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00:19 21.01.2018
Leo Fischer (rechts) Quelle: Franson
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Göttingen

Die Kultur-Brezel, der Nazi-Hipster (Nipster) und die Auslöschung der Heterosexualität für eine neue Weltherrschaft: Themen, über die Leo Fischer am Mittwochabend im Zentralen Hörsaalgebäude der Universität gesprochen hat. Der Autor und ehemalige Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic” las von seinem E-Book einige seiner in unterschiedlichen Zeitungen veröffentlichten Kolumnen ab. Einmal im Jahr ist er auf Einladung des Fachschaftsrats Sozialwissenschaften in Göttingen zu Gast. „Als abschreckendes Beispiel dafür, was aus Sozialwissenschaftlern werden kann”, sagte er, bevor er mit der Lesungen begann. Während der sieben Jahre, die er bei der Titanic verantwortlich arbeite, habe er gelernt, „die Wahrheit zu schreiben und nichts als die Wahrheit“. Davon konnte sich das Publikum im Hörsaal dann in der folgenden Stunde überzeugen.

Der 37-jährige Satiriker Fischer hat wenig Hemmungen, sich über alles und jeden lustig zu machen. Angst aber hat er vor „Anwohnern”. „Anwohner raus” heißt eine seiner Geschichten, die den einen oder anderen Lacher im Hörsaal hervorrief. Der Anwohner, mit quäkenden Stimme und randloser Brille, tippe offene Briefe, nehme Kindern ihre Fußbälle weg und beschwere sich über fröhliche Zecher und heitere Musiker. „Die Anwohner haben sich beschwert - das ist die Rechtfertigung für jedes Verbrechen”, lernten die Zuhörer. Der Anwohner ziehe bevorzugt in Stadtviertel, in denen noch das Leben tobt. Anwohner in Jack-Wolfskin-Jacken treffen sich auf Anwohnerversammlungen und wollen laut Fischer die totale Kontrolle über die Umwelt erzwingen. „Die Kanzlerin hört den Anwohnern aufs Wort”, so Fischer. Der Nachbar hingegen, der stehe für Wärme, Solidarität und Katze füttern.

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Die „Erotikliteratur” alter weißer Feuilleton-Männer wie Jan Fleischhauer und Peter Sloterdijk (“Greise wollen’s wissen”) sind Fischer eine Betrachtung wert, ebenso die Leser der TAZ. Dort, so der Autor, habe er „neue Fakten über TTip” erfunden. Das TAZ-Publikum habe eine rege Diskussion über Wassermischgetränke ohne besondere Kennzeichnung und deren Einsatz in der Homöopathie diskutiert. “Ich habe damit ein ganzes Genre erfunden”, so Fischer.

Glitzernde Charity-Ladies

Er philosophiert über den korrekten oder eben ganz und gar nicht korrekten Umgang mit Behinderten, über einen Verein „Schau weg” und darüber, dass man doch Hilfe nur noch von glitzernden Charity-Ladies erwarten könne. Jeder, so Fischer, habe ein Recht auf schlechte Behandlung. Die Kultur-Brezel, jenes oft ungenießbare Gebäck, das in Pausen in deutschen Schauspielhäusern gereicht werde, sei ein “Ernüchterungsmittel” und oft so weich, dass es nur von Älteren gemocht werde - aber für die sei die Kultur ja auch gemacht.

Eigentlich aber hat der Autor keinen geringeren Plan als die Auslöschung der Heterosexualität in der Gesellschaft. Denn kein Kunstwerk von Bedeutung sei je von einer „Hete“ erschaffen worden. Auf die Abschaffung der Ehe - einem überholten Lebensentwurf aus der späten Eisenzeit - folge früher oder später eh die Auflösung der Gravitationskonstante.

Von Britta Bielefeld

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