Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Baustopp bei Ischenrode: Sondermüll bleibt unter neuer Straße
Die Region Göttingen Baustopp bei Ischenrode: Sondermüll bleibt unter neuer Straße
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:07 15.09.2013
Von Ulrich Schubert
Streit um unterschiedliche Abfallgesetze in den Bundesländern: Abgerutschte Straße zwischen Ischenrode und Lichtenhagen wird erneuert. Quelle: Theodoro da Silva
Anzeige
Ischenrode/Lichtenhagen

Dabei ist der Auftraggeber eine niedersächsische Behörde – nämlich die Landesbehörde für Straßenbau, Geschäftsstelle Bad Gandersheim. Die Streitfrage: Darf belasteter Boden aus dem Kreis Göttingen auf eine – dort genehmigte – Sonderdeponie in Thüringen gebracht werden? Er darf nicht. Und jetzt wird ein Teil des belasteten Bodens unter der neuen Straße wieder eingebaut, ein anderer auf einer Göttinger Deponie entsorgt.

Die Vorgeschichte: Seit Mai ist die Landesstraße zwischen Ischenrode und Lichtenhagen (L 567) gesperrt – zum  wiederholten Mal und zum Ärger vieler Pendler. Bei starken Regenfällen wird ihr Untergrund immer wieder so stark unterspült, dass die Fahrbahn an einem Hang oberhalb eines Baches abrutscht.

Anzeige

Jetzt will die Landesbehörde für Straßenbau das Problem in den Griff kriegen. Die Straße wird auf einer Länge von etwa 150 Metern neu aufgebaut. Ihr Untergrund wird bis zur Talsole ausgehoben. Dann werden fünf bis sieben Meter hoch Körbe mit Granit- und Basaltsteinen aufgeschichteten.

In Thüringen zugelassen

Sie sollen die neue Straße stützen. Zudem sollen neue Drainagen dafür sorgen, dass Regenwasser besser in den Bach fließen kann. Fast 950 000 Euro wird das Projekt nach Angaben des Landesbetriebes kosten. Ende Oktober sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Das Problem: Bei ersten Erdarbeiten wurden im Boden unter der abgetragenen Fahrbahn Stoffe aus einer Zeit entdeckt, als Straßen noch mit Teer gedeckt wurden. Diesen Boden wollte die beauftragte Firma auf eine Deponie bei Menteroda im Unstrut-Hainich-Kreis bringen.

Der Recyclingbetrieb verwendet Schadstoffe gemischt mit anderem Material zur Abdeckung von Kalihalden. Das Verfahren ist in Thüringen zugelassen, bestätigt Norbert Schulz, Leiter des Umweltamtes beim Kreis Göttingen. Der erste Nachweis habe der Unteren Umweltbehörde „auch aufgrund von widersprüchlichen Angaben“ nicht gereicht.

Darauf stoppte die Straßenbaubehörde selbst ihre Baustelle. „Wir wollten das sauber klären und uns Zeit für weitere Bodenuntersuchungen nehmen“, erklärte Geschäftsstellenleiter Udo Othmer.  Zudem müsse Sondermüll grundsätzlich im eigene Land bleiben, ergänzt Schulz. Das sei gesetzlich klar geregelt.

Eine gute Lösung gefunden

Ausnahmen gebe es nur, wenn ein Gefahrenstoff in einem anderen Land mit einem besonderen „hochwertigen Verfahren“ wiederverwertet werden könne. Es habe sich aber heraus gestellt, dass das Verfahren in Menteroda den niedersächsischen Ansprüchen nicht genüge.

Fazit: Der Boden müsse in Niedersachsen bleiben – deponiert auf einer kreiseigenen Deponie und teilweise „mit Beton ummantelt“ im Untergrund der neuen Straße. Damit sei eine gute Lösung gefunden worden, sagen Othmer und Schulz.

Dass es in ähnlichen Fällen immer wieder Konflikte zwischen Baufirmen, Landesbaubehörde und Umweltbehörde gebe, weisen beide zurück. Und inzwischen wird zwischen Ischenrode und Lichtenhagen auch wieder gebaggert.