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Göttingen Baupläne wegen Realitätsferne abgelehnt
Die Region Göttingen Baupläne wegen Realitätsferne abgelehnt
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07:00 18.06.2019
In der Straße Auf der Schanze parken bislang Anwohner ihre Autos, auch der Bus fährt hier entlang. Mit 100 zusätzlichen Familien im Wohngebiet dürfte der Verkehr erheblich zunehmen. Quelle: Meinhard
Groß Ellershausen

Der Göttinger Ortsteil Groß Ellershausen soll wachsen. Wohnbebauung soll westlich des Ortes am Putzberg erfolgen. In dieses neue Wohngebiet hinein führt der Wiesentalsweg. Deshalb erhielt der zu erwartende Bebauungsplan den Arbeitstitel Wiesental Süd“. Während der Sitzung des Ortsrates Groß Ellershausen/Hetjershausen/Knutbühren am 13. Juni im Schützenhaus in Hetjershausen sind drei Planungsvarianten der Göttinger Stadtverwaltung vorgestellt worden. Und alle drei fielen bei den Mitgliedern des Ortsrates und anwesenden Einwohnern mit Pauken und Trompeten durch.

„Eine reine Schreibtischtat“

Kai Schmiedel von der Göttinger Stadt- und Verkehrsplanung stellte die Planungsvorschläge und warb um eine Zustimmung für einen Aufstellungsbeschluss. Er hatte keinen leichten Stand. Wenngleich er mehrfach hervorhob, dass es sich zum jetzigen Zeitpunkt lediglich um Vorschläge handele, hagelte es Kritik. „Diese Planung zeichnet sich durch deutliche Defizite aus und hat mit der Realität wenig gemein“, bemängelte das beratende Ratsmitglied Katharina Schüle-Rennschuh (CDU). Man könne schlicht und einfach nicht über etwas diskutieren, was dermaßen inakzeptabel sei, fügte sie an. Ihre Vermutung: „Das ist eine reine Schreibtischtat.“ Beifall im Raum. Schmiedel räumte denn auch auf Nachfrage ein, dass die Planungsvorschläge nicht von einem Göttinger Büro erstellt worden sind.

Verwaltung empfiehlt die Variante 2b

Drei Varianten stellte er vor. Variante 1 sieht im Plangebiet vier Innenhöfe vor, gebildet durch Reihenhäuser, 74 Wohneinheiten sollen entstehen. Variante 2a fällt durch eine Grünfläche im Zentrum auf und durch eine größere Durchmischung der Hausformen. 80 Wohneinheiten sollen entstehen. Variante 2b schreibt dem 37000 Quadratmeter großen Baugebiet mit 100 Wohneinheiten den größten möglichen Zuzug zu. In diesem Fall sollen Häuser mit drei Vollgeschossen entstehen, in den beiden anderen Varianten sind bis zu zwei Vollgeschosse geplant. Alle drei Vorschläge eint, dass zwischen bisheriger und neuer Wohnbebauung ein zehn Meter breiter Grünstreifen und in Folge dessen ein großes Regenrückhaltebecken entstehen sollen. „Für das weitere Planverfahren empfiehlt die Verwaltung Variante 2b“, ließ Schmiedel wissen.

Viele Fragen kommen im Ortsrat auf

Doch die Anwesenden wollten, wie gesagt, weder von der Vorzugsvariante noch den beiden anderen Vorschlägen etwas wissen. Fragen gab es zuhauf: Wie sollen die großen landwirtschaftlichen Fahrzeuge auf die Felder gelangen, wenn der Wiesentalsweg als Zufahrt verschwindet? Wie sollen die dann zusätzlich knapp 100 in Groß Ellershausen wohnenden Familien aus ihrem Wohngebiet heraus und auf die Bundestraße 3 kommen? Wo sollen deren Autos parken, wo die Fahrzeuge der Gäste? Wie soll der Anschluss an das Busnetz erfolgen? Muss die Straße Auf der Schanze zur Parkverbotszone erklärt werden, um dem deutlich verstärkt fließenden Verkehr Platz zu machen? Wohin soll das Wasser abfließen, das nach Niederschlägen von den höher gelegenen Feldern kommt und sich schon einmal wie ein Sturzbach in die Grundstücke am Putzberg ergossen hat? Gibt die hiesige Kita den Platz für wahrscheinlich mehrere Dutzend Kinder her? Hat sich jemand Gedanken gemacht zu den Besitzverhältnissen beziehungsweise Wegerechten der Feldwege? Welche Art der Wärmeversorgung soll umgesetzt werden?

Gefahren durch Schwerlaster

„Ich sehe erheblichen Beratungsbedarf“, bilanzierte Ortsratsmitglied Klaus Heß (CDU). Seine Forderung: „Das muss noch einmal neu entwickelt werden.“ Anwohner machten auf den zu erwartenden Schwerlastverkehr während der Bauzeit aufmerksam und fragten: Wo soll der entlang fahren? Durch das Unterdorf und damit an der Kita vorbei? Die Mitglieder des Ortsrates lehnten alle drei Planungsvarianten ab. Ortsbürgermeisterin Heidrun von der Heide (SPD) betonte allerdings auch, dass sie die Ausweisung eines neuen Wohngebietes grundsätzlich begrüße. Nur eben mit einer annehmbaren Planung.

Übrigens: Auch das BaugebietWiesental Nord“ ist in Groß Ellershausen bereits angedacht.

Das Wohnbaulandkonzept der Stadt Göttingen sieht vor, den Einfamilienhausbau vorwiegend in den Ortsteilen anzusiedeln. Damit würde den Ortsteilen die Möglichkeiten gegeben, sich baulich zu entwickeln, so die Einschätzung der Verwaltung.

Von Ulrich Meinhard

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