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Göttingen Ausstellung thematisiert Flucht über die Balkanroute
Die Region Göttingen Ausstellung thematisiert Flucht über die Balkanroute
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11:00 31.07.2019
Ausstellung „yallah! über die Balkanroute" im Stadtlabor, Migration bewegt Göttingen Quelle: R
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Göttingen

Bereits zum zweiten Mal kann die Ausstellung „yallah?! über die Balkanroute" in Göttingen besucht werden. Im November 2017 stellte das Haus der Kulturen die Bilder und Texte sowie Audio- und Videodateien aus, die auf der sogenannten Balkanroute von einem Team aus Göttinger Studierenden aufgenommen wurden.

Die Wanderausstellung wird seit 18 Monaten in verschiedenen Städten des deutschsprachigen Raums ausgestellt. Seit dem 29. Juli ist sie im „Stadtlabor: Migration bewegt Göttingen", Schildweg 1, zu sehen. „yallah" bedeutet übersetzt „Los" oder „Vorwärts", besitzt also einen Aufforderungscharakter. Als die Balkanroute noch nicht offiziell geschlossen war, konnten Geflüchtete innerhalb weniger Tage in Zentraleuropa ankommen.

Hoffnungsschimmer

Svenja Schurade befand sich im Januar und Februar 2016 zwischen dem Übergangspunkt von Griechenland zu Mazedonien (heute Nordmazedonien). Das zentrale Anliegen der Ausstellung sei, der Kulturanthropologie-Studentin zufolge, den Blickwinkel auf die Ereignisse während der Flüchtlingskrise zu verändern. Das Jahr 2015 und die zu derzeit geöffnete Balkanroute werde von der Politik und den Medien gerne als Katastrophe beschrieben, als Kontrollverlust der EU.

„Dabei kann dieses Zeitfenster auch für einen Hoffnungsschimmer einer humaneren Politik der Europäischen Union (EU) stehen", meint Schurade. Als die Route offiziell geschlossen wurde, habe das nicht bedeutet, dass die Wege nicht illegal bewältigt wurden. Die Gewalttätigkeit habe sich allerdings massiv erhöht, und die Schlepperdienste mit illegalen Bootsfahrten nahmen zu. Dabei zeigte sich laut Schurade, dass bei geöffneter Route eine andere Politik in Europa möglich sei, wenn der Wille da sei.

Persönliche Eindrücke gesammelt

Für die Ausstellung war Schurade mit weiteren Göttinger Studierenden auf der Balkanroute unterwegs. „Dabei ging es uns vor allem darum, mit den Menschen zu sprechen. Wir haben sie gefragt, was sie zu sagen hätten, das Menschen in Deutschland oder anderen europäischen Ländern hören sollen." Ein Gedicht unterzeichnete der Autor mit „ein Mensch auf der Flucht". „Viele der Geflüchteten hatten das Gefühl, dass ihnen das Menschsein aberkannt wird", erklärt Schurade. Aus diesem Grund benutze sie ungern das Wort „Flüchtling".

Es sei für sie interessant zu beobachten, dass die Beliebtheit der Ausstellung bei den Zuschauern bis heute nicht abnehme. „Das Thema ist immer noch in aller Munde und hochaktuell." Außerdem sei es wichtig und aufschlussreich, sich die Thematik nach rund zwei Jahren nochmal aus der Distanz anzusehen. Durch die Ausstellung wolle das Team, dass Geflüchteten eine Stimme gegeben werde, damit sie ihre Geschichte erzählen könnten.

Hoher Druck auf Geflüchtete

Es ist schwierig, die Schicksale der in der Ausstellung beschriebenen Menschen auszublenden. Über die Audio- und Videodateien ist der Raum voll von den emotionalen Ausrufen und Eindrücken, die direkt auf der Balkanroute aufgenommen wurden. In Deutschland wird Integration gefordert, aber gleichzeitig die Zugänge auf verschiedenen Ebenen verengt, heißt es auf einem der Ausstellungsplakate. Für die Geflüchteten entstehe dadurch ein hoher Druck, möglichst schnell eine funktionale Rolle in der Gesellschaft zu spielen.

Bis zum 22. August kann die Ausstellung imStadtlabor: Migration bewegt Göttingen", Schildweg 1, besichtigt werden. Geöffnet sind die Räumlichkeiten montags bis freitags zwischen 14 und 17 Uhr.

Stadtlabor: Migration bewegt Göttingen

Seit Juni besetzt das „Stadtlabor: Migration bewegt Göttingen" die Räumlichkeiten der ehemaligen Apotheke im Schildweg 1. Ziel ist es nach Angaben von Koordinatorin Jelka Günther den Blick auf Kommunen und lokale Initiativen zu richten. Wie wird Migration und Inklusion in Göttingen, Deutschland und Europa gestaltet?

Unterstützt von Wissenschaftlern des Centres for Global Migration Studies (CeMig), Kulturschaffenden des boat people projekts, dem Museum Friedland und dem Literarischen Zentrum Göttingen soll eine Veranstaltungsreihe initiiert werden, die die öffentlich-politische Debatte, unter dem Motto „Migration bewegt Göttingen", zu versachlichen.

Ein Aktionstag am Sonnabend, 17. August, zwischen 12 und 16 Uhr, auf dem Wilhelmsplatz „Migration bewegt Göttingen" soll nach Angaben von Günther unter anderem auf die Ausstellung im Stadtlabor aufmerksam machen. Das nächste Projekt des Stadtlabors beginnt am Sonntag, 1. September, mit dem Künstler Arasch Zandieh mit „Mein neues Zuhause".

Sie erreichen die Autorin unter redaktion@goettinger-tageblatt.de

Von Lisa Hausmann

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