Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttingen Bestseller-Autor spendet Buch-Erlös an Göttinger Heilsarmee-Haus
Die Region Göttingen Bestseller-Autor spendet Buch-Erlös an Göttinger Heilsarmee-Haus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:50 21.10.2019
Das Wohnheim der Heilsarmee, Untere-Masch-Straße 13b. Quelle: Niklas Richter
Anzeige
Göttingen

Richard Brox ist der wohl bekannteste Obdachlose Deutschlands. Sein autobiografisches Buch „Kein Dach über dem Leben“ wurde zum Bestseller, derzeit arbeitet er am Nachfolgewerk „Plädoyer einer Randkultur“, das im November erscheint. Der 55-Jährige, der seit 1985 auf der Straße lebt, kennt viele Wohnungslosenheime in der Bundesrepublik genau und kooperiert eng mit dem Heilsarmee-Haus in der Göttinger Innenstadt. „Das Haus ist für mich das Vorzeigeprojekt für Obdachlosenheime in Deutschland“, sagt Brox, „es ist eine Schande, in welchem Zustand es sich befindet.“ Deshalb hat sich der Autor entschlossen, den kompletten Erlös seines neuen Buches – nach Steuern – dem Heilsarmee-Haus zu spenden. Dabei könnte es sich um eine beträchtliche Summe handeln: Brox’ Erstlingswerk hielt sich 23 Wochen lang in der Spiegel-Bestsellerliste.

Richard Brox Quelle: Christina Hinzmann

Nur selten habe er eine solch familiäre Atmosphäre wie in diesem Gebäude erlebt, „dort wird noch gemeinsam gekocht, nichts wird geliefert“, auch Sozialkompetenz werde dort vermittelt. Beratung, Hilfe, Gemeinsamkeit, Fürsorge, hinzu die „perfekte Lage mitten in der Innenstadt“ – all dies mache das Heilsarmee-Haus zu einem „Leuchtturm für Obdachlose in ganz Deutschland“. Doch „das Haus ist stark sanierungsbedürftig“, sagt er, der Putz bröckele von den Wänden, „wenn man die Treppe hinaufsteigt, hat man Angst, durchzubrechen.“ Vor zwei Wochen habe er das Haus erst besucht, der Sanierungsstau dort führe zu einer „Gefährdung der Bewohner“, meint Brox, „es ist katastrophal“.

Sanierungsstau wird 2020 angegangen

Die Stadt Göttingen weiß um die Problematik. „Die Stadt steht in dieser Angelegenheit in einem engen und bislang auch durchaus konstruktiven Austausch mit der örtlichen Leitung des Hauses“, erläutert Sprecher Dominik Kimyon. „Wir wissen, dass ein Sanierungsstau entstanden ist“, fährt er fort, „richtig ist aber auch, dass wir immer direkt reagiert haben, wenn wir beispielsweise Hinweise zu etwaigen Schäden erhalten haben.“ Zudem sei die Heilsarmee als Mieterin des Objekts für notwendige Renovierungsmaßnahmen im Inneren des Gebäudes verantwortlich, auch dort gebe es „einen gewissen Stau“. Allerdings soll im nächsten Jahr kräftig angepackt werden: Denn 2020 beginnt die Städtebaumaßnahme „Nördliche Innenstadt“, in die das Gebäude aufgenommen wurde.

Zunächst soll ein Sanierungskonzept erstellt werden, in dem der Bestand aufgenommen und bewertet wird. Auf dieser Basis geht es dann weiter: Welche Maßnahmen sind notwendig? Welche Kosten fallen an? In welcher Reihenfolge sind welche Bauarbeiten durchzuführen? Daraus entwickelt sich das Umsetzungskonzept, das auch die Bedürfnisse der Heilsarmee berücksichtigt, erläutert Kimyon. Die ersten Maßnahmen sollen dann im nächsten Jahr beginnen. Für die Folgejahre erhält die Stadt dann noch weitere Fördermittel, „sodass die Bauarbeiten sich über mehrere Jahre hinwegziehen werden“.

Für Brox kommt die Maßnahme zu spät

Für den Bestseller-Autor ist das zu spät und langwierig: „Die Verfahrensweise der Stadt Göttingen in Bezug auf das Haus ist schon fast kriminell“, sagt Brox, „das ist quasi unterlassene Hilfeleistung.“ Jahrelang sei die Sanierung ignoriert worden, Leidtragende seien die 30 Bewohner des Gebäudes. Für die Bewohner sei das Haus zur Heimat geworden, ein Umzug in eine andere Einrichtung für viele aus Gesundheitsgründen nicht möglich. Dass die „klassische Touristen- und Studentenstadt Göttingen“ die Obdachlosen „nicht in der Innenstadt sehen möchte“, stößt ihm sauer auf. „Das ist schade, denn die Stadt sollte sich den Armen zuwenden und den Begriff der Menschlichkeit näher angehen.“

Spenden sind willkommen

Das Wohn- und Übernachtungsheim für Frauen und Männer der Heilsarmee an der Untere-Masch-Straße 13b benötigt Unterstützung. Sachspenden sind ebenso erwünscht wie finanzielle Hilfen. Ob Schuhe, Jacken, Lebensmittel oder Spielzeug – die Bewohner würden sich über jede Kleinigkeit freuen, betont Richard Brox. Der Autor von „Kein Dach über dem Leben –Biografie eines Obdachlosen“ spendet den kompletten Erlös seines neuen Buches „Plädoyer einer Randkultur“ an die Einrichtung der Heilsarmee. 4500 Euro hat er in diesem Jahr bereits überwiesen, wird auch sein zweites Buch ein Bestseller, dürfte noch einiges hinzukommen. Denn das Haus und besonders die „familiäre und soziale Atmosphäre dort“ liegen ihm „sehr am Herzen“. Auch freiwillige Helfer seien immer willkommen, sagt er. Wer ebenfalls helfen möchte, kann dies unter dem Spendenkonto 40 777 00, Bank für Sozialwirtschaft, BIC BFSWDE33XXX, IBAN DE82 3702 0500 0004 0777 00 unter dem Stichwort MH-GTTNGN.

Mehr zum Thema:

Alarm bei der Heilsarmee Göttingen: Risse in den Wänden, Putz fällt herab

Von Tobias Christ

Göttingen Göttingen / Aktionstag „Wir rufen zu Tisch“ Landwirte der Region beteiligen sich an bundesweitem Protest

Deutschlands Landwirte machen mobil. An diesem Dienstag, dem 22. Oktober, wollen sie bundesweit mit 14 Veranstaltungen auf die Straße gehen. Allein in Hannover werden 1.500 Schlepper erwartet – 150 kommen aus der Region.

22.10.2019

Vor dem Landgericht Göttingen hat am Montag, 21. Oktober, die Neuauflage eines Missbrauchsprozesses gegen einen früheren Göttinger Studenten begonnen.

21.10.2019

Vor einem Monat war Richtfest des Kunsthauses in Göttingen. Am Dienstag, 22. Oktober, berät der Ausschuss für Kultur und Wissenschaft/Betriebsausschuss Stadthalle über die Gründung einer gGmbH.

21.10.2019