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Göttingen Betriebe in der Region hereingelegt
Die Region Göttingen Betriebe in der Region hereingelegt
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18:52 07.01.2011
Von Matthias Heinzel
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Das Formular macht den Eindruck des Angebots einer amtlichen Gewerbeauskunft. Tatsächlich handelt es sich bei der „Gewerbeauskunfts-Zentrale“ nicht um ein amtliches Register, sondern um ein privates Internet-Branchenbuch der GWE-Wirtschaftsinformationsgesellschaft mit Sitz in Düsseldorf.

Auf die Täuschung hereingefallen ist auch eine Einzelhändlerin aus Duderstadt. Das Schreiben habe sie zunächst ignoriert. Dann habe ein Anrufer an das Angebot erinnert und im Gespräch mit einer ihrer Angestellten „richtig Druck gemacht“. Die Angestellte habe ihr das Schreiben dann vorgelegt, in der vorweihnachtlichen Hektik habe sie das Schreiben im Glauben, es handele sich um eine amtliche Sache, unterschrieben.

Erst als zu Silvester – und damit nach Ablauf der Widerspruchsfrist – eine Mahnung über 569 Euro kam, habe sie gemerkt, um was es sich tatsächlich handelt. Bei einem Anruf bei der Firma sei ihr gesagt worden, sie habe die Widerspruchsfrist versäumt. Mittlerweile, so die Duderstädter Geschäftsfrau, habe sie bereits eine „letzte Mahnung“ mit fünf Euro Mahngebühr und drohendem Unterton erhalten.

Das Vorgehen hat Methode. Gern verschicken die Abzocker ihre Schreiben in der Vorweihnachtszeit – wohl wissend, dass die Geschäftsleute in dieser Zeit sehr viel zu tun haben.

Handwerkskammern raten Betroffenen, sofort per Fax die Anfechtung des Vertrags gegenüber der GWE-Wirtschaftsinformationsgesellschaft zu erklären. Eine Erklärung mit dem Inhalt „Ich sehe mich durch Ihr Angebot getäuscht und fechte den Vertrag an“ reiche aus. Danach sollte der vollständige Sendebericht des Faxes – mit der Kopie des gefaxten Schreibens – aufbewahrt werden.

Auch danach müssten Betroffene mit außergerichtlichen Mahnschreiben rechnen. Bisher, so die Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe, sei kein Fall bekannt geworden, in dem die GWE versucht hätte, die Forderung vor Gericht einzuklagen.