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Göttingen Ausstellung zeigt Fotos von sterbenden Menschen
Die Region Göttingen Ausstellung zeigt Fotos von sterbenden Menschen
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17:24 18.01.2012
Die Fotografin Gülay Keskin hat sterbende Menschen porträtiert. Hier sind zwei unheilbar an Krebs erkrankte Frauen zu sehen: eine 59-Jährige und die 21-jährige Sarai mit ihrem Traum.
Die Fotografin Gülay Keskin hat sterbende Menschen porträtiert. Hier sind zwei unheilbar an Krebs erkrankte Frauen zu sehen: eine 59-Jährige und die 21-jährige Sarai mit ihrem Traum. Quelle: Keskin
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Göttingen

Keskin hat 16 Menschen auf Palliativstationen sowie im stationären und ambulanten Hospizbereich begleitet. Jeder Person sind zwei Porträts gewidmet: Ein Foto zeigt das „Jetzt“, ein Bild visualisiert die Träume und Wünsche der jeweiligen Person. Der nahe Tod lässt die Menschen auf das Wesentliche blicken: ihre Beziehungen, ihre Trauer, aber auch ihre Hoffnung – auf das, was sie sich für ihr verbleibendes Leben wünschen und wie sie sich das Danach vorstellen. „Ich möchte noch für voll genommen werden“, sagt eine 59-Jährige in einem Begleittext zur Ausstellung. Die 21-jährige Sarai meint: „Obwohl ich so krank bin, will ich nicht nur Ballast sein.“ Und: „Ich rechne nur in ganz kurzen Zeitabschnitten.“

„In unseren sozialen und medizinischen Einrichtungen gehört das Sterben zum Alltag“, sagt Prof. Friedemann Nauck, Direktor der Palliativmedizin am Universitätsklinikum Göttingen. „Unsere Hoffnung ist es, mit der Ausstellung eine Veränderung im Umgang mit Sterben und Tod schon zu guten Lebzeiten zu bewirken.“

„Wir müssen uns trauen zu trauern. Sterben und Tod gehören zum Leben“, ergänzt die katholische Klinikseelsorgerin Annette Stechmann. Ziel der gesamten Veranstaltungsreihe „Lebenskunst Sterben“ ist es, Berührungsängste gegenüber dem Thema „Leben und Sterben“ abzubauen. Unter anderem wird Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, über den Tod seiner Tochter sprechen. Weiter sind unter anderem Kinder- und Jugendtheaterstücke und wissenschaftliche Vorträge geplant. Die Veranstaltungsreihe sei „ein einmaliges Projekt der Palliativmedizin“, so Nauck. An der Veranstaltungsreihe beteiligen sich neben Klinikseelsorge und Palliativzentrum unter anderem die Figurentheatertage, das Junge Theater, das Hospiz an der Lutter, der evangelische Kirchenkreis und das katholische Dekanat.

Die Ausstellung wird am Mittwoch, 22. Februar, um 19.30 Uhr in Anwesenheit der Fotografin in der Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan 4, eröffnet. Die Ausstellung ist bis Freitag, 9. März, zu sehen – montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr sowie sonntags von 15 bis 18 Uhr. Führungen für Schulklassen sind vormittags möglich. Anmeldung an annette.stechmann@med.uni-goettingen.de.