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Göttingen Betrüger erfinden Gericht und schreiben Insolvenzschuldner an
Die Region Göttingen Betrüger erfinden Gericht und schreiben Insolvenzschuldner an
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19:30 14.10.2013
Von Matthias Heinzel
Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Göttingen

Diesen Insolvenzschuldnern werden dann gefälschte Gerichtskostenrechnungen über Beträge meist zwischen 70 und 90 Euro zugeschickt. Eine Zahlungsaufforderung ist gleich beigefügt. Die Betrugsmasche laufe derzeit bundesweit.

Als Absender ist ein „Registergericht“ angegeben, das es im Insolvenzrecht gar nicht gibt. Keinesfalls, sagt Scholz, sollte die Rechnung bezahlt werden.

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Offenbar führe die im Schreiben angegebene Bankverbindung nach Bulgarien: „Auf dem Konto eingehende Gelder werden mit hoher Wahrscheinlichkeit unverzüglich auf andere Konten überwiesen. Das eingezahlte Geld dürfte in aller Regel unwiederbringlich verloren sein.“

Namen von Amtsgerichten ausgenutzt

In ihren Schreiben benutzen die Betrüger oft die Namen von Amtsgerichten der näheren Umgebung. Im Text selbst wird das „Registergericht“ Kassel genannt, dies auch in Schreiben, die in Hamburg und Oldenburg aufgetaucht sind. Scholz: „Zwar ist es grundsätzlich richtig, dass die Gerichtskosten für ein Verfahren vorab eingezahlt werden müssen.

Gerade bei Insolvenzverfahren aber gibt es häufig eine Verfahrenskostenstundung. Die Kosten für das Gericht und den Treuhänder können also später bezahlt werden.“ Diese Stundung der Verfahrenskosten werde üblicherweise zeitgleich mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens und der Restschuldbefreiung beantragt und auch gewährt.

Scholz: „Damit ist es aber in aller Regel auch nicht notwendig, die Verfahrenskosten, die im Übrigen um ein Vielfaches höher sind als im Schreiben eingefordert, vorab einzuzahlen.“

Anruf beim Insolvenzgericht kann für eine Klärung sorgen

Im Insolvenzverfahren gibt es Insolvenzgerichte, die meist für mehrere Amtsgerichtsbezirke zuständig sind. So ist für die Landkreise Göttingen und Northeim zentral das Amtsgericht Göttingen zuständig. Sobald die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt ist, erhält der Antragsteller diesbezügliche Post nur noch vom Insolvenzgericht und vom Treuhänder.

Scholz: „Weitere das Insolvenzverfahren betreffende Post mit anderem Absender und vor allem mit Zahlungsaufforderungen sollten die Betroffenen ihrem Schuldnerberater oder dem Treuhänder vorlegen. Auch ein kurzer Anruf beim Insolvenzgericht kann für eine Klärung sorgen.“

Scholz rät außerdem, Forderungen von Gläubigern, die vor dem Eröffnungsbeschluss des Insolvenzgerichts eingehen, zu ignorieren und dem Schuldnerberater zwecks Klärung vorzulegen.