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Göttingen Barterode und Esebeck: Bürgerinitiativen gegen Windparkpläne
Die Region Göttingen Barterode und Esebeck: Bürgerinitiativen gegen Windparkpläne
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19:50 06.09.2013
Von Gerald Kräft
Blick vom Kuhberg nach Barterode: So könnte der größte im Landkreis geplante Windpark – zwei Flächen auf Adelebser und Göttinger Gebiet – einmal aussehen. Quelle: Montage Busse
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Barterode/Esebeck

Mittlerweile formiert sich in den angrenzenden Dörfern allerdings immer mehr Widerstand.

Der Bürgerinitiative (BI) Pro Barterode gehören nach eigenen Angaben allein 170 Mitglieder an. Derzeit werden Unterschriften gesammelt. Im Nachbardorf Esebeck auf Stadtgebiet sammelte die Inititive Pro Esebeck bereits 389 Unterschriften gegen die „Mammutwindräder“.

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Das seien 78 Prozent der 500 über 18-Jährigen im Ort, so Ortsheimatpfleger und BI-Mitglied Gerd Busse. Und noch sei die Sammlung nicht abgeschlossen.

Gemeinsam gegen Windparkpläne

„Unsere Heimat würde optisch gesehen ,verschandelt’ und unser auch von Göttingern in ihrer Freizeit zur Erholung aufgesuchte schöne Landschaft zerstört“, heißt es in einem Schreiben der Initiative an Oberbürgermeister, Rats- und Ortsratsmitglieder vom Freitag.

Und weiter: „Wir sollten das man ruhig hinnehmen“ und „wir würden leider ,geopfert’ werden müssen, damit die Energiewende in Göttingen erfolgreich sein kann“, so einige zynische Argumente von Mitgliedern des Rates zu diesem Problemfeld.

Die Initiativen in Barterode und Esebeck arbeiten mittlerweile zusammen – esebar.de. Sie haben sich auch dem Bürgernetzwerk Energiewende Niedersachsen-Hessen angeschlossen.

"Nicht um jeden Preis“

Rund 100 Vertreter von 16 Netzwerk-Initiativen aus dem Göttinger und Northeimer Raum forderten am Mittwoch bei einem Treffen in Barterode ein Moratorium für den Windradbau im Binnenland. Erst müssten alle Probleme und langfristigen Risiken geklärt und erforscht sein. 1000 Meter Abstand zu Ortschaften seien bei den neuen großen Anlagen in jedem Fall zu wenig.

Es herrsche Forschungsnotstand, beklagte der Barteröder Arzt Thomas Carl Stiller. Mit weiteren Genehmigungen müsse auf Ergebnisse gewartet werden, um Menschen nicht biologischen Risiken auszusetzen. „Für die Energiewende sind wir alle, aber nicht um jeden Preis“, erklärte ein Esebecker.

Die großen Parteien würden ihr „Waterloo“ erleben wie in Erbsen, prophezeite der Erbser Ratsherr Thorsten Hüne. Seine Wählergemeinschaft hatte dort bei der Kommunalwahl 2011 44 Prozent der Stimmen bekommen.

Noch nichts entschieden

Eine einheitliche Vorgabe des Landes zum Mindestabstand lehnte der umweltpolitische Sprecher der FDP im Landtag, Gero Hocker, in Barterode ab. Er versprach aber parlamentarische Initiativen im Sinne des Netzwerkes. Die „Planwirtschaft“ durch das erneuerbare Energien-Gesetz müsse beendet werden.

Noch ist über den Windpark bei Barterode nichts entschieden. Wenn Landkreis und Gemeinden Flächen wie geplant ausweisen, wollen die Göttinger Stadtwerke „sechs bis neun“ Anlagen auf Adelebser Gebiet bauen, „mehrheitlich“ in Bürgerhand.

Vattenfall bietet mehr Pacht – 50 000 Euro im Jahr je Windrad, wie zu hören ist – und sicherte sich die Flächen auf Stadtgebiet und einige auf Adelebser Gebiet.

In der Gemeinde Adelebsen wird die Debatte am Dienstag, 10. September, weitergehen. Ab 18.30 Uhr tagt der Umwelt- und Planungsausschusses des Rates im Adelebser Rathaus. Thema ist unter anderem der Flächennutzungsplan und die Ausweisung von Vorranggebieten für Windkraftanlagen.

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