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Göttingen Göttingen: Betreuungsplätze werden knapp
Die Region Göttingen Göttingen: Betreuungsplätze werden knapp
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00:20 20.04.2019
Im Großraum Göttingen ist es derzeit nicht mehr so einfach, einen Betreuungsplatz für den eigenen Nachwuchs zu finden (Symbolbild). Quelle: Pixabay
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Göttingen / Landkreis

Immer häufiger haben Familien in Stadt und Landkreis Göttingen Schwierigkeiten, einen Betreuungsplatz für ihr Kind zu finden. Der Grund: Die Zahl der Kinder hat sich zuletzt deutlich erhöht.

Als sich Mohammad Loubani Ende Januar an das Tageblatt wendet, klingt seine Nachricht fast wie ein Hilferuf. „Ich bin total ratlos“, beschreibt der Kinderarzt, der an der Universitätsmedizin Göttingen arbeitet, die Situation seiner Familie. Sein Sohn werde im Mai vier Jahre alt, und seit zwei Jahren suche er nun nach einem Kindergartenplatz für ihn. „Er braucht Gesellschaft und die Sprache“, begründet Loubani die Dringlichkeit seines Anliegens. Doch wo Loubani auch fragt, überall bekommt er Antworten wie „Sie haben Recht, Ihr Kind hat Anspruch auf einen Kindergartenplatz, aber wir haben keinen“. Auch Nachfragen bei der Stadt Göttingen führen zunächst nicht zum Erfolg. Das könne noch dauern, habe es von dort geheißen. Und vielleicht könne sein Kind erst im Alter von fünf Jahren einen Platz bekommen. „Das Kind ist deprimiert und weint ständig“, gibt Loubani damals zu Protokoll.

Jetzt, im April, hat sich die Situation bei den Loubanis entspannt – inzwischen ist die Familie eingebürgert, und Loubani junior darf endlich bald in einen Kindergarten gehen. „Ehrlich gesagt bin ich total frustriert“, sagt Vater Loubani heute trotzdem noch. Und er betont: „Das hat uns viel Stress und Unruhe verursacht. Ich finde es nicht richtig, dass ein Kind erst im Alter von vier Jahren und drei Monaten in den Kindergarten gehen kann.“

Jahrelanger Trend kehrt sich um

Was sagt die Stadt Göttingen dazu? „Tatsächlich haben wir jetzt ganz aktuell (Stand: 10. April, Anm. d. Red.) zwei freie Plätze, jeweils einen Krippen- und einen Kindergartenplatz“, antwortet Dominik Kimyon, Sprecher der Göttinger Stadtverwaltung, auf eine Anfrage. Die Zahl der Kinder habe sich zuletzt, entgegen des jahrelangen Trends, deutlich erhöht. Kimyon: „Das ist erfreulich, und bei der Schaffung neuer Kitas planen wir deshalb neben dem Ausbau der Krippenplätze für die unter dreijährigen Kinder auch die Schaffung neuer Kindergartengruppen. Der Ausbau geht aber natürlich nicht über Nacht.“ Das liege daran, dass es in der Stadt Göttingen kaum geeignete Flächen gebe; auch fördere das Land Niedersachsen bisher keine Investitionen zum Ausbau von Kindergartenplätzen.

2015 noch 111 freie Plätze

Aktuell gibt es in Göttingen 2816 Kindergarten- und 1398 Krippenplätze. Zum 1. Januar 2019 waren davon insgesamt acht nicht belegt (Krippe: drei, Kindergarten: fünf). Am 1. Januar 2015 waren es noch 111 (davon elf Krippenplätze), 2016 bereits nur noch 31 (zwei Krippenplätze). 2017 und 2018 war zu Jahresbeginn jeweils kein Krippenplatz verfügbar. Bei den Kindergartenplätzen waren 15 (2017) beziehungsweise 19 (2018) frei. Aber: Zahlen aus dem Jahr 2017 zeigen, dass die Stadt Göttingen sowohl im Krippen- als auch im Kindergartenbereich zu dieser Zeit die höchsten Versorgungsquoten hatte – verglichen mit anderen großen Städten in Niedersachsen mit ähnlicher Sozialstruktur, namentlich Lüneburg, Celle, Delmenhorst, Hannover, Oldenburg, Osnabrück und Wilhelmshaven.

Dennoch: Derzeit ist die Situation angespannt wie schon seit Jahren nicht mehr. „Neu zugezogenen Eltern mit einem Kind im Krippen- oder Kindergartenalter könnten wir aktuell nur je einen Platz anbieten“, sagt Kimyon. Wartelisten gebe es in nahezu jeder Einrichtung im Stadtgebiet. Die Stadtverwaltung stellt auf ihrer Internetseite kita.goettingen.de eine monatlich aktualisierte Liste der freien Plätze je Betreuungsform bereit, die sowohl die städtischen Kitas als auch die Einrichtungen der freien Träger berücksichtigt. Über freie Plätze in Göttingen würden anfragende Eltern informiert, außerdem werde an die Tagespflegebörse verwiesen.

Viele Eltern suchen dringend

In der Region gibt es ein ähnliches Angebot: Auf einer Internetseite des Landkreises Göttingen findet sich unter dem Menüpunkt „Kinderbetreuung“ ein Link zur „Online-Vermittlungsbörse“ des Kinderservicebüros. Wer unter lkgoe.betreuungsboerse.net auf „Betreuung finden“ klickt, kann eine Liste von Angeboten anzeigen lassen und diese nach Betreuungsart und Kommunen filtern. Allerdings ist diese Datenbank weder vollständig noch tagesaktuell. Nicht alle 126 Kindergärten im Landkreis nutzen sie. Freie Krippen- oder Kindergartenplätze waren bei einer Stichprobe so gut wie nicht verfügbar. Dazu passt die Auskunft von Landkreis-Sprecherin Andrea Riedel-Elsner: „Uns erreichen wöchentlich Einzelanfragen von Eltern, die aktuell dringend auf der Suche nach Kita- oder Krippenplätzen sind.“

Von Markus Riese

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