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Göttingen Berufsschüler sollen in Göttingen Parkuhren füttern
Die Region Göttingen Berufsschüler sollen in Göttingen Parkuhren füttern
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14:00 06.12.2019
Der Haupteingang der Berufsschule (Arnoldi-Schule) im Friedländer Weg. Hier gibt es nur einen einzigen Parkplatz, der für Schwerbehinderte reserviert ist. Quelle: Meinhard
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Göttingen

Regulierend eingreifen will die Stadtverwaltung Göttingen im Ostviertel: In Arbeit befindet sich ein Parkraumbewirtschaftungskonzept. Vorgesehen ist die Ausgabe von Parkausweisen an alle Anwohner, alle anderen aber müssten bezahlen, auch die Schüler und Lehrer der Berufsbildenden Schule (BBS I) im Friedländer Weg. Dabei ist die Parksituation für sie bereits jetzt schon kompliziert. Schulleiter Rainer Wiemann beantwortet zum Thema Fragen des Tageblatts.

Wie ist die Nachricht über den Parkraumbewirtschaftungs-Plan in der Schule aufgenommen worden?

Als Schulleiter bin ich am 12. November, kurz vor der Informationsveranstaltung für die Anwohner, erstmals von der Stadt offiziell über den Parkraumbewirtschaftungsplan informiert worden. Natürlich haben wir schon zuvor aus diversen Presseartikeln entnommen, dass entsprechende Regelungen kommen sollen. Die Nachricht kam somit nicht ganz überraschend.Natürlich ist die Einführung einer Parkraumbewirtschaftung rund um unsere Schule für uns aus verschiedenen Gründen problematisch, die Diskussion in der Schülerschaft und im Kollegium läuft aber derzeit erst an.

Wie viele Schüler beziehungsweise Lehrer wären betroffen?

Unsere Schule hat etwa 120 Lehrkräfte und sonstige Mitarbeiter. Diese sind von der Regelung betroffen, wie die Mitarbeiter anderer Einrichtungen und Unternehmen mit Sitz in parkraumbewirtschafteten Zonen auch. Viele kommen aber bereits heute mit dem ÖPNV oder mit dem Rad zur Schule. Die wenigen zur Verfügung stehenden Parkplätze werden intensiv genutzt, reichen aber nicht aus.Vor allem geht es mir um die Schülerinnen und Schüler. Von unseren 2130 Schülern sind etwa 80 Prozent volljährig und damit potenzielle Autonutzer. Nach Schulformen betrachtet dürfte der Anteil der volljährigen Schüler in der Berufsschule noch weit höher liegen. Insgesamt kommt nur etwa ein Drittel aus der Stadt Göttingen und ein weiteres Drittel aus dem Altkreis Göttingen. Vor allem der Rest hat teils weite Schulwege zu bewältigen.

Ist es nicht auch rücksichtslos, von Schülern Parkgebühren zu verlangen? Über den Daumen gerechnet würden sechs Euro pro Tag nötig sein, in der Woche 30 Euro, im Monat 120 Euro, im Jahr wären das bei täglicher Anwesenheit mehr als 1000 Euro.

Für Schülerinnen, Schüler und Auszubildende sind zusätzliche Parkgebühren natürlich ein Problem. Angesichts der überschaubaren Ausbildungsvergütungen halte ich eine zusätzliche Kostenbelastung in der geplanten Höhe auch für nicht vertretbar. Das gilt besonders für die Auszubildenden mit weiten Anreisewegen, die auch so schon hohe Fahrtkosten stemmen müssen.Ein weiteres Problem wäre eine Höchstparkdauer von vier Stunden. Ein normaler Berufsschultag dauert mehr als acht Stunden, so dass Schüler wahrscheinlich zwischenzeitlich das Schulgrundstück und gegebenenfalls sogar den Unterricht verlassen würden, um neue Parktickets zu lösen. Ein ständiges Rein und Raus. Für uns als Schule wäre das ein großes Problem.

Wäre es für die Schüler eine Alternative, mit dem ÖPNV zur Schule zu kommen?

Für die Schülerinnen und Schüler aus Göttingen und der näheren Umgebung wäre das möglich und viele tun das ja auch bereits. Allerdings ist diese Alternative aus meiner Sicht heute für Schüler deutlich zu teuer. Sicher wären es sonst noch mehr, die mit dem ÖPNV anreisen würden. Die meisten erhalten keine Fahrtkostenerstattung oder Fahrkostenzuschüsse. Probleme verursachen auch umständliche oder unzuverlässige ÖPNV-Verbindungen. Viele der einpendelnden Schüler haben schlichtweg nicht die Möglichkeit, die Schule mit dem ÖPNV rechtzeitig zu erreichen. Selbst mit dem Auto müssen einige schon sehr früh losfahren.

Gibt es Flächen, die die Schule zum Parken herrichten kann?

Nein.

Sind zur Problematik Gespräche mit der Verwaltung geplant oder vorgesehen?

Im Rahmen der Vorstellung des Parkraumbewirtschaftungskonzepts wurden der Schule Gespräche angeboten, um die konkrete Ausgestaltung und mögliche begleitende Maßnahmen zu erörtern. Zwar gibt es bisher noch keinen konkreten Termin für Gespräche, ich bin aber zuversichtlich, dass sie stattfinden werden.

Welchen Kompromiss, welche Lösung erwartet die BBS I von der Stadtverwaltung?

Grundsätzlich sind schon aus ökologischer Sicht die Bemühungen der Stadt unterstützenswert, den Straßenverkehr in der Stadt zu beschränken. Die Einführung einer Parkraumbewirtschaftung als vollkommen isolierte Maßnahme ist dabei meines Erachtens aber keine geeignete Lösung. Wenn man eine Parkraumbewirtschaftung tatsächlich einführt, wären vergünstigte Schülertarife erforderlich. Außerdem sollte keine Höchstparkdauer festgesetzt werden, die mit den Rahmenbedingungen einer Schule unvereinbar ist.Mittelfristig wäre die Sachlage vielleicht anders zu bewerten, insbesondere bei Einbindung der Maßnahme in ein umfassendes Mobilitätskonzept. Das ÖPNV-Angebot muss besser, zuverlässiger und vor allem für Schüler preisgünstiger werden. Für diejenigen, die nicht auf den ÖPNV ausweichen können, wäre eine Einbindung der Schulen in ein P+R-Konzept mit Shuttleanbindung ein wichtiger Bestandteil eines solchen Konzepts. Gern sind wir bereit, konstruktiv an einer Problemlösung mitzuwirken.

Würde eine rigide Parkordnung, verbunden mit zusätzlichen Kosten, die BBS I nicht auch unattraktiver machen?

Die Gefahr besteht natürlich. Schüler könnten sich andere Standorte, etwa in Kassel, suchen. Neue Bildungsgänge wären dann schwer zu etablieren, bislang angebotene Bildungsgänge könnten eventuell nicht aufrecht erhalten werden.

Von Ulrich Meinhard

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