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Göttingen Betrugsserie mit inszenierten Unfällen
Die Region Göttingen Betrugsserie mit inszenierten Unfällen
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00:18 09.06.2017
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Göttingen

Das Gericht war aufgrund einer Vielzahl von Indizien überzeugt, dass der 48-Jährige im April 2012 mit dem Wagen eines 44-jährigen Mitangeklagten absichtlich in Göttingen einen geparkten Pkw gerammt hatte. Dieser erhielt eine Geldstrafe von 150 Tagessätze zu je 20 Euro. Das Gericht entsprach mit seinem Urteil im Wesentlichen dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert.

Der Hauptangeklagte hatte angegeben, dass er wegen eines Niesanfalls die Kontrolle über das Fahrzeug verloren habe. Dies nahm ihm das Gericht vor allem aus einem Grund nicht ab: Das beschädigte Auto gehörte zum Pool eines erheblich vorbestraften 63-Jährigen, der wegen Bandendiebstählen und Drogenhandels bereits mehrere Jahre in Haft gesessen hat und als Drahtzieher der Betrugsserie gilt. Der 63-Jährige ist in einem gesonderten Verfahren wegen 15 Fällen des gewerbsmäßigen Betruges angeklagt.

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Der vorgespielte Unfall in Göttingen war nach Überzeugung der Ermittler Teil einer Serie, mit der Versicherungen betrogen werden sollte. Ob der 48-Jährige selbst von dem Betrug profitiert habe, sei unklar, meinte der Richter. Ähnlich wie in den anderen Fällen sei die Fahrzeugkollison so inszeniert worden, dass nur geringes Verletzungsrisiko bestanden habe und keine Zeugen zu erwarten gewesen seien. Die Angeklagten seien nur „kleine Fische“, während der 63-Jährige „ganz oben“ angesiedelt sei.

Dennoch sei Betrug für den Duderstädter „nichts Unbekanntes“, sagte der Richter weiter. Der Angeklagte hatte Mitte der 1990er Jahre mit einem Komplizen zweimal einen Lastwagen vom Hof einer Spedition entwendet und anschließend die aus Küchen-, Haushalts- und Elektrogeräten bestehende Ladung im Eichsfeld verkauft. Kurz vor dem Unfall hatte ihn das Amtsgericht Duderstadt wegen eines anderen Betruges zu einer 14-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt. 

Von Heidi Niemann

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