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Göttingen Besuch bei balzenden, tanzenden, wippenden Vögeln
Die Region Göttingen Besuch bei balzenden, tanzenden, wippenden Vögeln
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20:06 28.09.2009
Balzende Kraniche, Kalendermotiv für den April: Carsten Linde bekam die Vögel in Schweden vor die Linse seiner Kamera.
Balzende Kraniche, Kalendermotiv für den April: Carsten Linde bekam die Vögel in Schweden vor die Linse seiner Kamera. Quelle: Linde
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Wenn sich im Herbst in der Rügen-Bock-Region vor dem Abflug gen Süden zehntausende skandinavischer Kraniche sammeln, sind Carsten und Rosi Linde im Einsatz. Im Bereich der Futterstellen weisen die Kranichranger Touristen ein und sorgen dafür, dass keiner den Tieren zu nah kommt. Weizen und Mais erhalten die Kraniche während sogenannter Ablenkungsfütterungen, „das soll verhindern, dass sie auf landwirtschaftliche Flächen ausweichen und den Jungtieren ermöglichen, sich Energie für den Weiterflug anzufressen“, sagt Linde. Ähnliches geschieht in kleinerem Maßstab im Frühjahr, wenn die Vögel zurückkehren.
Seit vier Jahren zählt das Ehepaar Linde zum Team des Kranichinformationszentrums Groß Moordorf. Bei den Einsätzen hat der 65-Jährige die Kamera stets dabei. Seit vergangenem Winter stand nicht nur Mecklenburg-Vorpommern als Reiseziel auf dem Programm. „Ich wollte gern mehr über den Kranichzug wissen, vor allem, wie die Tiere überwintern“, erklärt Linde, warum er mal allein, mal in Begleitung seiner Ehefrau zu einer europäischen Rundfahrt aufbrach. Erste Station war die Diepholzer Moorniederung, in der jährlich Kraniche rasten und mittlerweile sogar Überwinterungsversuche starten. Weiter ging es nach Frankreich: an den Lac du Der Chantecoq, „durch den Klimawandel auch ein Revier für die kalte Jahreszeit“ sowie nach Arjuzanx in der Gascogne. Auch das Hochplateau Laguna de Gallocanta in Spanien stand auf dem Reiseplan. Im März ging die Reise nordwärts: zum Tanz- und Balzplatz der Kraniche am schwedischen Hornborga See.

Patenvogel Kalle

In Diepholz begegnete Linde Kalle, einem der in Mecklenburg beringten Kraniche, „nur besondere Vögel bekommen einen Namen“, erzählt Linde. Kalle ist Patenvogel einer Schulklasse. In Schwe den spazierte der älteste beringte Kranich vor seine Kameralinse, ein Foto, über das sich die schwedischen Gastgeber sehr freuten: „Der Methusalem wurde vor 20 Jahren beringt.“
Besonders gern erinnert sich der Bösinghäuser an seinen Besuch am Hornborga See im März und April, jährlich Ort einer „Kontaktbörse“ für 15 800 Kraniche. Die „balzenden und tanzenden, wippenden, springenden und Pirouetten drehenden Kraniche“ begeisterten Linde. Ebenso gern erinnert er sich an den Besuch auf einem Kranich-Schlafplatz in Frankreich: „Morgens um 5 Uhr tappe ich mit der Fotoausrüstung durch die Dunkelheit. Dann das erste Hüsteln nicht weit von mir. Flügelgeräusche sind zu hören, schemenhafte Gestalten in der Morgendämmerung zu sehen. Die Vögel wachen auf, putzen sich, die ersten fliegen weg – in ganz weiches Licht getaucht.“
Carsten Linde hat Fotomotive der Reisen in einem Kalender abgedruckt. Erhältlich sind die „Kranich-Impressionen“ zum Preis von 12,90 Euro in den Tageblatt-Geschäftsstellen Göttingen und Duderstadt, den Buchhandlungen Deuerlich, Decius, Eulenspiegel, Vaternahm und bei Foto-Bieling.

Von Katharina Klocke