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Göttingen Betriebliches Gesundheitsmanagement bei Ottobock
Die Region Göttingen Betriebliches Gesundheitsmanagement bei Ottobock
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09:57 31.03.2017
Betriebliches Gesundheitsmanagement: BGM-Fachkraft Jonas Treixler an einem höhenverstellbaren Schreibtisch bei Ottobock. Quelle: r
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Was gab den Anstoß, BGM einzuführen?

Um die Mitarbeiter bei der Gestaltung unserer Arbeitsorganisation und Arbeitsumgebung mitwirken zu lassen, werden gezielt Mitarbeiterumfragen zu den Themen Gesundheit und Familienfreundlichkeit durchgeführt. Die Auswertung hat gezeigt, dass die Belegschaft sich von Jahr zu Jahr zunehmend eine gesundheitsorientierte Unternehmenskultur wünscht.

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Die Vorgaben und Unterstützungsmöglichkeiten des Gesetzgebers haben ebenfalls die Einsetzung eines strategischen und nachhaltigen Gesundheitsmanagements gefördert.

Gesundheit managen bedeutet für uns, das Thema Gesundheit in allen Entscheidungsprozessen zu beachten und dies dauerhaft in die Organisation zu integrieren. Mitte 2016 haben wir an einer Potentialanalyse eines BGM-Dienstleisters teilgenommen. Hierbei wurden unsere BGM-Strukturen überdurchschnittlich gut bewertet

Welche Erfahrungen hat Ottobock mit den verschiedenen Maßnahmen gemacht?

Zu Beginn wurden sehr aufwendig der Bestand und die Strukturen unseres Unternehmens erfasst. Alle Ressourcen, die bereits im Zusammenhang mit dem Thema Gesundheit, Schutz und Prävention, im Unternehmen aktiv sind, sollten am BGM-Prozess beteiligt werden.

Im nächsten Schritt wurde ein Arbeitskreis zum Themenschwerpunkt „Familie & Gesundheit“ ins Leben gerufen. Hier sind außer mir unsere BGM-Fachkraft Jonas Treixler, das Betriebliche Eingliederungsmanagement, die Arbeitssicherheit sowie Vertreter von Betriebsrat und Schwerbehinderten vertreten. Wir haben eine direkte Verbindung zur Geschäftsführung. So können schnelle und auch einflussreiche Entscheidungen gefällt werden. Die Vielseitigkeit dieses Arbeitskreises erlaubt es uns, Schwachstellen schnell zu erkennen und bis zur Optimierung zu begleiten. Erst vor kurzem haben wir eine umfangreiche Mitarbeiterbefragung zu „Belastungen und Beanspruchungen am Arbeitsplatz“ durchgeführt. Die Teilnahmequote war erfreulich hoch und lag bei über 65 Prozent. Ein Ergebnis der Befragung ist, dass unsere Mitarbeiter gerne besser zu dem Thema Stress und Entspannung informiert werden möchten. Zum Start ins neue Jahr haben wir unseren Mitarbeitern ein Team aus Beratern zur Verfügung gestellt, die Aufklärungsarbeit und individuelle Beratung zu dem Kontext Stress, Entspannung und Gesundheit angeboten haben. Innerhalb weniger Tage waren alle Beratungstermine ausgebucht.

Das BGM-Konzept von Ottobock setzt sich aus langfristigen Strategien und Maßnahmen zur Gesundheitsförderung zusammen. Hierbei haben wir besonders die Optimierung von Arbeitstätigkeit und Arbeitsumgebung, Gesundheitsgerechte Führung und Angebote zu den Themen Bewegung, Ernährung, Sucht und Stress im Fokus.

Inwieweit spielt das Thema „gesunde Führung“ eine Rolle?

Das Thema Führung spielt in unserem BGM-Konzept eine zentrale Rolle. Ein systematisches BGM kann nur mit und nicht gegen die Führungskräfte des Unternehmens umgesetzt werden. Sie vermitteln den Mitarbeitern die Visionen und Ziele des Unternehmens. Direkte Vorgesetzte haben eine Vorbildfunktion in der Organisation und sind so hauptverantwortlich für die Unternehmenskultur. Sie beeinflussen durch Ihr Gesundheits- und Entscheidungsverhalten die Arbeits- und Organisationsbedingungen der Beschäftigten, sie entscheiden über den Einsatz und die Entwicklungsmöglichkeiten der Mitarbeiter. Vor allem aber sind Führungskräfte ein zentraler Teil des arbeitsbezogenen Netzwerkes eines jeden Beschäftigten und beeinflussen die Voraussetzungen für Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeiter.

Um unsere Führungskräfte über die neuen Personalstrategien zu informieren, haben wir gemeinsam mit einem Gesundheitsdienstleister eine Weiterbildung für Führungskräfte entwickelt. Schwerpunkt war die Vermittlung der neuen Gesundheitsstrategien des Unternehmens, gesundes Selbstmanagement und gesunde Führung. Alle Führungskräfte von Ottobock wurden zur Teilnahme an dieser Veranstaltung verpflichtet.

Wovon profitieren die Mitarbeiter am meisten?

In erster Linie profitieren die Mitarbeiter von dem Neuerlernten. Sie werden im gesundheitlichen Kontext weitergebildet und werden befähigt auf die eigene und die Gesundheit und Sicherheit von anderen zu achten. Wir versuchen neben den Führungskräften weitere Gesundheitsmultiplikatoren im Unternehmen auszubilden, um zukünftig noch direkter agieren zu können. Im BGM arbeiten wir eng mit unserem Betriebsrat zusammen. Die Mitarbeiter können das, was unter den Nägeln brennt, also direkt und trotzdem anonym in unserem Arbeitskreis „Familie & Gesundheit“ einbringen.

Wir sind sehr froh, seit 2016 eine betriebseigne Kantine zu haben, die Frühstück und Mittagessen anbietet. Das Angebot ist sehr abwechslungsreich, es gibt jeden Tag ein vegetarisches Gericht und ein Salatbuffet. Ein Feedbackkasten in der Kantine hilft, uns Bedürfnisse unserer Mitarbeiter zu erfahren und uns kontinuierlich weiter zu entwickeln. Außerdem haben unsere Mitarbeiter kostenfreien Zugang zu Trinkwasser und Kaffee. Beinahe jeder Arbeitsbereich verfügt über seine eigene Küche, in der aufWunsch das heimische Essen zubereitet werden kann.

Gesundheitsfokussierte Seminare werden jedem Mitarbeiter jederzeit zugänglich gemacht.

Unsere vielen Arbeitszeitmodelle und die Möglichkeit auf Homeoffice schätzen unsere Mitarbeiter. Wir glauben fest daran: Wer flexibel in seiner beruflichen Tätigkeit ist, kommt nicht nur motivierter zur Arbeit, sondern muss auch weniger Widerstände überwinden für seine individuelle Work-Life-Balance.

Betriebssportgruppen haben bei Ottobock außerdem eine lange Tradition. Wir bieten viele Sportarten an. Besonders Mitarbeiter, die neu in die Region gezogen sind, nehmen das Angebot gerne an, um Kontakte zu knüpfen und sportlich aktiv zu sein.

Gab es auch Schwierigkeiten bei der Umsetzung?

Es war nicht einfach, und hat eine geraume Zeit gedauert, bis wir eine Krankenkasse gefunden haben, bei der alles passte und mit der wir nun auch zusammenarbeiten.

Uns kam es auf eine langfristige Planung und ein Verständnis für die verschiedenen Anforderungen und Belastungen der Arbeitsplätze an. Zwar ist die Zeit für die Umsetzung von BGM reif, denn das neue Präventionsgesetz verpflichtet die Kassen hierfür Geld oder Maßnahmen bereitzustellen. Aber in der Umsetzung gibt es Unterschiede; hier muss jedes Unternehmen für sich herausfinden, welcher Partner der Beste ist.

Konzept für Auszubildende

Neben dem innerbetrieblichen Gesundheitskonzept, dass allen Mitarbeitern zugänglich ist, hat Ottobock auch ein spezielles Angebot für besondere Abteilungen und Zielgruppen entwickelt. Hierzu gehören die Auszubildenden. „Dabei geht es hauptsächlich um das Thema Prävention – denn wir möchten, dass auch unsere jüngsten Mitarbeiter wissen, wie sie sich im Berufsalltag fit und gesund halten können“, sagt Carsten Hochwald.

Das Konzept erstreckt sich über zwei Ausbildungsjahre und soll die Auszubildenden noch besser auf ihr Arbeitsleben vorbereiten. Schwerpunkte im ersten Ausbildungsjahr sind ein ganzheitliches Verständnis von Gesundheit, Ernährung und Bewegung. Im zweiten Ausbildungsjahr werden die Themen Suchtprävention, Stressprävention und gesunder Schlaf geschult.

Gestartet wurde das AzuBi-Angebot mit einem zweitägigen Workshop für das erste Ausbildungsjahr Mitte Dezember 2016. bif