schaffen und mit bestimmten Klischees gegenüber Russlanddeutschen aufzuräumen. Anschließend bedankte sie sich bei Hauptinitiator Alfred Eisfeld, dem Göttinger Integrationsverein und demInstitut für Deutschland- und Osteuropaforschung des Göttinger Arbeitskreises, die das Projekt ebenso in die Wege geleitet haben.

Grenzdurchgangslager Friedland als erste Anlaufstelle für Aussiedler

Bürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) bedankte sich bei den Initiatoren dafür, dass die Ausstellung zuerst in Göttingen präsentiert wird: „Es ist mir eine Ehre, dass die Ausstellung im Neuen Rathaus in Göttingen startet.“ Köhler sprach von der Wichtigkeit des Standortes Göttingen für Aussiedler, weil das Grenzdurchgangslager Friedland für viele die erste Anlaufstelle ist. Außerdem seien viele Deutsche aus Kasachstan nach ihrer Aussiedlung nach Göttingen gekommen und wären mittlerweile in Schulen und allen Institutionen präsent. Abschließend fügte Köhler hinzu, dass Heimat oft nicht nur ein Land sein könne, sondern auch mehrere.

Bei der Eröffnungsveranstaltung Ratssaal waren einige Russlanddeutsche anwesend, die selbst einmal ausgesiedelt waren und gegenseitig ihre Erfahrungen teilten. Eisfeld bedauerte zwar zu Beginn seines Vortrags, dass viele Plätze im Saal frei geblieben waren. „Ich glaube aber nicht, dass das auf mangelndes Interesse hindeutet“, sagte er.

Geschichte der Deutschen in Kasachstan begann 1891 bis 1892

Historiker Eisfeld sprach über die Geschichte der Deutschen in Kasachstan. Diese begann in den Jahren 1891 bis 1892, denn zu dieser Zeit kamen erste deutsche Bauern in das Land. Sie waren aus russischen Gebieten ausgewandert, in die sie wiederum aus Deutschland gezogen waren. Eine problematische Zeit für Deutsche aus Kasachstan war die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Wegen ihrer Abstammung wurden sie oder ihre Verwandten ständig verdächtigt, Kontakte mit Hitler-Deutschland zu haben oder sogar Anschläge zu planen.

Die ausführliche Geschichte der Deutschen aus Kasachstan steht auf den ausgestellten Informationstafeln im Foyer des Neuen Rathauses. Dort sind die Geschichte und die Gegenwart der Deutschen in Kasachstan und der deutsch-kasachischen Beziehungen festgehalten. Zudem sind auf jeder Tafel passende Bilder zu sehen. Der Eintritt ist frei.

So kamen die ersten Deutschen nach Kasachstan

Die ersten Deutschen auf kasachischem Boden waren Mitglieder der Petersburger Akademie der Wissenschaften, Offiziere, Zivilbeamte, Ingenieure, Ärzte, Wissenschaftler, Vertreter freier Berufe, zumeist Adelige aus den Ostseeprovinzen und St. Petersburg.

Den Anfang der bäuerlichen Kolonisation legten das Gesetz „Über die freiwillige Umsiedlung von Landwirten und Stadtbewohnern auf staatliche Ländereien“ am 13. Juli 1889 und die „Provisorischen Regeln für die Bildung von Umsiedler- und Reserveparzellen“ am 13. Juni 1893.

Die Umsiedlung deutscher Bauern begann 1891 bis 1892 wegen Missernte und Hungers im Wolgagebiet. Die Agrarreform Pjotr Stolypins hatte der Umsiedlung der Landbevölkerung aus dem europäischen Teil des Russischen Reiches einen mächtigen Anstoß gegeben. Stolypin hielt es 1910 für erforderlich, „Maßnahmen gegen die Besiedlung der Steppengebiete durch deutsche Kolonisten zu ergreifen, da dieses Element den Zielen der russischen Kolonisation nicht entspreche“. 1926 lebten auf dem Territorium Kasachstans 51.102 Deutsche und Mennoniten.

Von Pascal Wienecke

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