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Göttingen Beratungsgebühr gegen Onlinekäufer: Das sagen Göttinger Händler
Die Region Göttingen Beratungsgebühr gegen Onlinekäufer: Das sagen Göttinger Händler
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20:18 24.10.2019
Betrachte sich als „menschliche Suchmaschine“: Ariane Bernecker vom Göttinger Drachenladen. Quelle: Tammo Kohlwes
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Göttingen

Jürgen Weferling erhitzt die Gemüter – bei Händlern ebenso wie bei Kunden: Der Besitzer eines Baumarktes in Braunschweig verlangt von seinen Kunden seit Kurzem eine Beratungsgebühr. Die wird fällig, wenn sie nach ausführlicher Beratung woanders kaufen – meistens online. Die Händler aus der Region Göttingen halten davon allerdings wenig.

„Nein, das ist nicht der richtige Weg“, ist Frederike Breyer überzeugt. Zumal das lange hoch gepushte Problem gar nicht mehr so akut sei, ergänzt die Geschäftsführerin derPro City GmbH, die die Interessen der Göttinger Händler vertritt. Studien belegten längst, dass es keinen einseitigen Beratungsdiebstahl zu Lasten der lokalen Fachhändler gebe. „Das läuft inzwischen in beide Richtungen“, sagt sie: Es gebe Kunden, die nach einer Fachberatung vor Ort im Internet kaufen, aber auch immer mehr Kunden, die sich online genau informieren und dann lokal kaufen.

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Das Problem, das keines ist:

Studie belegt: Onlinehandel nur begrenzte Gefahr

Eine Göttinger Studiestützt die Einschätzung regionalen Einzelhändler, dass nur wenige Kunden eine Beratung vor Ort nutzen, um dann im Internet zu bestellen. Das Soziologische Forschungsinstitut veröffentlichte vergangenes Jahr eine Untersuchung, für die 30 kleine und mittlere Handelsbetriebe in Südniedersachsen begleitet wurden. Das Ergebnis: Digitale Angebote sind nur in beschränktem Maß eine Gefahr für den Einzelhandel. Gleichzeitig stellen Onlineangebote nur eine von vielen Herausforderungen für kleinere Betriebe dar, die insgesamt den Wettbewerbsdruck zu erhöhen drohen, heißt es in der Studie. Viele würden neben anderem auch durch die demografische Entwicklung, fehlende Nachfolge und hohe Mietpreisforderungen belastet. Die gute Nachricht: Nach ihren Ergebnissen gewinnen die Stärken, die der Einzelhandel gegenüber großen Konzernen hat, für viele Kunden an Bedeutung. Die persönliche Beratung vor Ort sei der größte Vorteil, den kleinere Betriebe den Menschen bieten könnten. Das bleibe auch der Schwerpunkt der Arbeit in diesen Betrieben.

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„Und vieles vermischt sich da“, ergänzt Breyer. Kunden könnten zum Beispiel online bestellen und die Ware im Geschäft abholen. Statt eine Beratungsgebühr zu verlangen, „müssen wir mehr unsere Stärken als regionale Händler nach vorne stellen“, sagt sie. Das seien unter anderem guter Service inklusive Umtausch und persönliche Ansprechbarkeit.

„Für mich wäre das abschreckend“

Der Vorsitzende des Vereins „Treffpunkt Stadtmarketing Duderstadt“, Hubertus Werner, sieht die Initiative des Braunschweiger Händlers ambivalent. Einerseits belaste der Onlinehandel die lokalen Anbieter durchaus, und es sei legitim, für gute Arbeit und gute Beratung auch Geld zu verlangen. Anderseits sei Beratung eine Dienstleistung – „und mich als Kunden würde eine Gebühr abschrecken“. Persönlich lehnt Werner sie ab, und gibt Händlern wie Kunden noch einen Tipp: „Wenn alle fair miteinander umgehen, hätten wir solche Probleme nicht.“

Sie betrachte sich als „menschliche Suchmaschine“, sagt Ariane Bernecker. Sie betreibt den Drachenladen in Göttingen und glaubt nicht, dass eine Beratungsgebühr nötig ist. Die einen wüssten schon genau, was sie kaufen wollten, und die anderen seien vollkommen ratlos und froh über eine gute Beratung. Das Gefühl, dass jemand mit der Absicht komme, ohnehin später im Internet zu bestellen, habe sie nur selten. Im Gegenteil: Bernecker glaubt, dass viele Göttinger ein besonderes Interesse daran hätten, den Einzelhandel in der Stadt zu erhalten.

Von Branche zu Branche unterschiedlich

Die deutschen Apotheken sehen sich anscheinend besonderem Druck aus dem Onlinehandel ausgesetzt. Werbekampagnen machen deutlich, wo viele Apotheker den Gegner sehen: im Internet. Frank Germeshausen sieht das pragmatisch. Der Duderstädter Pharmazeut und stellvertretende Vorsitzende des Niedersächsischen Landesverbands der Apotheker betrachtet Kundenberatung als Teil seines Berufs. Deshalb ist Germeshausen gegen eine Beratungsgebühr. Er beobachte sogar, dass er Kunden durch gute Beratung davon überzeugen könne, ihre Medizin bei ihm, statt online zu kaufen. Die Beratung in der Apotheke biete zudem Vorteile: Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder individuelle Reaktionen ließen sich nur im persönlichen Gespräch zuverlässig erkennen.

„Nicht empfehlenswert“ findet Katharina Junge die Gebühren-Idee. Die Besitzerin von „Junge Mode“ in Hann. Münden ist davon überzeugt, dass kleine Betriebe wie der ihre in der Lage seien, Nischen zu besetzen und so erfolgreich zu sein. Sicherlich sei das von Branche zu Branche unterschiedlich, sagt Junge. Doch in ihrem Modegeschäft sei sie erfolgreich mit dem Leitgedanken, dafür zu sorgen, dass ihre Kunden sich wohlfühlen: „Ich weiß ja am Anfang nicht, was der Kunde will.“ Sie könne die Leute schlecht weniger freundlich behandeln, solange sie noch nichts bei ihr gekauft hätten. Jeder dürfe bei ihr dann auch ohne volle Tüte den Laden verlassen, und viele kämen wieder.

Von Tammo Kohlwes und Ulrich Schubert

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