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Göttingen Bewohner besorgt um die Sicherheit der Kinder
Die Region Göttingen Bewohner besorgt um die Sicherheit der Kinder
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19:20 21.09.2009
Es wird eng: kein Platz für Begegnungsverkehr.
Es wird eng: kein Platz für Begegnungsverkehr. Quelle: CH
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Aus Kassel, Höxter, München kommen die Autos. „Und was für wilde Kennzeichen“ bekämen die Emmenhäuser nun jeden Tag zu sehen, empört sich eine Anliegerin. „Sie sollen die Straße einfach sperren“, schimpft Jürgen Niewa (SPD) aus dem Ortsrat. Etwa 40 Emmenhäuser sind spontan zu einem Ortstermin mit dem Tageblatt gekommen. „Wir haben schon so unsere Befürchtungen gehabt“, sagt Ortsbürgermeister Gerd Ofiera (parteilos). „Dass es so extrem wird“, habe keiner geahnt. Mittags zwischen 13 und 13.30 Uhr habe er 120 Fahrzeuge gezählt. 600 seien es sonst in einer Woche.
„Was mir am Herze liegt, ist die Sicherheit der Kinder“, betont Ofiera. „Wo springen sie denn hin, wenn ein 40-Tonner kommt?“ Auch nachts donnerten die Lastwagen durch die Ortschaft. Dabei gebe es eine Umleitungsstrecke, die nicht über Emmenhausen führe. Doch diese sei offensichtlich missverständlich ausgeschildert. „Die Anlieger bezahlen immer.“ Die Straße ohne Bürgersteige sei nicht für Gegenverkehr gebaut. „Sie fahren den ganzen Rand kaputt“, klagt einer. „Wer kommt für die Sanierung auf? Die Brücke am Ortsausgang sei gerade erst instandgesetzt worden.
„Wir ziehen alle an einem Strang“, betont Bovendens Bürgermeisterin Heidrun Bäcker (SPD). Gleich am ersten Tag der Sperrung des Knotenpunktes habe sie mit dem Landkreis gesprochen. Die Bauarbeiten seien bis November angekündigt. „Das können wir nicht so hinnehmen“, sagt Bäcker. Auch die ohnehin brenzlige Situation an dem unbeschrankten Bahnübergang findet sie jetzt noch viel gefährlicher als sonst. Fremde bretterten ungebremst darüber, bestätigt eine Anliegerin. „Es wird erst gehandelt, wenn ein Unfall passiert ist“, sagt die Frau voraus.

„Achtung Kinder“

„Achtung Kinder“ warnen Schilder in grellen Leuchtfarben mit drohendem Schwarz am Buswartehäuschen. Die Bürger haben Luftballons und Spruchbänder aufgehängt. Als Fahrzeuge aus beiden Richtungen kommen, gibt es in Emmenhausen kein Durchkommen mehr. „Hallo, ich habe gerade Feierabend. Ich möchte auch irgendwann nach Hause“, ruft ein Fahrer ungeduldig. Doch zur Freude der verkehrsgeplagten Dorfbewohner gilt es hier erst einmal kräftig zu rangieren, um weiter zu kommen. Zum Glück muss der Rettungswagen aus Holzminden augenscheinlich nicht zu einem Notfall. Ein leerer 40-Tonner rappelt durchs Dorf. Jetzt darf keiner mehr entgegenkommen.
Anlieger-frei-Schilder, eine Ampelregelung oder möglichst große Schwellen auf der Ortsdurchfahrt wünschen sich die Emmenhäuser, um das Autobahn-Flair wieder aus dem Dorf zu verbannen. Als sich die Versammlung schon fast aufgelöst hat, kommt auch die Polizei nach Emmenhausen. Doch sie kommt nicht, um sich um das Verkehrschaos zu kümmern, sondern wegen einer nicht angemeldeten Demonstration.

Gute Nachricht?

Gestern gab es dann aber doch eine Nachricht, die Entlastung bringen könnte. Auf Wirken des Fleckens Bovenden und der Polizei hat der Landkreis am Montag angeordnet, dass die Durchfahrt durch Emmenhausen für Kraftfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 3,5 Tonnen nicht erlaubt ist. Eine entsprechende Beschilderung wurde angeordnet. Des weiteren werde die Plantafel in Lödingsen mit dem Zusatz: „Keine Wendemöglichkeit in Emmenhausen für Lkw“ ergänzt. Für die Emmenhäuser gilt abzuwarten, ob diese Maßnahmen dem Dorf wieder mehr Ruhe und vor allem wieder Sicherheit bringen.

Von Ute Lawrenz

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