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Göttingen Besichtigen, Lernen, Tanzen, Essen und Feiern
Die Region Göttingen Besichtigen, Lernen, Tanzen, Essen und Feiern
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20:34 14.08.2011
Aspirinherstellung im X-Lab: der 18-jährige Vilius Dranseika (l.) und die 17-jährige Gintaré Bucaité aus Litauen.
Aspirinherstellung im X-Lab: der 18-jährige Vilius Dranseika (l.) und die 17-jährige Gintaré Bucaité aus Litauen. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Sie gehören zu den Siegern des Wettbewerbs „Deutsch für alle Köpfe“, den das Goethe-Institut für Nachwuchsforscher im Alter zwischen 15 und 18 Jahren in diesen fünf Ländern ausgeschrieben hatte. 593 Teilnehmer haben reichten 78 Forschungsprojekte ein. Je 15 Finalisten pro Land haben ihre Projekte einer Fachjury präsentiert. Fünf pro Land wurden dann als Sieger gekürt.

Der Preis: ein zweiwöchiger Aufenthalt am Goethe-Institut in Göttingen. Hier vertiefen die „Hellen Köpfe“ in einem Kursus ihre Deutschkenntnisse, besuchen Forschungseinrichtungen, Labors und Museen und lernen daneben die Stadt auch in eigener Initiative kennen. Am Mittwoch haben sie im X-Lab Aspirin hergestellt, am Donnerstag waren sie zu Besuch auf dem Max-Planck-Campus am Faßberg. Ein Ausflug zum Phaeno und zur Autostadt Wolfsburg stand am Sonntag auf dem Programm.

Im School-Lab des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sind sie zu Gast. Am Mittwoch fahren sie zur Deutschen Telekom nach Bonn, am Donnerstag ins Grenzlandmuseum in Teistungen. Aber auch das Vergnügen kommt nicht zu kurz – mit Boots- und Fahrradtouren in die Umgebung, einem Grillabend im Goetheinstitut und der Abschlussparty am kommenden Freitag, 19. August.

Aus Litauens Hauptstadt Vilnius kommt etwa die 18-jährige Ieva Liepuoniute. Sie hat mit einem biochemischen Forschungsprojekt am Wettbewerb teilgenommen. Untersucht hat sie den Einfluss des MDR1-Gens auf Prostata-Krebszellen. Der Besuch im X-Lab hat ihr großen Spaß gemacht: „Die Menschen im Labor waren sehr freundlich.“ Am Donnerstag hat sie zusammen mit den übrigen „hellen Köpfen“ den Goethe-Film im Open-Air-Kino im Freibad am Brauweg gesehen. Der war sprachlich allerdings noch ein bisschen zu schwierig für sie. Doch möchte sie ihre Deutschkenntnisse auf jeden Fall verbessern: „Vielleicht will ich einmal hier studieren.“

Auf dieselbe Schule wie Ieva geht ihr Landsmann Vilius Dranseika (18) aus Vilnius. Er hat ein Gerät konstruiert, mit dem er Mikroorganismen untersucht, genauer: „Bakterien, die Elektrizität machen“. Für diese Tests hat er, wie er in ziemlich flüssigem Deutsch erläutert, die Bakterien mit verschiedenen Zuckern versetzt und anschließend durch ein spezielles Filtrierverfahren die elektrisch aktiven von den anderen separiert. Von Göttingen kennt er nicht nur das Xlab und den Max-Planck-Campus auf dem Faßberg. Er schwärmt von den Buchhandlungen, von der Atmosphäre in der Altstadt: „Ich mag diese Stadt.“ Dass die Johanniskirche bislang bei jedem Rundgang verschlossen war, hat ihn allerdings etwas enttäuscht. Dennoch ist seine Begeisterung so groß, dass er am liebsten hierbleiben möchte: „Ich will nicht nach Hause fahren“. Studieren möchte er Biowissenschaften oder Pharmazie, auf keinen Fall in Litauen, sondern in Deutschland, am liebsten in Münster: „Dort sind die Biowissenschaften sehr stark.“
Die 18-jährige Michaela Horváthová kommt aus der südslovakischen Stadt Rimavská Sobota. Sie hat in ihrem Forschungsprojekt Trinkwasser auf Algen und Cyanobakterien untersucht. Diese Bakterien seien nicht ungefährlich, sie könnten in harmlosen Fällen Bauchschmerzen verursachen, aber auch Allergien und sogar Krebs auslösen, berichtet sie. Doch nicht die Mikrobiologie ist ihr gewünschtes Studienfach: Sie möchte Zahnärztin werden und dieses Fach in der slovakischen Hauptstadt Bratislava oder lieber noch in Prag studieren. Prag sei allerdings von ihrem Wohnort zwölf Bahnstunden entfernt.

Was hat sie sonst in Göttingen getrieben? „Ich war ein bisschen shoppen“, erzählt sie und berichtet von der Party, die sie am Mittwoch mit ihren Freunden in einer Göttinger Kneipe gefeiert hat. Anlass war der 17. Geburtstag von Daiga Krilova, einer Wettbewerbsteilnehmerin aus Lettland. „Da haben wir getanzt und gegessen – eben das, was so für Deutschland typisch ist.“

Von Michael Schäfer