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Göttingen Leine wird auf Keime untersucht
Die Region Göttingen Leine wird auf Keime untersucht
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19:50 26.06.2018
Die Leine in Göttingen Höhe Kläranlage. Quelle: Vetter
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Göttingen

Die Fraktion der Grünen hatte die Stadtverwaltung zur Belastung der Leine durch dort eingeleitetes Wasser der Göttinger Kläranlage gefragt. Antwort der Verwaltung im Betriebsausschuss Umweltdienste am Freitag: „Konkrete Untersuchungen der Leine auf multiresistente Keime unterhalb der Einleitstelle der Kläranlage liegen nicht vor.“ Allerdings habe das Land Niedersachsen im Mai mit einem landesweiten Sondermessprogramm begonnen: „Insgesamt sollen innerhalb der nächsten Wochen an die 200 Proben an 80 verschiedenen Stellen gezogen werden.“

Landesweiter Überblick

Das Messprogramm soll einen landesweiten Überblick über die Belastungssituation von Flüssen und Bächen mit multiresistenten Keimen liefern, um Informationen zu Eintrags- und Verbreitungswegen zu liefern.

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Bereits in einer früheren Studie der Uni Göttingen aus den Jahren 2009/2010 sei der Ablauf der Göttinger Kläranlage auf Medikamentenrückstände untersucht worden, erklärt die Stadtverwaltung: Darin sei ausgeführt worden, „dass die Göttinger Kläranlage auch im Winter eine ausgesprochen gute Reinigung des Abwassers liefert“. Durch konventionelle Kläranlagen mit den Reinigungsstufen 1 und 2 würden die bakterielle Fracht und Antibiotikaresistenzgene um 90 bis 99 Prozent verringert. Aber: „Dennoch gelangen Resistenzen durch Kläranlagen, aber auch durch die Landwirtschaft in die Gewässer.“ Weitere Reinigungsstufen seien derzeit nicht gepant, „da die Restkonzentrationen im Nanogramm-Bereich keinerlei gesetzliche Grenzwerte oder toxikologisch Alarmwerte erreichen“.

Multiresistente Keime und Medikamentenrückstände

Priorität sollte „grundsätzlich“ die Vermeidung der Einleitung von Medikamentenrückständen in den Wasserkreislauf haben. Was Klärschlamm betrifft, wird dieser aufgrund der Gesetzeslage auf Salmonellen, nicht aber auf multiresistente Keime und Medikamentenrückstände untersucht. Und: Inwieweit es zu einer Belastung der Oberflächengewässer aus diffusen Einträgen über landwirtschaftlich verwerteten Klärschlamm kommt, kann in Ermangelung von Untersuchungsergebnissen nicht abgeschätzt werden.“ Das Problem der Einträge von Medikamentenrückständen und multiresistenten Keimen, erklärte Werner Rusteberg von den Göttinger Entsorgungsbetrieben (GEB), entstehe jedoch nicht nur in Kliniken: Oft seien auch der ambulante Medizinbetrieb die Quelle.

Weiteres Thema im Betriebsausschuss Umweltdienste: ein Rückhaltebecken im Verlauf des Elliehäuser Bachs an der nördlichen Holtenser Landstraße. Bei sehr starkem Regen, wie er statistisch alle zehn Jahre vorkommt, reiche die Kapazität des Baches bei weitem nicht aus, um das Wasser abzuleiten, so die Information der GEB im Ausschuss. Eine Folge unter mehreren: Dem Science Park drohe die Überflutung. Ein Rückhaltebecken allein reiche allerdings nicht aus, um das zu verhindern: Dazu müssten weitere Auffangflächen geschaffen werden. Die Angelegenheit sei wegen der Überschwemmungsgefahr dringlich.

Von Matthias Heinzel

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